Opel Lotus Omega

27. Mai 2017 11:21; Akt: 27.05.2017 11:21 Print

Biedermann und Brandstifter

von B. v. Rotz - 1989 lancierte Opel den Lotus Omega mit 377 PS und zeigte der Sportwagen-Elite von Ferrari Testarossa bis Porsche Turbo die Rückleuchten.

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Eigentlich unterschied sich der Opel Lotus Omega nur geringfügig von seinen «normalen» Artgenossen, die optischen Unterschiede sind auf diesem Bild erkennbar. Dass 377 Pferdestärken unter der Haube versammelt waren, wussten nur Eingeweihte. Front- und Heckspoiler machten auf das Supersportwagen-Potenzial des Opel Lotus Omega aufmerksam. Mit über 120'000 Franken war der Opel Lotus Omega der damals teuerste Opel. Innen blieb der Über-Omega seinen Wurzeln treu, ein Opelaner fand sich sofort zurecht. Einen Tacho bis 300 km/h sah man vor 25 Jahren selten, der Lotus Omega erhielt ihn zu Recht. Auf den Fahrzeughersteller Lotus, der damals General Motors gehörte, machen diverse Schriftzüge aufmerksam. Genau genommen handelt es sich eben um einen Lotus Omega und nicht um einen Opel Lotus Omega. Sechs Vorwärtsgänge hatte nur der Opel Lotus Omega, der sechste wies Schongang-Charakteristik auf und sollte auf den Einfahrkilometern möglichst nicht benutzt werden. Ein veritables Kraftwerk im Omega-Bug: Sechs Zylinder, 24 Ventile, zwei Turbolader, ein Ladeluftkühler - 377 PS bei 5200 Umdrehungen, 577 Nm - und es wird mächtig heiss im Motorraum. Breite Schlappen - vorne wurden 235-er, hinten 265-er Reifen montiert, dafür wurden die Radhäuser kräftig verbreitert. Zusätzliche Öffnungen in der Motorhaube zur Abführung der heissen Luft. Beim Prototypen von 1988 war der Heckflügel noch versenkbar, in der Serie wurde er fest montiert. Er senkte zusammen mit dem Frontspoiler den Luftwiderstandsbeiwert und sorgte für weniger Auftrieb an der Hinterachse. Viereckige Auspuffenden als Hinweis auf die Zusatz-Power. Der Opel Omega A bot als Dreiliter die Ausgangsbasis für Lotus. Komplette Autos wurden nach England verschifft, dort zerlegt und umgebaut. Die britische Variante hiess Vauxhall Lotus Carlton, rund ein Drittel der knapp über 900 produzierten Wagen hatten das Lenkrad rechts

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Ein Opel bringt jetzt nicht unbedingt das Blut in Wallung. Und wenn man sich in den dunkelgrün-métallicfarbenen Omega setzt, fallen vorerst kaum Unterschiede zu anderen Autos aus Rüsselsheim auf. Doch dann bleibt der Blick am Tacho hängen, bis 300 km/h reicht die Skala.

Etwas optimistisch, denkt man vorerst. Links davon im Drehzahlmesser aber zeigt sich ein Lotus-Logo und weist auf die Seriosität der Tachoskala hin. Aussen lassen Front- und Heckspoiler sowie verbreiterte Radläufe auf hohe Potenz schliessen. Dass aber über 370 Pferdestärken unter der Motorhaube versammelt sind, das spürt man erst, wenn man losfährt.

Premiere in Genf

Im Herbst 1988 wurde der Grundstein für die Entwicklung gelegt, kurz darauf zeigte bereits ein Tonmodell, wohin die Reise stilistisch ging. Wenige Monate danach, im März 1989, präsentierte Opel den Lotus Omega als Überraschungspremiere am Genfer Autosalon. Ein gutes Jahr später stand der Wagen beim Händler für 122'500 Franken.

Für das viele Geld erhielt man einen stark überarbeiteten Omega. Beim Motor handelte es sich um eine Neukonstruktion, die zwar ihre Abstammung vom Opel-Dreiliter-Sechszylinder nicht verheimlichen wollte, aber bis und mit Motorblock unterschiedlich war.

3,6 Liter Hubraum, 24 Ventile, zwei Turbolader mit Ladeluftkühler und eine Einspritzung sorgten für 377 PS. Als Kraftübertragung wurde auf das ZF-Sechsgang-Getriebe der Corvette ZR1 zurückgegriffen, das Sperrdifferenzial fand man bei Holden in Australien.

Aussen konnte man den Lotus Omega an in England entwickelten Karosserieanbauteilen erkennen. Innen sorgten mit Connolly-Leder überzogene Sportsitze, Wilton-Teppiche und Alcantara für das erwartete Luxus-Ambiente, das Armaturenbrett blieb aber im Serienzustand.

Überflieger

Opel hatte mit Lotus zusammen einen wahren Überflieger lanciert. Ein Porsche Turbo (964) leistete zu jener Zeit 320 PS, ein BMW M5 kam gerade einmal auf 315 PS. Da waren 377 PS natürlich eine Ansage und bestückt mit diesem Leistungsangebot katapultierte sich der Opel Lotus Omega auch bei einem Vergleichstest der Zeitschrift «Auto Motor und Sport», bei dem er gegen den BMW M5, den Alpina-BMW B10 Biturbo und den Mercedes-Benz 500 E antrat, ganz nach vorne.

Für den Spurt von 0 bis 100 km/h nahm sich der Rüsselsheimer gerade einmal 5,3 Sekunden Zeit, ein Porsche Turbo konnte das zwar noch einen Zehntel schneller, der Ferrari Testarossa aber liess sich sogar noch vier Zehntel mehr Zeit. Bis Tempo 200 km/h, dann fielen sowohl die Limousinen von BMW, Alpina und Mercedes-Benz als auch die Supersportwagen von Ferrari und Porsche zurück, 17,3 Sekunden waren ein eindeutiger Bestwert.

Mit der Familie im Eiltempo

377 PS mögen heutzutage nicht mehr so viel sein, handgeschaltet, in Kombination mit rund 1,7 Tonnen Gewicht und auf die Hinterräder losgelassen beeindruckt die Dynamik aber noch allemal. Von Turbo-Gedenksekunde ist kaum etwas zu spüren, nur der ellenlange erste Gang (bis 89 km/h) dämpft das Vorwärtskommen vorerst ein wenig. Beschleunigungsmanöver im zweiten oder dritten Gang stellen aber jederzeit ein Risiko für den Führerschein dar und darüber, was die Kraft bei Nässe ausrichten könnte, wollen wir gar nicht spekulieren.

Sorgfältig dosiert lässt sich das Leistungsvermögen aber auch im Alltag nutzen und dann ist auch kein damals gemessener Durchschnittsverbrauch von 19,3 Litern pro 100 km zu befürchten.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster sind auf www.zwischengas.com zu finden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Querus schlägerus am 27.05.2017 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legendär

    Der Wolf im Schafspelz. Ein Rakete für damalige Opel Verhältnisse. Bergrennen-Kadetts ausgeschlossen.

  • Point Man am 27.05.2017 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schnellste Limousine

    Geiler Wagen wurde schon oft unterschätzt. War damals eine der schnellsten Limos oder Sogar die Schnellste.

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  • Rocky am 27.05.2017 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hammer

    das waren noch geile autos. getriebe der zr1 vette kostete 35t, motor 65, karosserie 30. war damals in der lehre und durfte mit dem mech auf die probefahrt, war sehr in die sitze eindrücklich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Die Wernersens am 28.05.2017 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Opel Kadett

    Nein da hat mir mein Opel Kadett GSi mehr gefallen und die Kiste ging mit ihren läppischen 150 PS auch ordentlich ab, da er relativ leicht war. Dummerweise ist mir das Ding unter dem Hintern durchgerostet. Opel Qualität halt...

    • Snooker am 28.05.2017 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Die Wernersens

      voll deiner Meinung. War ne super Zeit.

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  • Forex11 am 27.05.2017 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Traumwagen!

    Ich hatte so eine Rakete. Wurde bei Sportec in Höri noch etwas nachgeschärft. Das Drehmoment lag danach bei 680Nm, die Leistung bei 430 PS. Im 4. Gang von 160-220 in 6,8 GPS-Sekunden, von 80-120 im deren 2,1. Brutal war vorallem, wie der Biturbo bei Vollgas anriss. Es gab wirklich nicht sehr viele Gegner damals..

  • Giovanni-Luigi am 27.05.2017 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    Muss selbst als Italiener zugeben das der Lotus Omega eine sehr schöne Linie hat. Von Vorne, von der Seite, von Hinten - ich sehe Ihn mir wirklich gerne an. Schönes Teil.

  • Raubein am 27.05.2017 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Geilomat

    Ich liebe diese Dreckschleudern der späten 80ern, frühen 90ern :-) . Hatte bis vor kurzem auch noch einen Ford Scorpio Cosworth als Sonntagswagen. Echt schade hat GM Opel jetzt abgestossen. So viel Preis-Leistung gabs in den letzten 10 Jahren vielleicht noch von Skoda. Aber da kriegt man viel Ausstattung nicht, die Opel immer zu sehr humanen Aufpreisen anbot. Wie z.B. die AGR Sitze, Lenkradheizung, WLAN etc. Auch in Pannenstatistiken mit der Mittelklasse immer top platziert! R.I.P.

  • Peppe am 27.05.2017 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Omega Lotus

    Hammer !!!! Meiner steht in meiner Garage,mit erst 77000km Dieses Fahrzeug ist nicht für jeder es ist wirklich ein Wolf im Schafspelz! Ps:Er steht zum Verkauf...

    • Dax am 27.05.2017 17:11 Report Diesen Beitrag melden

      weil du keine Nerven mehr hast?

      Weil du mehr in der Garage als auf der Strasse warst? Hatte einen von den letzten Omega B, bei dem war das Gegenteil... aber die von Lotus horror dauernd probleme.

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