BMW 850i

21. Juni 2014 13:47; Akt: 21.06.2014 13:47 Print

Luxusschlitten zum Budget-Preis

von B. von Rotz - Er war der teuerste BMW der Neunzigerjahre und kostet heute kaum mehr als ein Mazda MX-5 von damals: der 850i. Nie war ein automobiler Meilenstein derart günstig zu haben.

Bildstrecke im Grossformat »
Der BMW 850i wirkt grösser, als er in Wirklichkeit ist. Gebaut wurde er von 1989 bis 1999 in gut 30 000 Stück (inklusive Achtzylinder-Varianten). Eine schöne Linie zeichneten die BMW-Designer in den Achtzigerjahren, auch heute wird das BMW 850i Coupé noch modern, 25 Jahre nach der ersten Präsentation. Der BMW 850i hatte alles an Bord, was damals machbar war. Spätere Modelle hatten sogar eine Aktiv-Hinterradlenkung. 1,85 Meter Breite ist heute fast schon normal, vor 25 Jahren gehörte es damit zu den richtig breiten Autos. Der BMW 850i eignet sich zum komfortablen und stressfreien Schnellfahren wie kaum ein anderes Auto aus seiner Zeit, kein Wunder weisen viele Fahrzeuge heute hohe Kilometerstände auf. Schon 1990 mit Airbag, das Leder aber kostete Aufpreis, genauso wie die Automatik, das Telefon oder die Stereoanlage. Den Preis von 124 000 Franken konnte man mit einigen Extras locker auf über 150 000 Franken steigern. Die ineinander verschränkten Instrumente wurden damals kritisiert, gut ablesbar sind sie aber trotzdem. Nur - bei 250 km/h wurde sanft abgeriegelt. Eines der ersten Autos mit Sitz-Memory überhaupt. Integralsitze mit eingebautem Gurt waren damals noch richtig innovativ. Unpraktisch zwischen den Sitzen angeordnet und nur gegen Aufpreis (104 DM) zu haben: die Ablagefächer für Musikkassetten. Die rahmenlosen Fenster wurden während der Fahrt von Führungschienen in Position gehalten, zum Einsteigen senkten sich die Fenster um einige Milllimeter, kaum hatte man den Türgriff berührt. Der V12 mit fünf Liter Hubraum leistete 299 PS und lief mit Normalbenzin. Die Scheibenwischer arbeiteten mit variablem Anpressdruck - den damaligen Testfahrern waren sie trotzdem zu laut. Grosse Rückleuchten und eindeutige Beschriftung - mit dem 850i war man jemand. Im Jahr 1995 bemalte der Künstler David Hockney einen BMW 850 CSI als «Art Car». Der BMW 850i im Jahr 1990 mit seinen Vorgängern: BMW 635 CSI, BMW 3.0 CS, BMW 2000 CS, BMW 3200 CS, BMW 503 und BMW 328.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eindrücklich steht er vor uns, wirkt grösser als er es mit 4,78 Meter Länge und 1,85 Meter Breite eigentlich ist. Der aktuelle Fünfer ist jedenfalls deutlich voluminöser. Der BMW 850i war das Spitzenerzeugnis Ende der Achtzigerjahre aus München, 30'000 Kunden hatten ihn schon bestellt, bevor sie ihn erstmals fahren durften. Ein Luxus-Tourer mit allem, was sich der begüterte Vielfahrer wünschen konnte, mit 124’000 Franken der teuerste BMW im Angebot. Heute allerdings kann man den edlen Bayer für weniger Geld kaufen, als damals für die Volllederausstattung zu berappen war.

Ein vollständig neues Modell zu entwickeln, beinhaltete auch für BMW grosse Risiken. Rund 2000 Personen gross war das Entwicklungsteam und insgesamt spricht man von Gesamtkosten von rund einer Milliarde DM, die in die Entstehung des modernen Oberklassen-Coupé investiert wurden.

Das Design wird Klaus Kapitza zugeschrieben, der unter der Leitung von Claus Luthe Mitte der Achtzigerjahre ein elegantes und sportlich wirkendes Coupé gestaltete.

Spitzenerzeugnis

Die Automobil-Presse riss sich natürlich darum, das neue Bayern-Coupé zu testen und die Berichte gaben dem Wagen ein gutes Zeugnis. «Leistung in Hülle und Fülle», schrieb die «Automobil Revue» und beschrieb die Form als «zeitlos elegant». Zwar konnte der handgeschaltete 850i die Werksversprechungen nicht ganz halten, aber 7,1 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h waren damals noch eine gute Zeit.

Die ADAC Motorwelt verglich den BMW 850i damals mit dem Opel Calibra. Preislich lagen immerhin 100’000 DM zwischen den beiden Coupés und J. Stratmann empfahl den Kauf des Opels und mit dem gesparten Geld auf das 850i Cabriolet zu warten. Dieses wurde übrigens tatsächlich gebaut, aber mangels Stabilität nur als Prototyp und somit hätte der Motorwelt-Journalist sein Geld heute noch ...

Immer noch ein Genuss

Schaut man sich heute einen BMW 850i an, dann zeigt es sich, dass die Designer ganze Arbeit geleistet haben. Tatsächlich alterte die Form gut, wirkt nur wegen der Klappscheinwerfer und vor allem der 50er-Reifen etwas nostalgisch. Und Calypso-Rot würden heute wohl auch nur noch wenige Neuwagenkäufer als Farbe bestellen, 1989 waren fast alle Testwagen in dieser Lackierung unterwegs.

Kaum berührt man den Türöffner, senkt sich das Seitenfenster um einige Millimeter, einer der vielen Elektromotoren hat seinen Dienst aufgenommen. Mach dem Schliessen der Türe geht das Fenster wieder auf die Ausgangsposition zurück, wird sicher in einer Führung gehalten, um Windgeräusche zu minimieren.
Ein Handbuch zum Fahren ist nicht nötig, die Bedienelemente sind logisch angeordnet und klar beschriftet. Nach dem Dreh des Zündschlüssels beginnt der V12 zu säuseln, gedämpft und turbinengleich. Automatik auf D und los gehts: zügig, aber immer komfortabel.

1,85 Tonnen wiegt ein fahrbereiter 850i. Das Gewicht und die Grösse sind spürbar. Ein Kurvenräuber für enge Passsträsschen ist der 850i nicht. Er ist eher ein Auto für die Autobahn, wo er lange Distanzen ohne grosse Anstrengungen zurücklegt. Viel komfortabler und nobler kann man sich tatsächlich nicht für weniger Geld – selbst sehr gut erhaltene 850i kosten kaum mehr als ein Zehntel des damaligen Neupreises – vorwärts bewegen.

Wir danken Vogel Classic & Exclusive Cars für die Gelegenheit, den BMW 850i probefahren zu können.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster finden sich auf www.zwischengas.com.