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29. September 2017 05:20; Akt: 28.09.2017 10:33 Print

Spannende IAA-Trends trotz Messe-Müdigkeit

von François Launaz - Die IAA in Frankfurt hat wieder viel geboten, muss aber einen herben Besucherrückgang verkraften. Zahlreiche Hersteller haben auf eine Teilnahme verzichtet. Der Auto-Salon in Genf ist zwar besser aufgestellt, muss aber wachsam sein, will er seine Stellung in der Messe-Welt halten.

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Strömten 2015 noch 932'000 Besucherinnen und Besucher in die Frankfurter Messehallen, waren es dieses Jahr bloss noch 810'000. Das entspricht einem Rückgang von rund 13 Prozent. (Bild: IAA)

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Von François Launaz, Präsident auto-schweiz, Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure

Die diesjährige Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main ist schon wieder Geschichte. Die 67. Ausgabe der alle zwei Jahre im Wechsel mit Paris stattfindenden Messe hatte viele Besonderheiten zu bieten – und das nicht nur auf den Messeständen. Trotzdem hat die IAA weitaus weniger Besucher angezogen als bei ihrer letzten Ausgabe 2015. Lediglich 810'000 Besucherinnen und Besucher wurden gezählt, vor zwei Jahren waren es noch 932'000. Das ist ein dickes Minus von rund 13 Prozent. Ob die öffentliche Diskussion über den Diesel, die gerade in Deutschland während des Bundestagswahlkampfs der vergangenen Wochen sehr heftig geführt wurde, als alleinige Begründung für den Rückgang ausreicht? Jedenfalls waren in diesem Jahr unterschiedliche IAA-Trends auszumachen, deren Analyse sich gerade im Hinblick auf den Automobil-Salon in Genf lohnt.

1. Elektromobilität

Keine Überraschung, in der Ausprägung aber doch bemerkenswert: Die Elektromobilität überstrahlte vieles. Bei zahlreichen Marken wurden Prototypen oder auch schon seriennahe Fahrzeuge gezeigt, die in wenigen Jahren auf den Markt kommen werden. Auch aus dem weiteren Feld der Elektromobilität, wie zum Beispiel Ladetechnik, konnte man viele Eindrücke mitnehmen. Persönlich ist mir besonders die Ausstellung bei einem deutschen Premium-Hersteller im Gedächtnis geblieben, der unterschiedliche Motoren der Grösse nach nebeneinander aufgebaut hatte – vom 12-Zylinder-Benziner bis zum Elektromotor. Dass letzterer nur einen Bruchteil des Volumens und der Teile des V12-Triebwerks ausmacht, gibt einem auf diversen Ebenen zu denken.

2. Fehlende Marken

Zahlreiche Hersteller glänzten in Frankfurt durch Abwesenheit. Aston Martin, Infiniti, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Rolls Royce, Volvo, die GM-Marken Chevrolet und Cadillac sowie der gesamte Fiat-Chrysler-Konzern mit seinen Marken Alfa Romeo, Fiat, Abarth, Lancia, Jeep und Fiat Professional blieben der IAA in diesem Jahr fern. Die Begründungen für das Fehlen sind unterschiedlich, aber der Trend geht eindeutig weg von der klassischen Auto-Messe hin zu kundenorientierteren Anlässen mit Probefahrten oder Technik-Ausstellungen. Auch der Kostendruck spielt eine grosse Rolle bei der Entscheidung pro oder kontra Messe-Präsentation. Einzelne Marken wie etwa Volvo haben deshalb entschieden, nur noch eine grosse Ausstellung pro Jahr und Kontinent zu bespielen, und glücklicherweise ist in diesem konkreten Beispiel die Wahl auf Genf gefallen.

3. Chinesische Aussteller

Teilweise kompensiert wurden die Absagen grosser Hersteller und Marken durch neue Konkurrenz aus China. So zeigten etwa der Autobauer Chery oder die neue Nobelmarke Wey des Great Wall-Konzerns ihre Produkte. In China sind dies bekannte und begehrte Fahrzeuge, bei uns sind sie derzeit allenfalls Insidern ein Begriff. Das könnte sich aber schnell ändern. Für die Auto-Messen und somit auch den Salon in Genf mag es ein Trost sein, dass chinesische Hersteller in die Bresche springen, wenn Ausstellungsflächen nicht von arrivierten Marken besetzt werden. Aber gerade die grossen europäischen Player sollten sich gut überlegen, ob sie bei wichtigen Ausstellungen das Feld kampflos der neuen Konkurrenz aus Asien überlassen wollen.

Noch ist beim Auto-Salon in Genf keine Absage-Flut für den kommenden März absehbar. Dies liegt auch daran, dass der Salon für Aussteller einige bedeutende Vorteile bietet. Zum einen gibt es in der Schweiz keine landeseigenen Auto-Marken, die bevorzugt werden wollen oder müssen. «Neutraler Boden» bietet für alle die gleichen Chancen beim Wettstreit um die Aufmerksamkeit der Besucher und Medien. Darüber hinaus sind die Wege zur und über die Messe kurz, die Verkehrsanbindung gerade zum Flughafen ist hervorragend. Zudem findet der Auto-Salon jährlich statt und ist auch deshalb über die Jahrzehnte zu einem unverzichtbaren Termin im europäischen Auto-Kalender geworden.

Trotzdem darf man sich in Genf nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Für den Salon heisst das vor allem, wachsam und innovativ zu bleiben und den Besuchern ein einzigartiges Erlebnis zu bieten. Denn nur dann ist sichergestellt, dass die Ausstellervielfalt und Attraktivität so gross bleibt, wie sie derzeit ist.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. Power am 29.09.2017 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Interesse hat sich geändert

    Die meisten Auto-Neuheiten interessieren mich nicht, für meinen Geschmack zu viel Elektronik und Bevormundung vom Fahrer. Darum gehe ich gar nicht mehr an solche Messen, dann lieber an eine Messe für Oldtimer.

    einklappen einklappen
  • Kritik ker am 29.09.2017 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Glanz

    Mädels räkeln sich auch nicht mehr auf den Motorhauben, alles verliert seinen Glanz

  • Ronny C. am 29.09.2017 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schweisshände am Volant

    Die Messen sind auch in anderen Bereichen langweilig geworden, man weiss alles schon vorher. Im Videogame-Sektor gibt es schon längst keine Überraschungen mehr, alles Wichtige wurde vorher "geleaked", d.h. die Marketing-Abteilung hat vorher ganz bewusst die Informationen gestreut, viele glauben dann etwas zu wissen, was andere noch nicht wissen und so geht die Lawine via social media los. Perfekt orchestriert durchs Marketing. Die Autoindustrie ist heute auch so, aber immerhin kann man an den Messen die Produkte noch physisch mit Schweisshänden anfassen, zusammen mit zehntausend anderen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Päde am 01.10.2017 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Europa schläft noch immer

    Schon vor 20 Jahre,als der Toyota Prius Hybrid auf den Markt kam,wurde der von den Deutschen Premium Autohersteller lediglich "belächelt". Und heute? Bauen die selben Preniumhersteller 2 Tonnen "Pseudo-Hybrid-Monster" um auch einen Teil des "Kuchens" zu haben. Das ganze wiederholt sich nun wieder mit Elektrofahrzeugen.Tesla brescht vor,die Asiaten ziehen nach und Europa wartet. Es sind kleinere,smarte,und zahlbare Vollelekrtische Auto gefragt...Bald übenehmen die Chinesen den Europäischen E-Markt.

  • marko 32 am 29.09.2017 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich

  • Kritik ker am 29.09.2017 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Glanz

    Mädels räkeln sich auch nicht mehr auf den Motorhauben, alles verliert seinen Glanz

  • Ronny C. am 29.09.2017 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schweisshände am Volant

    Die Messen sind auch in anderen Bereichen langweilig geworden, man weiss alles schon vorher. Im Videogame-Sektor gibt es schon längst keine Überraschungen mehr, alles Wichtige wurde vorher "geleaked", d.h. die Marketing-Abteilung hat vorher ganz bewusst die Informationen gestreut, viele glauben dann etwas zu wissen, was andere noch nicht wissen und so geht die Lawine via social media los. Perfekt orchestriert durchs Marketing. Die Autoindustrie ist heute auch so, aber immerhin kann man an den Messen die Produkte noch physisch mit Schweisshänden anfassen, zusammen mit zehntausend anderen.

  • M. Power am 29.09.2017 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Interesse hat sich geändert

    Die meisten Auto-Neuheiten interessieren mich nicht, für meinen Geschmack zu viel Elektronik und Bevormundung vom Fahrer. Darum gehe ich gar nicht mehr an solche Messen, dann lieber an eine Messe für Oldtimer.

    • Insider Kenner am 30.09.2017 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M. Power

      Bin Deiner Meinung. Viel zu teure Electronic, jene so gefertigt wird, dass sie nach 5 Jahren defekt gehen muss, damit man ein neues Steckelement zu überrissenen Preisen (>1000% Gewinn, ja sie lesen die Zahl richtig), dem Normalo oder Konsumenten-Sklaven verrechnen kann. Alles absolute Verblödung und Abzocke gegenüber der Konsumenten. Wann werden wieder Autos gebaut ohne elektronischen Firlefanz, jener nur ablenkt beim Fahren. (Bin pensioniert und war einer der höchsten in dieser Branche)

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