Limousine gegen Sportwagen

17. August 2014 11:34; Akt: 20.08.2014 13:53 Print

BMW gegen Ferrari – wer war besser?

von B. von Rotz - 1989 präsentierte die Luxusschmiede Alpina den B10 Biturbo, der es bezüglich Leistung locker mit einem Testarossa aufnehmen konnte. Doch wer hat im Youngtimer-Test die Nase vorn?

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Es gab einmal eine Zeit, da reichten 360 PS, um als Alpine-BMW B10 Biturbo die schnellste Serienlimousine der Welt zu sein! Und der stärkste Ferrari, das Modell Testarossa, konnte mit 390 PS auch kaum mehr bieten.

Eine (relativ) unauffällige Limousine hatte die Firma Alpina 1989 auf die Beine gestellt. Als Basis diente ein BMW 535i der Baureihe E34 und damit die dritte Generation des Fünfers. Mittels zweier wassergekühlter Garrett-Turboladern steigerte er die Leistung von 211 auf 360 PS.

Natürlich verfügte der B10 Biturbo über alle typischen Alpina-Goodies, verlor aber nach Tradition des Hauses kaum etwas von seiner Alltagstauglichkeit. Im Gegenteil.

Dem unauffälligen BMW, der ohne Kriegsbemalung und Heckspoiler als normaler Vertreter-Dienstwagen durchgegangen wäre, setzte der Ferrari Testarossa Supersportwagen-Optik und -Akustik entgegen. Zwei Leute und minimale Mengen von Gepäck konnten transportiert werden. Inkognito unterwegs sein konnte man in der fast zwei Meter breiten Ferrari-Flunder allerdings nicht.

1984 wurde der Testarossa als Nachfolger des erfolgreichen Ferrari 512 Berlinetta Boxers präsentiert. Konstruktiv orientierte sich der 390 PS starke Zweiplätzer mit Mittelmotor am Vorgänger, optisch aber schufen die Designer Fioravanti und Pininfarina einen Meilenstein.

Auf der Geraden ...

293 km/h gestand die Zeitschrift «Sport Auto» dem Ferrari zu, «nur» 288 km/h schaffte gemäss den Vergleichsmessungen der Alpina. 1:0 für den Ferrari. Allerdings hatte die Limousine beim Beschleunigen bis Tempo 160 km/h die Nase vorne, für den Sprint von 0 auf 100 km/h nahm der Fünfsitzer mit 5,2 Sekunden dem Supersportwagen sogar eine halbe Sekunde ab. 1:1.

... und in den Kurven?

Da das Leergewicht der beiden unterschiedlichen Kontrahenten mit 1695 kg für den Alpina und 1670 kg für den Ferrari erstaunlich nah beieinander lag, waren auch ähnliche Voraussetzungen für gute Fahreigenschaften gegeben, die sich bei der Limousine mit Frontmotor und Heckantrieb natürlich etwas handzahmer anfühlten als beim Mittelmotor-Ferrari. Gut lagen sie beide, aber der Ferrari benötigte wegen seiner ausladenden Dimensionen mehr Fahrbahn.

Die Limousine als Sieger?

Michl Koch, der den Bericht von «Sport-Auto» damals schrieb, konnte dem B10 Biturbo einiges abgewinnen. «Stark und schnell, dabei doch kultiviert und sicher; zielgenau zu lenken, traumhaft zu bremsen, ganz einfach wie ein sehr, sehr gutes Auto», schrieb er. Dass die meisten Beobachter des Fahrvergleichs den Ferrari vorgezogen hätten, weil er halt viel mehr Optik bot, liess ihn kalt. Schliesslich kostete der Alpina nur 125’000 Franken, während der Testarossa mit 245’000 Franken in der Preisliste stand.

Und 25 Jahre später?

Die in vierstelliger Anzahl produzierten Testarossa-Modelle der späten Achtzigerjahre werden heute für rund 65’000 Franken gehandelt, während man für einen der 507 gebauten Alpina-BMW B10 Biturbo rund 32’000 Franken ausgeben muss, wenn man denn einen findet.

Kaum jemand bewegt einen Ferrari im Alltag, aber einen Alpina kann man auch heute noch jeden Tag fahren. Nur: Die neugierigen Buben an der Strasse werden sich kaum je ihre Nasen an der B10-Seitenscheibe plattdrücken, wie sie es beim Ferrari noch heute tun.

Weitere Informationen zu den beiden Modellen und viele Bilder finden sich auf www.zwischengas.com.

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