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25. August 2017 05:00; Akt: 24.08.2017 10:58 Print

Diesel oder Elektroauto? Es braucht beides!

von Andreas Burgener - Diesel sind schmutzig, Elektroautos sauber. Oder umgekehrt? Die öffentliche Diskussion über Antriebssysteme in unseren Autos hat jedes Mass verloren. Zeit, sich wieder den Fakten zuzuwenden.

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Der Ausstoss von Stickstoffdioxid (NO2) ist bei Dieselfahrzeugen höher als bei Benzinern. Er entsteht durch die Optimierung des Verbrennungsvorgangs im Motor, dient aber der Verminderung des Treibstoffverbrauchs und senkt somit den CO2-Ausstoss. (Bild: zvg)

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Im Sommer laufen oft nicht nur die Temperaturen und Klimaanlagen heiss, sondern auch die mediale Berichterstattung über bestimmte Themen. Das als «Sommerloch» bekannte Phänomen wurde dieses Jahr auch mit einem Automobil-Thema gestopft. Kaum ein Tag vergeht ohne Berichterstattung über Diesel-Abgase, Elektroautos und was die eine Politikerin oder der andere Experte glauben, darüber zu wissen. Das öffentliche Interesse daran, wie und mit welchem Motor im Auto wir uns heute oder morgen fortbewegen, ist von höchstem öffentlichen Interesse, keine Frage. Doch in den vergangenen Wochen hat sich, um beim Wetter-Bild zu bleiben, eine gefährliche Frontenbildung herauskristallisiert.

Die einen schimpfen auf den Dieselmotor und seine (längst nicht immer) hohen Abgasemissionen. Ihre Alternative heisst Elektroauto – am besten sofort und für alles, «Verbrennungsmotoren gehören verboten». Die anderen wiederum wettern gegen eben jene Elektroautos als «wahre Umweltverschmutzer», deren Akkus schwer, teuer und extrem CO2-intensiv bei der Herstellung seien. Und kaputt gingen sie ja eh nach wenigen Jahren.

Zu viele Halb(un)wahrheiten

Leider lassen sich an dieser Stelle nicht sämtliche mediale Falschaussagen über Verbrennungsmotoren und Elektroautos widerlegen – das ist etwas für einen Buchautor. Aber die Diskussion hat einen gefährlichen Punkt erreicht und an ihrem Ende stehen nur Verlierer. Es wird Zeit, wieder mehr Sachlichkeit rund um Motoren, Abgas und Akkus zu bringen – denn wir brauchen in der Zukunft den Diesel- UND den Elektroantrieb für unsere Autos.

Zunächst zum Diesel: Ja, der Ausstoss von Emissionen wie dem Stickstoffdioxid (NO2) ist unerfreulich. Er ist höher als bei Benzinmotoren und entsteht durch die Optimierung des Verbrennungsvorgangs im Motor. Letzteres dient aber der Verminderung von Treibstoffverbrauch und senkt deshalb den CO2-Ausstoss. Genau deshalb brauchen wir den Diesel, denn er ist rund 20 Prozent effizienter als der Benziner. Ohne Selbstzünder werden wir die mit der Energiestrategie 2050 selbstgesteckten CO2-Absenkungssziele verfehlen. Denn bereits jetzt lässt sich ein Phänomen beobachten: Der leicht zurückgehende Diesel-Anteil im Neuwagenmarkt wird grösstenteils nicht kompensiert durch Elektroautos, sondern durch Benziner. Damit erweisen wir dem Klima einen Bärendienst.

Und ja, es gibt ihn, den sauberen Diesel. Die konsequente Umsetzung modernster Abgasreinigungstechnik mit der Einspritzung von AdBlue – einem Harnstoff-Wasser-Gemisch – zersetzt einen Grossteil des Stickstoffdioxids in Wasser und reinen Stickstoff. Mit dieser Technik können die Emissionswerte deutlich gesenkt werden, auch im realen Fahrbetrieb auf der Strasse. Ab dem 1. September gilt für neue Fahrzeugtypen die Abgasvorschrift Euro 6d-Temp, die genau diese echten Testresultate, sogenannte «Real Drive Emissions (RDE)», in die Fahrzeugzulassung einbezieht. Die Automobilbranche ist froh darüber, denn so sind die Zeiten unrealistisch tiefer Verbrauchsangaben in den Prospekten bald vorbei.

Elektroauto-Akkus haltbarer als man glaubt

Nun zum Elektroauto. Ja, die Herstellung eines solchen Fahrzeugs, insbesondere des Akkus, ist laut Studien wohl ein wenig CO2-aufwendiger als bei einem vergleichbaren Modell mit Verbrennungsmotor. Doch handelt es sich hierbei um Unterschiede von wenigen Tonnen, die durch die lokale Emissionsfreiheit problemlos in wenigen Jahren oder der entsprechenden Kilometerleistung wieder hereingefahren werden können. Entscheidend ist dabei, dass das Fahrzeug mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen geladen wird. Kohlestrom verlagert den CO2-Austoss lediglich dahin, wo das entsprechende Kraftwerk steht. Hier ist die Schweiz mit einem niedrigen CO2-Wert aus der Stromproduktion klar im Vorteil. Die Nutzung eines E-Autos hierzulande macht also absolut Sinn und übrigens auch noch Spass – spätestens dann, wenn Sie einen Pass herunterfahren und danach dank Rekuperation genauso viel oder sogar mehr Energie im Akku haben als oben auf der Passhöhe.

Und nein, die Akkus von Elektroautos gehen nicht nach wenigen Jahren kaputt. Zahlen von General Motors und der ehemaligen Tochtermarke Opel zeigen dies deutlich. Über 100'000 Exemplare von Chevrolets Modell Volt bzw. des Opel Ampera wurden in den vergangenen Jahren in Verkehr gesetzt, Milliarden von Kilometern mit diesen Fahrzeugen zurückgelegt. Die Garantie auf die Batterien beträgt 8 Jahre oder 160'000 Kilometer – und es musste keine einzige Batterie ersetzt werden.

Es ist unbestreitbar, dass Elektrofahrzeuge eine wichtige Rolle in unserer künftigen Automobilität ausmachen werden. Genauso ist es unzweifelhaft, dass Diesel- und Benzinmotoren weiterhin gebaut und ständig effizienter werden. Auch die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor in Hybrid-Varianten wird immer wichtiger. Entscheidend ist aber, wie wir welche Antriebsart einsetzen, denn alle haben ihre Stärken. Die Automobilindustrie, die Politik und die Medien müssen aufhören, sämtliche Antriebsformen zu zerreden, und sich stattdessen mit mehr Ehrlichkeit auf die jeweiligen Vorteile konzentrieren – die Autofahrerinnen und Autofahrer haben es verdient.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MF1983 am 25.08.2017 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau...

    so und nicht anders. Danke an den Verfasser des Berichtes. Es wird sich weder das eine noch das andere komplett durchsetzten und das wäre auch nicht gut. Denn wie im Bericht geschrieben. Hat jeder Antrieb seine Stärken und eben auch Schwächen. Jeder kauft das Auto mit dem Antrieb, was am besten für ihn/sie passt. Das wird sich einpändeln und sicher auch gut funktionieren. Ich bin jedenfalls optimistisch :-) Gruss an alle und gute fahrt.

  • Lebensarchitekt am 25.08.2017 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spätestens...

    wenn hunderte Elektoautos auf dem Markt sind, werden die Strompreise so exorbitant hoch sein, das es sich finanziell nicht rechnet. Dazu kommt dass der Staat kaum auf seine Einnahmequelle Benzinsteuer verzichten wird und dies dann auf den Strom umlegen wird. Die Anschaffungskosten für eine Elekro Karre sind extrem hoch und wer jetzt z.B. einem 5er BMW fährt muss, um den gleichen Komfort zu haben, wohl extrem tief in die Tasche greifen. Alles in allem sehe ich den Umweltschutz als wichtig an, aber bitte von Leuten in der Regierung organisiert mit Intelligenz und nicht als Hau Ruck Paket.

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  • Schmid am 25.08.2017 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Erdgas

    Was ist denn mit dem Erdgas? Wir fahren nun schon ein Jahr mit einem Erdagas Fahrzeug und das ohne Probleme. Wir ziehen sogar unseren Wohnwagen damit das geht mit einem Elektrofahrzeug nicht. Über Erdgas wird nie geschrieben dabei ist es viel Sauberer als Benzin und Diesel.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • EricRalph am 17.09.2017 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Diversifikation und Infrastruktur

    Ich wäre froh, wenn ich im Rahmen einer diversifizierten Infrastruktur in einem gewissen Rahmen selbst entscheiden könnte, welche Technologie ich einkaufe und nutze, nämlich vor allem über das Angebot an der Tankstelle, und zwar zwischen Wasserstoff, Strom, Benzin und Diesel. Voraussetzung dafür ist, dass ich das selbe Fahrzeug wahlweise mit einer bestimmten Baukasten-Technologie erhalte, etwa so wie ich mich bei der Wahl der Ausstattung zwischen Leder- oder Veloursitzen entscheiden kann.

  • sc am 03.09.2017 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdgashybrid- Die Zukunft?

    Leider gibt es noch keinen Erdgashybrid... Weniger Partikel als beim Diesel/Benziner und weniger Verbrauch als ohne Baterie, aber ohne dass man den Ladestationen nachrennen muss!

  • Zoltan Ange am 02.09.2017 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz richtig...

    Leider ist der Artikel nicht ganz richtig... denn auch in Zukunft werden die Verbrauchsangaben der Autos anhand der Prüfstandsmessungen angegeben. Ab September 2017 zwar nach einem neuen Zyklus (WLTC). Bei den Elektroautos nimmt die Akkukapazität mit den Jahre/km ab wie beim Handy. GM und Opel haben bei den Amperas jedoch von neu an nur ca 70 Prozent des Akkus genutzt... die 30 Prozent die bis zum Garantieende vorlorengingen hat der Nutzer nicht gemerkt. Erst danach wird er dies bemerken. Das einzig richtige sind kleine und leichte Fahrzeuge. All die SUV Panzer und dergleichen sind blödsinnig....

    • Flachländer am 10.09.2017 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zoltan Ange

      Sonen Quatsch. Zykelt man eine Batterie vollständig, nimmt ihre Haltbarkeit ziemlich rasch ab, da sie voll bransprucht wird. GM und auch sämtliche andere Autohersteller die EVs bauen, nutzen die Batterie auf einer Bandbreite zwischen 70 und 85% ihrer Kapazität. Die Batterie wird nie ganz voll, aber eben auch nie ganz entladen, selbst wenn der Akku als "leer" angezeigt wird. die Zyklenfestigkeit bleibt so über eine längere Zeit erhalten mit dem Vorteil, dass auch bri voller Batterie auch noch elektrisch gebremst werden kann. Das hat nix mit Verlust merken zu tun.

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  • Sepp Trub 2.0 am 26.08.2017 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Benzin

    Wenn Frauchen und ich sauber fahren wollen, nehmen wir den Tesla, vollgetankt durch den Strom aus unserer Solaranlage und für das statusbewusste fahren haben wir unseren bezinbetriebenen Range Rover mit 4.0 Liter grossem Motor.

    • EV Driver am 27.08.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp Trub 2.0

      ojeeee, echt jetzt. status gerecht? und was wäre ihr status? zu klein geraten?

    • Still Schweiger am 27.08.2017 21:48 Report Diesen Beitrag melden

      Tesla vs. Range Rover

      dann pfupf doch deine Alte lieber im Tesla, dass ist VIIIIEEEL elektrisierende, oder? Wenns dann überhaupt noch klappt?

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  • Filippo am 26.08.2017 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energiebilanz

    Wie sieht die Energiebilanz aus wenn man ein Diesel Auto 12 Jahre fährt statt z.B 8J wie die angebliche Batterielebensdauer?

    • Marcus Severus am 26.08.2017 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Filippo

      Nur weil alle Hersteller 8 Jahre Garantie auf den Akku geben heißt das nicht dass 1 Tag später gleich alle Akkus kaputt gehen ;-)

    • EV Driver am 27.08.2017 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Filippo

      in 12 jahren braucht ihr auto nur schon ca 400l motorenöl. uswusw.

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