Nordstadt-Golf

30. September 2017 10:33; Akt: 30.09.2017 10:33 Print

Der Über-Golf der späten Siebzigerjahre

von B.v.Rotz - Den Golf V-8 gibt nur gerade zweimal, es ist also fast ein Einzelstück. Dass der Wagen dennoch erkannt wird, hat aber gute Gründe.

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Der Nordstadt-Golf von Günter Artz im Anflug – dass da ein ganzer Porsche 928 daruntersteckt, sieht man erst auf den zweiten Blick. Der Nordstadt-Golf zwischen dem Technik-Spender Porsche 928 (links) und dem VW Golf Mk 1 (rechts). Optisch orientiert sich der Nordstadt-Golf komplett am Serien-Golf, Motor, Fahrgestell usw. aber stammen vom Porsche. Dass der Nordstadt-Golf nicht nur breiter, sondern auch fast 20 cm länger geworden ist als der Serien-Golf, sieht man erst auf den zweiten Blick. Rund 20 cm breiter ist der V8-Golf im Vergleich zum Serien-GTI. Optisch ist der Schnellere bewusst auf GL und nicht auf GTI gemacht. Die breiten Rückleuchten des späteren Golf-Modells erhielt der Nordstadt-Golf erst nachträglich. Optisch stehen ihm die Leuchten aber gut. Das Interieur stammt praktisch komplett aus dem Porsche 928 – damit sind auch Ledersitze und Klimaanlage gegeben. Auch die Instrumente kommen vom Porsche 928, mit 260 km/h übertreibt der Tacho nur wenig. Das Fünfganggetriebe sitzt wie beim Porsche 928 vor der Hinterachse. Unter der grossen Motorhaube thront heute der 4,7-Liter-Motor mit acht Zylindern und 300 PS aus dem Porsche 928 S. Der längs eingebaute Achtzylinder des Porsche 928 füllt den Motorraum weitgehend aus. Der Serien-Golf fuhr auf 13-Zöllern, beim schnellen Golf aber mussten es die 16-Zöller des Porsche 928 sein. Wo immer er steht, sorgt der breite V8-Golf für Aufsehen – wie hier an der Veranstaltung Oldtimer Sunday Morning in Zug im September 2017.

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Zu verdanken ist der schwarze Golf dem Deutschen Günter Artz. Schon in jungen Jahren hatte er Autos gebaut, die etwas Besonderes waren und über die Auto-Magazine gerne berichteten. Im Autohaus Nordstadt in Hannover lief er dann zur Höchstform auf, als er aus einem Porsche 928 einen VW Golf baute – oder umgekehrt.

Der Erstling im Jahr 1978

Artz wollte dem gerade zum Auto des Jahres gewählten V8-Sportwagen Porsche 928 die Gestalt eines gewöhnlichen Golf geben. Dass man dabei nicht einfach eine Karosse über die andere stülpen konnte, war schnell klar. Schliesslich war ein 928 rund 20 cm breiter und über 60 cm länger als ein Serien-Golf.

Faktisch wurde auf der gestrippten 928er-Basis eine selbsttragende Spezialkarosserie in Form eines Golfs aufgebaut. Möglich machte dies der Karosseriespengler Celeste di Santolo. Viel mehr als ein paar Karosserieteile des Golf (VW Typ 17) konnten allerdings nicht unverändert übernommen werden, die Frontscheibe musste aufwändig neu fabriziert werden.

Di Santolo leistete ganze Arbeit: Er baute die Seitenscheiben in einem anderen Winkel als beim Original-Golf ein, schweisste Elemente von fünf Motorhauben zusammen und kombinierte zwei US-Stossstangen zu einer, um den Front- und Heckabschluss zu gestalten sowie die 928-Stossfänger-Elemente weiter verwenden zu können.

Innen war der Nordstadt-Golf fast komplett ein 928er. Die Sitze wurden übernommen, genauso wie das Armaturenbrett, das Lenkrad und weitere Teile. Und die Technik stammte natürlich auch komplett aus Zuffenhausen.

Breitenwirkung dank Presseartikeln

Die Zeitschrift «Auto Motor und Sport» stellte den Über-Golf im Jahr 1979 auf elf Seiten vor. Und testete ihn auch ausführlich. Und dabei kam Erstaunliches zum Vorschein. Tatsächlich nämlich war der Golf-928 fünf Kilometer pro Stunde schneller als der 240 PS starke Porsche 928 von der Stange, obwohl er dem Wind eine grössere Querschnittsfläche entgegensetzte. Die Erklärung lieferte ein Windkanal-Versuch, der bestätigte, dass der Artz-Golf einen tieferen cW-Wert aufwies als der 928.

Auch den Spurt von 0 bis 100 km/h erledigte der immerhin 1,5 Tonnen schwere Nordstadt-Golf drei Zehntel schneller als der 928, bei 7,6 Sekunden stoppten die Uhren. Das waren Spitzenwerte.

Noch viel wichtiger aber war, dass der vergolfte Porsche alle positiven Eigenschaften des 928 behalten konnte: Zudem bekam er einige weitere dazu wie deutlich mehr Platz im Fond und einen durchaus brauchbaren Kofferraum. Tatsächlich waren Familienferien im V8-Golf deutlich vergnüglicher und komfortabler als dasselbe Unterfangen mit dem Porsche 928.

Nur zwei Exemplare

Insgesamt wurden zwei dieser deutlich über 100’000 Franken teueren 928er-Golf gebaut, der erste entstand aus einem Unfallwagen. Für den zweiten wurde ein frisch vom Band gelaufener 928er zerschnitten. Beide fahren noch, den zweiten konnte man kürzlich an der Veranstaltung Oldtimer Sunday Morning in Zug bestaunen.

Sein Besitzer kaufte den Wagen 1999 und restaurierte ihn komplett. Günter Artz selber hatte ihn 1984 noch auf den 928-S-Motor (300 PS!) aufgerüstet. Auch heute noch ist der V8-Golf ein schnelles Auto, und dazu noch langstreckentauglich.

Sein Besitzer hält sich nach 60’000 schnellen Kilometern aber nun doch etwas zurück, seit er herausgefunden hat, dass es eben nicht 10, sondern nur zwei dieser Nordstadt-Golfs gibt.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Käferfan am 30.09.2017 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Tuning bis der Artz kommt

    Artz hat damals auch einen Käfer auf ein 928er-Gestell gesetzt. Habt ihr über den zufällig auch was?

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  • sc am 30.09.2017 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute unmöglich

    Schade, dass VW nicht einen Polo mit 3.0 V6 aus dem Audi A6 mit Handschaltung anbietet

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  • Ch.U.R. am 01.10.2017 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    In der Schweiz keine Chance

    Wenigstens in einem sind uns die Deutschen voraus. Die können mit so einem Umbau zum Tüv gehen und wenn es gut ist, ist es gut. Unsere Superexperten schauen so was gar nicht erst an, weil nicht original und keine Eignungserklärung vorhanden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick am 01.10.2017 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn wir schon dabei sind

    Ich habe hier ein Nokia 6150 mit iOS 11.0. Das Ding bootet in 2 Sekunden und hat 2 Wochen Standby.

  • Butch am 01.10.2017 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nett, aber...

    Bei YTube habe ich schon einen Golf II gesehen, ok der ist getunt, mit 900 PS und von 0-100; 2.3 sec.! Der lässt sogar einen Porsche Turbo stehen. Das ist ein wirklich krasser Golf! Ich will auch so einen...

  • Golfer am 01.10.2017 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Mühe wert?

    Der ganze Aufwand für läppische 7 Sekunden 0-100? Das kann ja der älteste GTI Gilf besser

  • Ch.U.R. am 01.10.2017 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    In der Schweiz keine Chance

    Wenigstens in einem sind uns die Deutschen voraus. Die können mit so einem Umbau zum Tüv gehen und wenn es gut ist, ist es gut. Unsere Superexperten schauen so was gar nicht erst an, weil nicht original und keine Eignungserklärung vorhanden.

  • Peter am 01.10.2017 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Motivation beim Autokauf?

    Ist eigentlich komisch, dass man sich die flachen und unbequemen Sportwagen antut - ist vielleicht wie bei den Highheels, nur teurer. Und am anderen Ende auch komisch, dass man sich die schweren und behäbigen SUVs antut einfach um ein bisschen höher zu sitzen. Schade, dass es kaum tolle Autos mit Charisma gibt, die wie der Golf oder gar die alte A-Klasse aufgebaut sind.

    • Gecko am 01.10.2017 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Die gibt es eben nicht, weil die A-Klasse und der Golf trotz Facelift in die Jahre gekommen sind, und im Grunde genommen langweilig aussehen. Übrigens, mit einem SUV tut man sich nichts an, sondern man kann damit sicher einen Anhänger ziehen, und sogar damit arbeiten.

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