VW Scirocco

25. März 2017 10:53; Akt: 25.03.2017 10:53 Print

Die Unvernunft der 70er-Jahre

von B.v.Rotz - Mit dem Scirocco schuf VW ein Coupé, das zwar wenig Platz, dafür aber Chic und Sportlichkeit bot – genauso wie jede Menge Fahrspass.

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Wer sich in den 70er-Jahren ein Coupé kaufte, konnte das kaum sachlich begründen. Weniger Platz, knappere Innenhöhe, geringeres Stauraumvolumen und ein höherer Einstandspreis sprachen – neutral gesehen – für die typischerweise verwandte Limousine und nicht für das Coupé. Aber wem Design, Auftritt und sportliches Fahrgefühl wichtig waren, der griff trotzdem zum Coupé.

Giugiaro und Karmann

Der VW Scirocco erschien 1974 auf dem Markt, kurz vor dem Golf, dem er auch die Technik verdankt. Er ersetzte den nie zum richtigen Sportwagen gewordenen Karmann-Ghia, der noch mit der Technologie des Käfers –Stichwort: luftgekühlter Heckmotor – bis 1974 gebaut wurde. Wie sein Vorgänger wurde auch der Scirocco – nach einem Wüstenwind benannt – bei Karmann gebaut.

Das Design stammt von Giorgio Giugiaro, der die Aufgabe brillant leistete, auf der technischen Basis einer Limousine ein hinreissend geformtes Coupé zu zeichnen. Dass das Auto dem 1976 präsentierten Alfa Romeo Alfasud Sprint gleicht, liegt sicher nicht zuletzt daran, dass dieser auch von Giugaro stammt und zudem das Pflichtenheft wohl ähnliche Punkte umfasste.

Technischer Vorläufer

Technisch war der Scirocco mit dem Golf verwandt, zusammen aber beschritten sie neue Wege. Erstmals im Volkswagen-Konzern wurden die Motoren, die Audi-Wurzeln hatten, quer eingebaut. Dies bedingte eine eigens entwickelte Getriebe-/Differential-Einheit.

Besonders war der unterschiedliche Einbauwinkel der unterschiedlichen Motoren: Der kleine 50 PS starke 1,1-Liter-Motor war nach vorn geneigt, während die stärkeren und schwereren 1,5-Liter-Motoren nach hinten geneigt eingebaut wurden. Das Leistungsspektrum reichte am Anfang bis 85 PS. Auch die Hinterachskonstruktion war eine raffinierte Ingenieurleistung, sie wurde Verbundlenkerachse genannt und überzeugte durch beste Fahreigenschaften.

«Einer der bestliegenden Wagen»

Helmut Eicker von der Zeitschrift «Auto Motor und Sport» beschrieb den Scirocco auf jeden Fall als «einen der bestliegenden Wagen», die im Jahre 1974 erhältlich waren. Mit rund 800 kg geriet der bereits mit 85 PS kräftig motorisierte Scirocco zum Leichtgewicht, was zu guten Fahrleistungen (0-100 km/h in 10,6 Sekunden, Spitze 177,3 km/h gemäss AMS 12/1974) und günstigem Verbrauch bei der Topversion (9,6 Liter pro 100 km) führte.

Zum Vergleich: Der moderne Scirocco, erhältlich seit 2008, wiegt 1300 bis 1500 kg und misst immerhin 4,25 m in der Länge, respektive 1,81 m in der Breite.

Zum Klassiker gereift

Zum richtigen Sportwagen mutierte der bereits im Stand dynamisch aussehende Scirocco mit dem Einbau des 1,6-Liter-Einspritzermotors. 110 PS standen nun, wie auch beim berühmten Bruder Golf GTI, zur Verfügung, genug für 185 km/h Spitze und eine Zeit von rund 9 Sekunden für den Sprint von 0 bis 100 km/h. Spätestens ab jetzt mussten sich auch die Fahrer vermeintlich schneller Limousinen und Sportwagen vor dem VW-Zeichen im Rückspiegel in Acht nehmen. Dass diese Sportlichkeit auch noch mit einer guten Ökonomie gekoppelt war, half der Marktakzeptanz zusätzlich.

Mit einem VW Scirocco ist man auch heute noch gut gekleidet, das Mitschwimmen im modernen Verkehrsfluss ist kein Problem und spätestens beim Parkieren ist man dank kompakten Abmessungen sowieso der König. Frühe Scirocco sind seit Jahren Oldtimer und geniessen damit die Privilegien schützenswerter mobiler Kulturgüter.

Weitere Informationen, viele Bilder und natürlich auch ein Originalprospekt finden sich auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cocitoni am 25.03.2017 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das waren noch Autos'

    Das waren noch Autos. Dazu Opel Manta Ford Capri Toyota Celica und eben VW Scirocco und noch mehr super Autos dazu mal!

  • Stardust am 25.03.2017 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Zeit

    War das eine geile Zeit die 70er.Grenzenlose Freiheit mit coolen Autos und Frauen.

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  • rocky53 am 25.03.2017 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schwindel 2017

    sind heutige autos sparsamer,laut angaben ja,realität nein.schaut man autosalon nur starke kisten voll computer,bmw 12 zyl. braucht sicher nur 8 liter nach angaben,absolute witze und nichts mit umweltschonung zu tun. darum fahre ich heute noch 2 alte v8 ohne schlechtes gewissen,und ohne computer nie probleme. wenn ich überlege abarth 500 1.4 liter 180 ps von frau braucht beim drückem 12 liter ist bedenklich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rägi am 27.03.2017 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herz schlägt höher

    Mein Herz böpperlet, hatte vor 4 Jahren einen neuen scirocco gekauft. War supi zum fahren,Freude pur!!! Leider musste ich ihn wieder verkaufen ,weil ich einen Kombi 4 mal 4 brauchte...

  • Chillbox am 27.03.2017 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Charakter-autos

    die heutigen Autos haben nicht mehr diese Charakterzüge, welche die älteren, kantigeren modelle besassen! Dies ist sehr schade. Diese Ärodynamischen Autos sind ja schön und gut.... aber es fehlt eindeutig an charakter....!

  • Christine am 26.03.2017 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mein allererstes Auto....!

    War mein allererstes Auto, ein Scirocco GT 1977, 110 PS mit runden Doppellichtern, in Schwarz mit goldenen breiten Speichenfelgen und der lief wie eine Rakete! Ein fahrfeeling der Sonderklasse. Keine Auto hat mir von der Form her bis jetzt je so gefallen wie der. Das war noch eine Zeit.... Hach....

  • Benno am 26.03.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yeah

    Ja damals hatten die Autos noch Charakter. Nicht so wie der heutige langweilige Einheitsbrei.

    • Brausefritz am 26.03.2017 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benno

      Ich glaube, jedes Jahrzehnt hat sein typisches Design, die Klassiker fallen deswegen auf, weil sie selten sind. Speziell von den 50ern bis in die 80er konnte man oft auch das Herkunftsland am Design erahnen. Aber kann ein Laie eine BMW R25 von einer AWO 425 T auf den ersten Blick unterscheiden? Motorräder sahen damals ganz einfach so aus. Beide haben die R24 als konstruktives Vorbild, bzw. Vorgängermodell und doch gehen sie im Detail komplett andere Wege und die AWO ist moderner (für die damalige Zeit) aber auch für ganz andere Betriebsbedingungen ausgelegt.

    • benno am 27.03.2017 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Brausefritz

      Oder man hat diese Zeit real miterlebt.

    • Brausefritz am 27.03.2017 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @benno

      Zumindest hatte ich das Glück, Autos aus bewegter Zeit besitzen und im Alltag fahren zu dürfen. Einen 74er Scirocco TS und einen 76er Scirocco GTi nenne ich noch heute mein Eigen. "Meine Zeit" war Ende 80er Anfang 90er. Meine Autos waren: Golf 2; viele Golf/ Jetta/ Scirocco 1; Scirocco 2; Wartburg 312; Kadett B Coupe; Trabant P50; Audi 100 Typ 43 Avant... später halt 3er Golf und alles danach ist nicht erwähnenswert, neuer Schund halt... Zweiräder waren: Simson SR-1/ SR-2/ KR-50/ KR-51 Schwalbe; Jawa Robot; MZ-ES 150/ 300; MZ-RT 125; BMW-R35....

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  • Gerry41 am 26.03.2017 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Modellpalette

    Der "alte" Scirocco ist weit schöner als das aktuelle Modell.