Alfa Romeo Alfa 6

12. Juli 2014 09:22; Akt: 12.07.2014 09:25 Print

Die Rückkehr des Sechszylinder-Alfas

von B. von Rotz - 1979 präsentierte Alfa Romeo mit dem 6 eine sportliche Sechszylinder-Limousine, die sich als monumentaler Flop entpuppte. 30 Jahre später vermag der Exot aber durchaus zu gefallen.

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Alfa-Fans, die auf den Oberklassen-Komfort eines Sechszylinders standen, mussten in den 70er-Jahren darben. In der Palette der Mailänder gab es schlicht kein entsprechendes Angebot. Das änderte sich erst mit dem Erscheinen des schlicht Alfa 6 genannten Viertürers.

Als das Design des Tipo 119, so hiess der 6 intern, Anfang der Siebzigerjahre entstand, feierte der Fiat 130 gerade grosse Erfolge und BMW kündigte den E12, die erste Fünferreihe, an. Die Vorbilder waren also gesetzt und die Designer zeichneten eine stämmige viertürige Limousine mit Doppelscheinwerfern und klassischer Dreivolumen-Geometrie. Anleihen nahm man auch bei der Alfetta.

So entstand eine eher konservativ geformte, fast 4,8 Meter lange Limousine, die bei der geplanten Lancierung im Jahr 1973 sicher modern und frisch ausgehen hätte und mit dem Luftwiderstandsbeiwert 0,41 auf der Höhe der Zeit war.

Doch daraus wurde nichts, denn die Erdölkrise und Schwierigkeiten mit dem Alfasud zwangen zur Verschiebung der Markteinführung. Schliesslich vergingen Jahre und man schrieb bereits 1979, als die Oberklassenlimousine in Genf präsentiert werden konnte.

Motorenklassiker

Das Herz eines jeden echten Alfas ist der Motor und da machte der «Sei» (6 auf Italienisch) keinen Unterschied. Für die neue Limousine entwickelte man gleich auch einen neuen Motor und wählte erstmals in der Firmengeschichte die V6-Bauform.

Und die Alfa-Ingenieure warfen ihre ganze Erfahrung mit Sportmotoren in die Waagschale. Sie ahnten wohl nicht, dass dieser Motor noch bis weit ins neue Jahrtausend in diversen Modellen seinen Dienst tun würde und auch quer eingebaut viele Alfisti in den Modellen 164, 166, 156 oder 147 mit seinem Sound betören würde.

Verhaltene Begeisterung

Trotz der guten Anlagen war die Begeisterung der Presse nicht so gross, wie es Alfa Romeo wohl gerne gehabt hätte. Dies lag einerseits am sehr zurückhaltenden Design («unauffälliger Luxus»), andererseits aber am Preis. In der Schweiz wurde der Alfa 6 für 27’950 Franken angeboten, während ein Audi 100 CD mit Fünfzylinder 23’220, ein BMW 525 24’290 und ein Saab 900 Turbo 29’100 Franken kosteten.

6358 Limousinen der ersten Serie wurden bis Frühjahr 1983 verkauft, dann wurde der Sei aufgefrischt. Verkaufsrekorde liessen sich auch mit der Neuauflage keine erzielen und so liess man die Limousine 1986 nach gut 12’000 Exemplaren auslaufen.

Die Technik im Zentrum

Setzt man sich heute in einen 6, erstaunt das fast schon überbefrachtete Armaturenbrett und die kaum einzusehenden Hauptinstrumente. Die Kombination aus Plastik und Holzimitat irritiert, doch kaum fällt die Hand auf den Holzknauf des Sportgetriebes, ist die meiste Kritik vergessen. Diese verstummt vollends, wenn der Motor per Zündschlüsseldreh gestartet wird. Das «cuore sportivo» (sportliche Herz) lässt einen wohltönenden Bariton erklingen, hängt sofort am Gas und motiviert zum zügigen Losfahren.

Der erste Gang liegt links hinten wie bei den Sportgetrieben von Ferrari. Die Schaltung arbeitet exakt, freut sich aber über einen konzentrierten und nicht zu überstürzten Gangwechsel.

Die Rundumsicht ist bemerkenswert und die doch recht ausladende Karosserie gut im Überblick. Die Veloursitze fühlen sich bequem an und das Fahrwerk schluckt Bodenunebenheiten gut.

Das Bewegen des Alfas macht Spass und man kann diesen auch mit der ganzen Familie teilen. Welcher Sportwagen könnte dies bieten?

Weitere Infos, viele Bilder und den Originalprospekt finden sich auf www.zwischengas.com.