Talbot-Matra Murena

08. November 2014 11:40; Akt: 08.11.2014 11:40 Print

Flitzer mit drei Sitzen – Gibts nicht? Gabs doch!

von Bruno von Rotz - Drei Sitze in der ersten Reihe, das konnten nur wenige Sportwagen bieten. Der Murena war damit das ideale Auto für Leute, denen eine Beifahrerin nicht reichte.

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Beim Talbot Matra Murena prägten die Klappscheinwerfer das Aussehen und ermöglichten eine flache und spitz zulaufende Front. Der Talbot Matra Murena wurde von 1980 bis 1983 in rund 10'000 Exemplaren gebaut. Der Murena wirkt stämmiger, als er es mit rund 1,75 Metern Breite ist. Der Motor sitzt zwischen den drei Passagieren und der Hinterachse. Die Karosserie besteht aus Kunststoff, darunter verbirgt sich ein rostgeschütztes Stahlskelett. Die Aluräder waren bei der teureren 2,2-Liter-Ausführung Serienstandard, nur Métallic-Lack kostete Aufpreis. Viel Kofferraum gibt es nicht, unter der gläsernen Heckklappe lassen sich keine Überseekoffer unterbringen. Knapp über 1,5 Meter Innenbreite reichen für die Unterbringung von drei Sitzen, der mittlere kann nach vorne geklappt und als Ablage benutzt werden. Achtzigerjahre-Flair im Cockpit, die Instrumente sind übersichtlich gezeichnet. Eine ganz besondere Haptik vermittelt das Kunststoff-Lenkrad. Der Vierzylinder-Motor ist quer eingebaut und entwickelt rund 118 PS. Die Front läuft spitz zu, das Design stellt erhöhte Anforderungen an die Passgenauigkeit der Teile. Grossflächige Heckleuchten und ansonsten nüchterne Designelemente prägen das Murena-Heck. Die Tanköffnung liegt - wie beim Ferrari 308 GTS - hinter einer Abdeckung in der C-Säule. Der Talbot Matra Murena am Genfer Automobilsalon im Jahr 1982. Der Talbot Matra Murena in der damaligen Marketingliteratur. Übersichtliche Darstellung der Sitzanordnung im Matra Murena. Der Talbot Matra Murena neben einem seiner Vorgänger, dem Matra M530, an einer Oldtimer-Ausstellung. Wir danken der Firma für die Gelegenheit, den für diesen Artikel porträtierten Matra Murena probefahren zu können.

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Zwischen 1965 und 1983 baute der französische Hersteller Matra Strassen-Sportwagen, die immer den Motor vor der Hinterachse trugen und mit Kunststoff-Karosserien ausgerüstet waren. Der letzte und ausgereifteste Wurf war der Murena, der in Zusammenarbeit mit Talbot entstand.

Bereits die Vorgänger des Matra Murena, der von René Bonnet stammende Djet/Jet (mit Renault-Motoren), der M 530 (mit Ford-Taunus-V4-Motor) und der Matra-Simca Bagheera (mit Simca-Motor) hatten das Antriebsaggregat zwischen den Passagieren und der Hinterachse eingebaut. Das war auch bei Sportwagenlegenden wie dem Lamborghini Miura oder dem Maserati Bora der Fall. Doch René Bonnet war 1962 mit seinem Erstling Djet den anderen zuvorgekommen.

Für den Murena wurden zwei Leistungsstufen eingeführt, ein 1,6 Liter mit 92 PS und ein 2,2-Liter mit 118 PS, für den es zusätzlich noch ein Tuning-Paket gab, das für zusätzlichen Schub sorgte.

Auf Langlebigkeit ausgerichtet

Als tragende Basis wurde wie bereits beim Bagheera eine Stahlstruktur genutzt, die aber im Gegensatz zum Vorgänger feuerverzinkt wurde. Die Kunststoff-Karosserie wurde von Antoine Volanis entworfen und sie überzeugte nicht nur mit Eleganz, sondern auch mit einem tiefen Luftwiderstandsbeiwert von 0,328. Das Ergebnis durfte zu Recht als rostunempfindlich und langlebig verkauft werden.

Das Besondere am 1980 in Paris vorgestellten Talbot-Matra Murena waren die drei nebeneinander liegenden Sitze, die bereits den Vorgänger Bagheera zur Ausnahmeerscheinung gemacht hatten. Mit einer Innenbreite von 151 cm konnten so drei nicht allzu stattliche Personen kommod alle in der vordersten Reihe sitzen.

In der Schweiz stand der Murena 2,2 mit 24’500 Franken in der Preisliste, während es den Porsche 924 für 29’300, den Mazda RX-7 für 25’600 und den Lancia Montecarlo für 26’500 Franken gab.

Ein Oldtimer?

Heute sind alle Matra Murena bereits im Oldtimer-Alter, werden aber wohl von den meisten Kennern eher immer noch dem Youngtimer-Segment zugeordnet. Wer sich ins Innere des kompakten (4,07 Meter lang, 1,752 Meter breit, 1,22 Meter hoch) Sportwagens schwingt, wird von attraktiven Polsterbezügen, aber auch von viel Kunststoff empfangen. Eine besondere Haptik vermittelt das Einspeichenlenkrad, das in seiner Weichheit und mit Gummiflair zusammen mit der abgeflachten Unterseite ein ganz besonderes Fahrgefühl hervorruft.

Dazu passt auch der rundliche Schalthebel, der zwar nicht sonderlich exakt durch die Schaltgassen wandert, aber genug Präzision vermittelt, um immer in den richtigen der fünf Vorwärtsgänge zu gelangen. Der mittlere Sitz kann umgeklappt werden und ist eher für Personen mit Modelmassen ausgelegt.

Praktisch und alltagstauglich

Man kann sich gut vorstellen, dass die Käufer den Wagen damals im Alltag nutzten. Die Fahrleistungen stimmten und der Verbrauch auch.

Und für die, die es nie wussten oder bereits vergessen haben: Matra siegte dreimal bei den 24 Stunden von Le Mans (1972-1974) und wurde 1969 Formel-1-Weltmeister mit Jackie Stewart im Cockpit. Der Marke fehlte es also nicht an Renommee; vielleicht sollte man also einen Murena kaufen, solange er noch bezahlbar ist.

Weitere Informationen, viele Bilder, Marktpreise und ein Originalprospekt sind auf www.zwischengas.com zu finden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D aus Z am 08.11.2014 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Talbot Matra Bagheera

    Dessen Vorgänger, Talbot Matra Bagheera, war mein erstes Auto. Zur damaligen zeit hatte der Wagen ein äusserst futuristisches Aussehen und alle dachten es sei ein Lamborghini. Ich war noch Stift und stand mit dem Sportwagen immer im Mittelpunkt ;-). War eine wirklich schöne Zeit. Leider liess die Technik des Wagens sehr zu wünschen übrig. hatte viele Reparaturen. Trotzdem - ich würde das Auto wieder kaufen. Ihr Artikel weckt viele schöne Erinnerungen!

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  • Leser am 08.11.2014 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Dreisitzer

    Beim Thema Dreisitzer kommt mir der McLaren F1, dort sitzt der Fahrer in der Mitte. Das macht doch mit zwei Beifahrerinnen noch mehr Spass ;-)

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  • John Pope am 08.11.2014 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Toller Wagen

    Ein Kollegen von mir besass einen, und ich durfte während meiner Lehre an solch tollen Autos schrauben. Zu damaliger Zeit wirklich ein Klasse- und Futuristischer Wagen. Toll das man ihn jetzt noch würdigt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas Hunziker am 09.11.2014 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...und was ist mit dem X-1/9?!?!

    Ha! Ich fuhr 1987 einen Fiat X-1/9, und der Murena des einen Schulkollegen sowie der Spitfire des anderen waren die einzigen Autos in der Schule die noch öfters kaputt waren als meiner!! Und zur Not passten jeden Samstag auch Brigitte und Steffi in meinen Zweisituer auf dem Weg zur Disco und zurück. Ja ja, ich war jung und brauchte das Geld...

  • Frau am 09.11.2014 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hatte mal einen ...

    ... und zwar in Kupfer :-) War sehr cool und wir hatten auch zu Fünft Platz wenn's denn sein musste ;-) War wirklich cool, so knapp über 20. Jetzt, knapp über 40 wäre das Aussteigen aus der Tiefe vielleicht nicht mehr so flink erledigt :-)

  • wubu am 09.11.2014 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    ein Blöffer oder Pappasöhnchen?

    @D aus Z: mein Junior-Chef besass so ein Auto und ich war zu der Zeit in der Lehre. Meine Frage: Wie konnte man sich als Stift zu jener Zeit ein Auto leisten? Sicher nicht mit dem Stiftenlohn!

  • L vo Z am 09.11.2014 01:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ich liebe ihn,ich hasse ihn

    Ich fahre, nein ich besitze auch einen 83' 2,2 Murena seit 23 Jahren und wenn er fährt dann macht er richtig Spaß ..... aber er fährt nicht immer ;-) Viele Grüße an alle Fans und Leidgenossen

  • miramar am 09.11.2014 00:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War ein tolles Auto

    Ich hatte so einen in gelb. war super bequem, rastete aber schon auf dem Reißbrett. Ich hatte den 1300-ter. war sehr sparsam.