IAA Frankfurt

12. September 2017 15:23; Akt: 12.09.2017 15:24 Print

Stockender Verkehr auf der «Road to the Future»

von Thomas Geiger - In Frankfurt sucht die PS-Branche bei der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA den besten Weg in die Zukunft.

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Ach wenn doch nur schon morgen wäre: Selten auf einer Automobilmesse haben die Aussteller den Blick so weit nach vorne gelenkt wie in diesem Jahr zur IAA. Weil die Stimmung im Hier und Heute nach Dieselskandal und Kartellverdacht so miserabel ist und die Giganten von allen Seiten von alten Gegnern und neuen Spielern bedrängt werden, malen Männer wie Daimler-Chef Dieter Zetsche, VW-Boss Matthias Müller und BMW-Vorstand Harald Krüger beim Heimspiel im Jammertal wenigstens die Zukunft in schillernden Farben: Designstudien und Technologieträger mit mehr oder weniger Bodenhaftung aber jeder Menge visionärer Strahlkraft sollen beweisen, dass sie in Stuttgart, München oder Wolfsburg die Zeichen der Zeit sehr wohl erkannt haben.

Viele Tesla-Gegner «am Start»

Dabei setzen die Platzhirsche vor allem auf zwei Karten: Den Elektroantrieb und das autonome Fahren – und oft genug wird beides kombiniert. So zeigt Daimler mit dem lenkradlosen Smart Vision EQ, wie sich der Erfinder des Automobils das Robotaxi vorstellt. Audi dagegen macht den A8 von übermorgen zur Langstrecken-Lounge Aicon und will damit selbst in Zeiten des Carsharings noch Besitzwünsche und Begehrlichkeiten wecken, weil man nirgends so komfortabel und intim reisen kann wie in den eigenen vier Wänden – auch auf Rädern.

Etwas näher an der Realität sind die Elektroautos mit Lenkrad, die vor allem auf einen Hersteller zielen, der in Frankfurt omnipräsent und trotzdem nicht auf der Messe ist: Tesla. Denn egal ob es der für 600 Kilometer ausgelegte Vision iDynamic im Format des BMW 4ers ist, der Vorbote des Mini E als ultimatives Stadtmobil, die elektrische A-Klasse, die Mercedes als EQ A mit 400 Kilometern Aktionsradius ins Rennen schickt, der GLC mit Brennstoffzelle oder die Updates von Audi e-Tron und VW ID Crozz – sie alle sollen den Aufstieg des Neulings aus Kalifornien stoppen.

SUVs für die Gegenwart

Egal ob VW ID Cross, Mercedes EQ A oder BMW Vision iDynamic – zwar werden all diese Konzepte als «seriennah» oder wie der GLC F-Cell sogar schon als Vorserie gehandelt. Doch bis sie dann tatsächlich auf die Strasse kommen, wird es eben doch noch etwas dauern. Im besten Fall 2019, oft sogar erst 2020 und danach gehen die deutschen Hersteller im grossen Stil ans Netz. Von den autonomen Visionen mit einem Horizont für 2030 und später ganz zu schweigen. Nur in die Zukunft zu schauen, das mag angesichts der Stimmungslage verlockend sein. Doch weil die schöne neue Welt noch auf sich warten lässt und der Weg dahin ja irgendwie auch finanziert werden muss, zeigen die Hersteller auf der IAA auch jede Menge neuer Autos, die man schon sehr bald kaufen kann – SUV in allen Grössen und Segmenten.

Angeführt wird die Flut der Geländewagen vom VW-Konzern, der mit SUV aus allen Rohren schiesst: Am unteren Ende der Skala stehen der für VW ungewöhnliche frische und jugendliche T-Roc, der dafür umso langweiligere Seat Arona und der ziemlich genau in der Mitte angesiedelte Skoda Karoq. Und am oberen Ende die dritte Auflage des Cayenne, die in Frankfurt zwar mit Basis-Benziner und Top-Turbo steht, aber (noch?) ohne Diesel. Dazu gibt es aus München einen neuen X3 und den ziemlich übertriebenen Ausblick auf den überfälligen X7, die Koreaner wollen mit dem Doppel Hyundai Kona und Kia Stonic die Stadt erobern, Citroën setzt in dieser Liga auf den C3 Aircross und von Dacia kommt als Kampfansage an alle gebrauchten Kraxler ein neuer Duster, der einmal mehr zum billigsten Geländewagen im Land werden will.

BMW M5 neu mit Allradantrieb

Wenn es denn partout ohne erhöhte Bodenfreiheit und Abenteuer-Optik sein darf, empfehlen sich in diesem Herbst ebenfalls eher vernünftige Autos – allen voran der neue VW Polo oder die für koreanische Marken überraschend leidenschaftlich gezeichneten Hyundai i30 Fastback und Kia Stinger. Weiter oben wird die Luft dagegen eher dünn. Denn ausser der neuen Generation des Audi A8, der mit seinem Staupiloten die grösste Brücke zum autonomen Fahren schlägt, gibt es in der Oberklasse allenfalls Modellpflegen und –varianten. So hat Mercedes Coupé und Cabrio der S-Klasse überarbeitet und BMW lässt einen neuen M5 von der Leine, der seine 600 PS zum ersten Mal mit Allradantrieb auf die Strasse bringt.

Lust und Leidenschaft

Natürlich ist die IAA auch wieder eine Messe für Träumer, bei der mit jeder Menge Luxus und Leistung Lust und Leidenschaft kultiviert wird. Nicht umsonst zeigt Bentley die neue Generation eines noch feudaleren und flotteren Continental und nicht ohne Grund verspricht Ferrari den Besserverdienen mit dem neuen Portofino einen noch stärkeren schnelleren und schöneren Platz an der Sonne. Und selbst diesseits der Oberschicht darf mit Autos wie einem Hyundai i30N als GTI-Killer oder einem Renault Mégane RS als Kampfansage gegen Golf R und Ford Focus RS. Doch der absolute Überflieger kommt in diesem Jahr aus Stuttgart oder genau genommen aus Affalterbach. Den pünktlich zum 50. Geburtstag zieht die schnelle Mercedes-Schwester AMG auf der IAA das Tuch vom «Project One» und verspricht mit diesem über 1000 PS starken Hypercar zum ersten Mal ein Formel1-Auto mit Strassenzulassung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rockabilly am 12.09.2017 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Back to the Future

    Wenn dass die Zukunft ist, wo solche abscheulich designte Vehikel die Welt verpesten, na dann gute Nacht. Da bin ich richtig stolz auf den Designer der vor 60 Jahren meinen 1957 Chevy formte.

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  • Ronny C. am 12.09.2017 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    A8 aus Uralt-Komponenten

    Der Audi A8, die Fahrassistenz-Hardware besteht aus Uralt-Komponenten wie Nvidia Tegra K1, Mobilye EyeQ3, Altera Cyclone V und Infineon Aurix. Interessant sind die oldschool-Displays im Innenraum : Das obere Display hat eine Auflösung von 1.540 × 720 Pixel, das untere 1.280 × 660. Modern geht also anders, jedes Smartphone auf deutlich kleineren Displays eine deutlich höhere Auflösung. In Sachen stinkender Ratter-Motoren ist auch kein Vorsprung durch Technik erkennbar und bei der verbauten Hardware noch weniger. Moderne Full-HD-Displays in vernünftiger Grösse gibts bei Tesla.

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  • Illumination am 12.09.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    "Radiatoren, Grill- und Toaster-Design"

    Eines sticht heraus - das Front-Design wird immer hässlicher.. ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rakete am 13.09.2017 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrsplanung?

    Wir freuen uns unsere Wohungen gegen diese neue Autos zu tauschen, denn künftig werden wir alle im Stau leben, dank einer fehlenden Verkehrsplanung in unserem Bundesrat Department, da heisst es nur Augen zu und durch.

  • H.Stettler am 13.09.2017 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Elon Musks Tesla - wie lange noch?

    Elon Musks Tesla ist der grösste Hype den ich je um ein Elektrofahrzeug gesehen habe. Ich frage mich ernsthaft, wie lange diese Modeerscheinung noch anhält, bis die Elektormobilisten realisieren, dass sie die Fahrzeuge mit dreckigem Kohlestrom aus Deutschland respektive französicher Atomkraft laden. Aber eben, wir peilen ja die emissionsfreie Verkehrsgesellschaft an. Da sind Benzin- und - insbesondere - Dieselmotoren nicht mehr erwünscht.

    • Ronny C. am 13.09.2017 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Das wars langsam mit Benzin und Diesel

      @H.Stettler : Selbst ein mit Kohlestrom betriebenes Elektroauto ist gut 2-3 mal sauberer als ein Dieselstinker. Warum ? Die Kraftwerke haben eine funktionierende und zu jeder Zeit überwachte Abgasreinigung. Gerade bei Betrüger-Marken wie VW und Audi ist die Diesel-Abgasnachbehandlung ja eben zu 90% der Fahrzustände abgeschaltet. Atomkraft wiederum stösst weder Feinstaub, noch NOx oder CO2 aus. Ein paar Kilo Uran haben eine extreme Energiedichte, die Entsorgung ist ein anderes Thema. Aber wir müssen nicht diskutieren, die fossilen Motoren sind am Ende ob es uns gefällt oder nicht.

    • Ric am 13.09.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

      Realität

      Bei meinem Energielieferanten kann ich auswählen was für Strom ich kaufe. 100% Wasserkraft ist gar nicht so teuer. Auf jeden Fall viel billiger als Benzin oder Diesel.

    • rakete am 13.09.2017 13:44 Report Diesen Beitrag melden

      Träumer

      Abwarten, das Strom Business wird seinen Trumpf schon noch ziehen, oder denken Sie allen Ernstes Tesla stellt ihnen auf immer und ewig Gratis Strom an teuren Ladesäulen zur Verfügung? Weiter träumen guter Mann.

    • Drumsi am 13.09.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

      Hipsterli mit iTesla gibts immer

      den Tesla wird es lange geben, vielleicht wird die Firma Tesla in 10-20 Jahren sogar keinen Verlust mehr schreiben. Wer iPhone hyped, will auch einen Tesla, sonst kommt er ja in der Hipster Szene (die mit den Taliban Bärten) nicht mehr an und immer, wenn Tesla etwas neues bringt, kauft der einen neuen

    • BondageP am 13.09.2017 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ric

      Wie schön... Und jetzt hast Du ein gutes Gewissen?

    • Normalverbraucher am 13.09.2017 18:43 Report Diesen Beitrag melden

      Emissionen für die anderen

      "Ein paar Kilo Uran haben eine extreme Energiedichte, die Entsorgung ist ein anderes Thema.": Wie wär's mit ihrem Garten als Enddeponie von Atomabfällen? Und darüber ein Stausee zur "Ökostrom"-Versorgung. Oder doch lieber ein Windrad mit Schattenwurf und aerodynamischer Geräuschentwicklung?

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  • Martin am 13.09.2017 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Jahre wieder, gääähn

    Diese concept cars sollten mal Wirklichkeit werden, jedes Jahr der gleiche Mist von unseren "Premium-Herstellern" langweilig - und ja, mein Auto ist 10 Jahre alt, ich brauch nicht jede 2,3,5 Jahre ein neues ;-)

  • Rockabilly am 12.09.2017 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Back to the Future

    Wenn dass die Zukunft ist, wo solche abscheulich designte Vehikel die Welt verpesten, na dann gute Nacht. Da bin ich richtig stolz auf den Designer der vor 60 Jahren meinen 1957 Chevy formte.

    • @V8 for am 13.09.2017 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rockabilly

      Ja das waren noch Formen, die Ideen fehlen. Chrom ist Drom.

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  • Illumination am 12.09.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    "Radiatoren, Grill- und Toaster-Design"

    Eines sticht heraus - das Front-Design wird immer hässlicher.. ;-)

    • @Japaner am 12.09.2017 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Ist halt alles gleich, auf gut deutsch 0815 Ware. Darum liebt man die Oldis für Liebe ins Detail.

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