Fiat 128 Coupé 1300 SL

15. Oktober 2016 15:01; Akt: 15.10.2016 15:01 Print

Der ökonomische Kurven-Flitzer

von B. v. Rotz - Wer Anfang der 1970er-Jahre ein sportliches Coupé kaufen wollte und nicht im Geld schwamm, für den war das Fiat 128 Coupé 1300 SL die erste Wahl.

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Fiat konnte vor gut 40 Jahren im Bereich der kompakten Sportcoupés gute Erfolge ausweisen, insbesondere um das Fiat 850 Coupé scharte sich eine treue Fangemeinde. Trotzdem sannen die Produktstrategen in Turin nach dem richtigen Nachfolger. Und sie wandten sich in geradezu radikaler Weise vom bisherigen Konzept ab.

Denn der 850 hatte den längs eingebauten Vierzylinder im Heck gehabt, die angetriebenen Räder waren hinten und preislich befand sich der kompakte Sportwagen am unteren Ende der Fahrzeuggattung.

Bewährte Technik der 128 Limousine

Der Neuling, der 1971 präsentiert wurde, wies dagegen einen quer eingebauten Frontmotor auf, übertrug die Kraft über die Vorderräder auf die Strasse und war eine ganze Klasse höher angeordnet – weil er rund 20 Zentimeter länger und sechs Zentimeter breiter war, vor allem aber war der Hubraum um 200 bis 400 cm3 gewachsen. Dafür war er mit rund 11'000 Franken aber auch beträchtlich teurer.

Ganz bei null mussten die Fiat-Ingenieure beim Coupé nicht beginnen, denn schliesslich war die von Dante Giacosa entwickelte Fiat-128-Limousine bereits im März 1969 vorgestellt worden und im Jahr 1970 mit dem Titel «Auto des Jahres» geehrt worden. Die Technik des kleinen Käfergegners konnte dann auch weitgehend im Coupé weiterverwendet werden. Sie war noch brandaktuell, denn Einzelradaufhängungen rundum und ein Motor mit obenliegender Nockenwelle waren Anfang der 1970er-Jahre noch kein Standard.

Praktische Karosserie, zwei Motoren

Das Karosseriekleid des 128 Sportcoupés entstand bei Fiat selbst. Es war ein Fastback-Coupé mit Hüftschwung. Das führte zu einem grossen Kofferraum, aber auch zu eingeschränkter Übersichtlichkeit nach hinten.

Die Raumausnutzung war trotz 3,8 Meter Kürze für ein Coupé gut gelungen, der deutlich längere Ford Capri bot nicht mehr Platz für die Fondpassagiere. Beide hatten einen konventionellen Kofferraum – und damit keine Heckklappe.

Angeboten wurde das neue Coupé in der Standard- (S) und der Luxusausführung (SL) sowie mit zwei Motoren von 1,1 oder 1,3 Litern Hubraumvolumen. 75 PS leistete die stärkere Variante, im Luxus-Trimm hatte sie Doppelscheinwerfer und ein hochwertigeres Interieur.

Preiswert

Für 11'900 Franken erhielt man das Modell 1300 SL damals. Ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis gab es bei der Konkurrenz nicht, denn das kleine Fiat Coupé war überraschend schnell (170 km/h Spitze) und spritzig (0 bis 100 km/h in 12,3 Sekunden). Natürlich gab es auch Kritik, etwa wegen Sicherheitsmängeln oder Ergonomiefragen, aber die Tester zeigten sich grösstenteils begeistert vom Neuankömmling.

Die Konkurrenz rüstete ebenfalls nach. So kam 1974 der neue Platzhirsch VW Scirocco auf den Markt, Fiat gönnte dem 128 eine Hecktür und ein gradlinigeres Design – geboren war der 128 Berlinetta 3P, der bis 1979 gebaut wurde. Rund 330'000 128 Coupés waren produziert worden.

Überlebt – und wie!

Fiat 128 Coupés der ersten Generation im Originalzustand sind heute selten. Umso glücklicher kann sich der Lenker eines solchen Bijous fühlen, zumal das Fahren locker von der Hand geht und der Wagen auch heute noch locker im Verkehr mitschwimmen kann.

Viel Kraft benötigen weder die Lenkung noch die Pedale und auch in den Gassen des Vierganggetriebes findet man sich gut zurecht.
Ja, der Fiat 128 als Coupé macht auch heute noch Spass, und man kann verstehen, dass er damals begeisterte.

Weitere Informationen, viele Bilder, technische Daten und ein Tonmuster finden sich auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pina Palma am 15.10.2016 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein genialer Kurven-Flitzer!

    Wauuu..Ein super schönes Auto! Fiat, der schnattige Italiener, hat längst bewiesen, dass er Geschmack hat. Optisch wie auch in der Innenausstattung. Ein Fiat kann sich immer sehen lassen und die Herzen seiner Fans beflügeln..was für ein Auto der Fiat doch ist und dieser Alte, ganz besonders..

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  • Luca Di Blasio am 15.10.2016 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Auto

    Hab genau den gleichen Flitzer, einfach nur ne tolle Maschine, kann ich euch sagen. Gut gepflegt und ohne Rost. ...geht auch so.

  • Fiat Lux am 15.10.2016 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Das waren noch Zeiten

    Genau das selbe Modell gab es damals mit 1100 ccm. Dieses besass ich damals. Mit dieser Motorklasse wurden bei Bergrennen regelmässig die 1300-er geschlagen, weil die Getriebeabstimmung für Bergrennen besser war und dadurch die 200 ccm wertlos waren. Gerostet haben die Fiats damals, weil die Grundierung fehlte und der Fertiglack auf das rohe Blech gespritzt wurde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Oldtimer am 16.10.2016 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So wie man es nicht machen sollte

    So, so ! 6800 U/min und manche noch etwas höher. - Diese Motoren haben aber wahrscheinlich schon lange das Zeitliche gesegnet bei diesen Misshandlungen.

  • Linda am 16.10.2016 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herrlich!

    Herrlich! Ich fuhr damals einen Datsun Cherry 100A!

  • Falllinie am 16.10.2016 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht noch sportlicher!

    Das Ganze gabs auch 180 Grad gedreht und von Stardesigner Marcello Gandini verpackt als X1/9...

    • R. Agusa am 16.10.2016 20:14 Report Diesen Beitrag melden

      Wir sagten dem X1/9

      Flötenetui weil er die Damenwelt erobert hat.

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  • renzo blumenbeet am 16.10.2016 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Woww

    Ein wirklich anmutendes Fahrzeug, halt Italo- Design!!

  • Hugo V. am 16.10.2016 02:07 Report Diesen Beitrag melden

    So ein toller Wagen hätte ich auch gern

    Ich besitze nur einen Mirage M6 GT, aber alles kann man im Leben ja nicht haben. Wer meine gelbe Rackete sehen will, der Google jetzt einfach: "Mirage M6 GT, Arbon".

    • Schurter Samuel am 16.10.2016 04:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Hugo V.

      Das ist ja eine Replika mit VW-Käfer Teilen, und sowas nennt sich Mirage M6 GT? Ich und meine Kollegen haben laut gelacht als wir die Kommentare über dieses Bastlerauto lasen. Bestimmt werden noch mehr Leser danach googeln, und sich köstlich über diese Kommentare amüsieren.

    • Marco Lorenz am 16.10.2016 16:51 Report Diesen Beitrag melden

      @Hugo V.

      Das ist doch das mittlerweile berühmte Pannenauto aus Arbon, über dessen Besitzer lacht schon die halbe Schweiz.

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