Mercedes-Benz 250 SE Coupé

18. Februar 2017 09:15; Akt: 18.02.2017 09:15 Print

Edle Sportlichkeit mit Alltagsnutzen

von B.v.Rotz - Wer 1968 ein Coupé im Wert von mehr als vier VW Käfern kaufte, erhielt bei Mercedes den 250 SE – alltagstauglich und rasant schnell.

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Wer in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre Ausschau nach einem sportlichen Coupé mit Limousinen-Qualitäten und Oberklassen-Komfort hielt, der kam am Mercedes-Benz 250 SE Coupé eigentlich nicht vorbei. Technisch orientierte sich das Coupé der Baureihe W111, das am 24. Februar 1961 erstmals präsentiert wurde, an den im August 1959 erschienen viertürigen 2,2-Liter-Sechszylindermodellen.

Das neue Coupé gefiel, denn es sah wirklich blendend aus, wirkte elegant und sportlich gleichzeitig. Der Nutzwert kam dabei nicht zu kurz, schliesslich waren die Coupés echte Viersitzer, und eigentlich unterschied sich der Raumkomfort nur durch eine niedrigere Bauhöhe von der Limousine.

Erstmals mit Scheibenbremsen

Als erstes Modell überhaupt kam der 220 SE in Coupé-Aufmachung mit Girling-Scheibenbremsen daher. Natürlich hatte man bei Daimler-Benz bereits Erfahrungen aus dem Rennsport, aber in der Serie führte man die neue Technik sehr vorsichtig ein. Das Ergebnis aber überzeugte.

Gute Bremsen waren auch nötig, schliesslich erreichte der 220 SE als Coupé 171,4 km/h Höchstgeschwindigkeit und beschleunigte in 14 Sekunden auf 100 km/h. Mit 1452 kg war der Wagen auch kein Leichtgewicht.

Bei den Limousinen abgeguckt

Waren die ersten Coupés mit dem bekannten 2,2-Liter-Motor ausgeliefert worden, kam bereits 1962 der Dreiliter dazu. Im Jahr 1965 folgte der 2,5-Liter, der im Rahmen der Neuausrichtung der S-Modelle eingeführt wurde. Damit stieg die Leistung von 120 auf 150 PS. Die Kurbelwelle war nun siebenfach gelagert, die oben liegende Nockenwelle des Reihensechszylinders wurde weiterhin über eine Kette angetrieben.

Ansonsten änderte sich beim Coupé wenig, allerdings profitierte es von einigen Innovationen aus der Limousinen-Baureihe. So gab es nun 14-Zoll-Räder, grösser dimensionierte Scheibenbremsen, hydropneumatische Ausgleichsfedern an der Hinterachse.
185 km/h sollte der neue 250 SE als Coupé nun laufen, die Zeit für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h wurde vom Werk mit 12 Sekunden angegeben. Als Durchschnittsverbrauch wurden 11,7 Liter attestiert. Mit Preisen ab 35’800 Franken kostete der Wagen mehr als vier VW Käfer.

Mercedes pur

Wer sich in das elegante 250 SE Coupé setzt, wird sofort von der typischen Mercedes-Aura eingefangen. Bequeme Clubsessel laden zur Langstrecke ein, eine gute Rundsicht lässt die keineswegs kompakten Dimensionen (Länge x Breite x Höhe: 4,88 x 1,845 x 1,45 Meter) vergessen.

Die servoassistierte Lenkung ist leichtgängig, alle Kontrollelemente sind dort, wo man sie erwartet. Das Vierganggetriebe lässt sich mit dem Mittelschalthebel gut, wenn auch etwas knochig, schalten. Die 150 PS reichen für zügiges Vorwärtskommen, wie ein Sportwagen allerdings fühlt sich der 250 SE heute nicht mehr an. Damals allerdings, als ein Käfer über 30 Sekunden brauchte, um Tempo 100 km/h zu erreichen, nur um bei 120 km/h endgültig schlappzumachen, war ein 185 km/h schnelles Coupé sicherlich fast das Nonplusultra.

Heutzutage aber freut man sich eher an der nostalgisch geformten Motorhaube, am schönen Klang des Reihensechszylinders und am Oberklassenfahrgefühl des Coupés.

Bis 1968 wurde der 250 SE gebaut, der Nachfolger 280 SE mit derselben Optik noch bis 1971, dann war Schluss mit dem S-Klasse-Coupé. Ab dann gab es vorerst nur noch die Coupé-Variante des SLs.

Weitere Informationen und viele Bilder sowie den Verkaufsprospekt von damals findet man auf Zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claude am 18.02.2017 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frühere Zeiten

    Wunderschönes Auto aus einer anderen Zeit, wo Mercedes noch etwas Besonderes war.

  • pater007 am 18.02.2017 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einach schön

    Tolles Auto, welches auch heute noch viel Charme, Eleganz und Sportlichkeit ausstrahlt.

  • Lukas H am 18.02.2017 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Oldtimer

    Schöner Oldtimer. Gefällt mir innen und aussen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arthur Nix am 19.02.2017 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wertsteigerung?

    Anfang 80er Jahre erwarb ich den Nachfolger dieser Modellreihe, einen Mercedes SEL 300 mit 3,5l Motor und AmerikanerLampen. Das war eine richtige Rennmaschine, die so um die 25l SuperBenzin je 100km schluckte. Da steckte ich fast Fr. 20'000.-- in die Renovation und hatte nun ein richtig stolzes Auto. Leider musste ich es Anfang 90er verkaufen und bekam nur noch Fr. 5000.-- dafür. Wertsteigerung kannte man damals eigentlich noch nicht für diese Modelle.

  • Reto am 19.02.2017 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autos mit Charakter

    In dieser Epoche bewiesen die Autos wahren Chrakter. Die Konstrukteure und Designer konnten ihren Phantasien und Visionen freien Lauf lassen, frei von Zwängen (CW-Werte usw.). Heute gleichen die Autos wie ein Ei dem anderen und haben den markenspezifischen Charakter leider mehrheitlich verloren.

  • sagamol am 18.02.2017 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Beste oder Nichts

    Alleine der satte Ton der Türen beim Schliessen ist wie Musik. So stelle ich mir das Geräusch des zuklappenden Tresors der Britischen Kronjuwelen vor. Ein wahres Meisterwerk des Automobilbaus. Danke für diesen Bericht über diesen Mercedes.

  • Kai N. Stuttgarter am 18.02.2017 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nürnberger Parade

    Ich sehe daran weder Sportlichkeit noch Eleganz, sondern biederes Teutonendesign, das sich bis in die tiefen 1990er-Jahre kaum änderte. Langweilig und historisch belastet.

    • Rosemarie Niklaus am 18.02.2017 14:47 Report Diesen Beitrag melden

      Mercedes

      die Zeiten der schönen Autos sind leider vorbei, darum kaufe ich mir vorerst kein neuer Wagen mehr:

    • Illumination am 18.02.2017 20:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Kai N. Stuttgarter

      Sportlichkeit sehe ich auch nicht (dieser Anspruch wurde "angedichtet"), Eleganz hingegen schon - dem Zeitgeist entsprechend. Und wo Sie bei dieser Modellreihe eine "historische Belastung" sehen, finde ich eher "hysterisch"... ;-)

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  • Nöbbi am 18.02.2017 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Auto

    Ich kenne dieses Auto nur unter dem Begriff Mazedonier und Kosovari Limousine.

    • Roman am 18.02.2017 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nöbbi

      Stimmt nicht mehr. Die wurden von Audi mit Spurverbreiterungen abgelöst.

    • Rudiwild@gmx.ch am 18.02.2017 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nöbbi

      Zu Zeiten des " W 111 " in den. 60er Jahren, gab's bei uns so gut wie keine " Brüder " aus Osteuropa! Darum hatten wir Ausserorts auch keine Limite!! Freie Fahrt für freie Bürger?

    • Illumination am 18.02.2017 19:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Nöbbi

      Ja, vor allem in der Zeit von 1965-1971 - als Coupé zum vierfachen Preis eines VW-Käfers...lol. Diese Fahrzeuge gehören zu den letzten Vertretern der grossen, "echten" viersitzigen Coupés/Cabriolets. Sie sind heute sehr gesucht und werden hoch bezahlt. Insbesondere die letzten Modelle 280 SE 3,5 Coupé (1969-71/ca. 3200 produziert) und Cabriolet (nur ca. 1200 produziert) mit 3,5 l/V8-200 PS Motor zum doppelten bis dreifachen Neupreis im sechsstelligen Bereich...

    • Fritz von Ow am 19.02.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      und im Alter leider nur Rost wo das Auge hinreicht ! Unter der hinteren Sitzbank siehst du den Fahrbahnboden ! Rostlauben !

    • Illumination am 19.02.2017 12:13 Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz von Ow

      Das ist richtig - wenn man nicht frühzeitig entsprechende Massnahmen getroffen hat.. Wir haben eine S-Limousine/W108 seit 1970 im Familienbesitz - mit entsprechendem Unterhalt absolut rostfrei, seit zwanzig Jahren aber auch kaum mal mehr "nass" geworden (nur Sommer-Betrieb bei trockenen Verhältnissen, Veteranenstatus, ca. 3000 km/Jahr)... ;-)

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