VW K 70

06. April 2015 11:36; Akt: 06.04.2015 11:36 Print

Ein VW, wie es ihn zuvor noch nie gegeben hat

von B. von Rotz - Er sollte das neue Flaggschiff von NSU werden, doch dann übernahm VW den Hersteller und der K 70 wurde zum ungeliebten Kind der Wolfsburger.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Sensation fand nicht statt. Geplant war sie für den Genfer Autosalon 1969 gewesen und der Star war der NSU K 70, die neue Mittelklasse-Limousine aus Neckarsulm. Kurzfristig wurde die Premiere abgesagt, nicht von NSU, sondern von Volkswagen, denn diese hatte kurz vorher NSU von Daimler-Benz übernommen.

Dabei hatte die Geschichte des K 70 vielversprechend begonnen: Um die Lücke zwischen Prinz und Ro 80 zu schliessen, begann die Firma NSU trotz beschränkter Mittel im Januar 1965 mit der Entwicklung eines neuen Mittelklasse-Personenwagen. Das Design vertraute man Claus Luthe an, der bereits mit dem Prinz 4 und dem Ro 80 Ausserordentliches geleistet hatte.

Für den K 70 konzipierte Luthe ein fast schon geometrisch wirkendes Design, das mit grossen Fensterflächen und beispielhafter Übersichtlichkeit brillieren konnte, insgesamt aber ein wenig die Raffinesse des Ro-80-Entwurfs vermissen liess. Beim Motor griff man, so weit möglich, auf Bewährtes zurück, es entstand ein wassergekühlter Vierzylinder mit 1605 cm3 und 90 PS, der längs eingebaut die Vorderräder antrieb.

Bereits im Spätherbst 1968 waren Erlkönige, also Versuchsfahrzeuge, gesichtet worden. Prospekte waren bereits gedruckt, der Publikumsvorstellung stand eigentlich nichts mehr entgegen.

Wiedergeburt als VW

Im Februar 1969 aber platzte die Bombe. Volkswagen gab bekannt, NSU übernehmen zu wollen und mit der Konzerntochter Audi zu fusionieren. Und das erste Opfer hiess K 70, sehr zum Missmut der Autojournalisten, die für den neuen Wagen bei VW-Audi die perfekte Lücke identifiziert hatten.

Volkswagen hatte schliesslich ein Einsehen. Einige Detailretuschen wurden angebracht, bevor der Wagen ab Herbst 1970 von den Produktionsbändern im neuen Werk in Salzgitter lief – als erster VW mit Frontmotor überhaupt. Im Kühlergrill, der weiterhin Rechteckscheinwerfer zeigte, prangte nun ein Volkswagen-Logo. Zudem gab es eine Luxus-Ausführung. Im Grossen und Ganzen war der VW K 70 aber eigentlich ein NSU geblieben.

Doch kein Wunderauto?

Die Vorschusslorbeeren waren also gross, die Erwartungen der Kunden und der Autojournalisten genauso. Folgerichtig wurde eifrig getestet, der K 70 zwar für gut, aber nicht überragend befunden. Etwas durstig war er und es gab allerlei Detailmängel zu notieren.

Dabei war der K 70 nicht billig. 13'340 Franken musste man in der Schweiz für die Luxusausführung zahlen, da gab es anderswo schon Sechszylinder.

Volkswagen liess dem Neuling kontinuierlich Verbesserungen angedeihen, doch nach gut vier Jahren und 210'000 produzierten Exemplaren lief der K 70 bereits wieder aus. Seine Erben – VW Passat und Audi 80 – aber folgten ähnlichen Bauprinzipien, die Zeit der heckgetriebenen Luftgekühlten ging auch bei Volkswagen zu Ende.

Fast ausgestorben

Vierzig Jahre später ist ein K 70 auf der Strasse seltener zu sehen als ein Ferrari-Sportwagen der Sechzigerjahre.

Am Lenkrad eines VW K 70 L erkennt man erst, wie modern und zukunftsweisend der Wagen damals gewesen sein muss. Die Rundumsicht ist fast perfekt, die Karosserieenden sind aus der Fahrerposition problemlos einsehbar. Die Schaltung lässt zwar etwas Präzision vermissen, die Gänge lassen sich damit aber problemlos sortieren.

Die Ergonomie war für die Zeit vorbildlich, selbst heute kommt man ohne grosse Eingewöhnung mit dem Auto zurecht. Und geräumig war er noch dazu.

Die Sensation blieb damals aus, aber aus heutiger Sicht war der K 70 trotz seiner bekannten Schwächen ein sehr gut konzipiertes und intelligent gebautes Auto, dem eigentlich eine grössere Zukunft gehört hätte.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Verkaufsprospekt finden sich auf www.zwischengas.com.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Blaubär am 06.04.2015 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    geniales Fahrzeug

    das ist ein geniales Fahrzeug, deshalb stehen bei mir 2 in der Garage

  • AndreaH am 06.04.2015 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :)

    Dieses Auto hatten wir, als ich klein war. In gelb.

  • Donald am 06.04.2015 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kindheitserinnerung

    Genau so einen hatte mein Vater in den 70ern auch, in der abgebildeten Farbe.

Die neusten Leser-Kommentare

  • André Gubelmann Brasilien am 07.04.2015 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Traum

    Gäbe es dieses Nostalgie- Auto in Brasilien,würde ich es auch kaufen.So muss ich mich mit dem VW-Brasilia 1,6l Jahrgang 79 begnügen.

  • Samu am 07.04.2015 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau wie heute

    Der sieht ja gleich aus wie die heutigen WV, da hat sich aber nicht viel verändert !

  • Baumi am 07.04.2015 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VW Trabant

    Das Design erinnert ein wenig an den DDR Trabbi ;)

    • gretli am 07.04.2015 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      08/15

      geändert hat sich bis heute nichts. vw tut sich mit design sehr schwer.

    einklappen einklappen
  • Zünsler am 07.04.2015 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibende Erinnerung an K70!

    Mir bleibt in Erinnerung, dass ich 1989 aus Versehen in meiner Ausbildung zum Automechaniker aus Unachtsamkeit einen K70 mit Benzin im Motorraum angezündet habe. Zum Glück haben die Kollegen so schnell reagiert und es ist kein grösserer Schaden am Auto entstanden. Ansonsten fand ich das Auto nie schön.

  • henri am 07.04.2015 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Spiessig und charmlos

    Ich war noch ein Kind, als bei uns solche rumfuhren. Ich fand das schon damals spiessig und charmlos