Rover P6 3500 V8

13. Januar 2018 09:50; Akt: 13.01.2018 09:50 Print

Acht Töpfe für distinguiertes Reisen

von B. v. Rotz - 1968 erschien der Rover P6 3500 V8. Mit den Achtzylinder war er endlich auch für die Lords im Oberhaus ein standesgemässes Auto.

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Der Rover P6 erhielt 1964 als Erstes die Auszeichnung «Auto des Jahres», allerdings noch als Zweiliter-Rover 2000. Weil der Kofferraum knapp war, kann das Reserverad anstatt im auch über dem Kofferraum transportiert werden. Der Rover 3500 V8 unterschied sich vom Rover 2000 von aussen primär durch die Beschriftung. Am Design hatte man nichts verändert. Der Rover P6 war sicherlich eine markante Schöpfung, unter der Blechbeplankung verbirgt sich eine selbsttragende Struktur, die mehr Stabilität und Sicherheit versprach. Für die Hintensitzenden bot der Rover 3500 V8 nur unterdurchschnittlich viel Knieraum, die Gesamtlänge von nur wenig mehr als 4,5 Meter erlaubte nicht mehr. Der Achtzylinder passte fast problemlos unter die Haube des ursprünglich als Zweiliter-Vierzylinder präsentierten P6. Der V8-Motor wurde einst von Buick entwickelt, dann aber in den Sechzigerjahren von Rover samt Fabrikationsanlagen übernommen. Die Wagen der ersten Serie hatten einen Bandtacho und runde Zusatzinstrumente für die Uhrzeit und die Drehzahl. Der Bandtacho erinnert an ein altes Radio, liess sich aber recht exakt ablesen. Der Rover P6 kam von Anfang an mit einer breiten Mittelkonsole daher. Dafür wurde der Wagen kritisiert, weil damit ein Einsteigen auf der «falschen» Seite erschwert werde. Für den Beifahrer gibt es einen massiven Handgriff im Armaturenbrett. Anfänglich wurden die V8-Motoren immer mit Dreigang-Wandlerautomatik ausgeliefert, ab 1971 gab es den 3500 S mit 4-Gang-Handschaltung. Die Sitze sind bequem, hinten steht aber verhältnismässig wenig Beinraum zur Verfügung, wenn die Fahrer/Beifahrer ihre Sitze nach hinten schieben. Das Reserverad baut hoch auf, wenn es nicht im Kofferraum liegt. Die Sicht nach hinten wird dann allerdings stark eingeschränkt. Ab 1971 trat der Rover 3500 mit einem modifizierten Kühlergrill und allerlei Verbesserungen als Mk II auf. Bis 1977 wurde der P6 gebaut, insgesamt über 320000 Mal alle Versionen zusammen.

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Wie fühlte sich das wohl so an, wenn man einst als Angehöriger des britischen Oberhauses nach der Arbeit zum Club fuhr? Im Rover 3500 kann man dieses Gefühl auch heute noch nachvollziehen. Der Übergang von Arbeit zu Freizeit ergibt sich so fast schon fliessend.

Im Jahr 1964 wurde der Rover P6 als Zweiliter zum ersten «Auto des Jahres» gewählt. Es war dies kein Zufall, denn die Rover-Ingenieure hatten damals tatsächlich mit einem weissen Stück Papier begonnen und alles neu konstruiert, selbst den Zweilitermotor. Es kam auch ein wirklich grosser Wurf heraus, der sich lose am Citroën DS orientierte, aber trotzdem weitgehend eigenständig daherkam, sowohl optisch als auch technisch.

Chefdesigner David Bache gestaltete die Form sozusagen um die gewählte Technik herum, schaffte es aber trotzdem, eine elegante Limousine zu schaffen. Nur die 90 PS des Vierzylinders wirkten noch etwas schmächtig bei 1,2 Tonnen Gewicht.

Oberklassen-Gleiter

Einen üppig motorisierten P6 konnte man sich ab April 1968 bestellen, als der 3500 V8 präsentiert wurde. Die Leistung stieg damit auf rund 150 PS. Gekoppelt wurde der Achtzylinder zunächst ausschliesslich an eine Dreigang-Wandlerautomatik.

Zuerst wurde wie üblich der Heimmarkt bedient, aber ab 1969 kamen auch die Kontinentalkunden in den Genuss der acht Zylinder, etwas was es zu vergleichbaren Preisen (18’900 Franken) kaum gab. Für dasselbe Geld musste man sich oftmals mit sechs oder gar nur vier Zylindern begnügen. Die Autopresse jedenfalls war begeistert, nur die Platzverhältnisse und die Kofferraumgrösse führten zu negativer Kritik. Rovers kreative Lösung für letztere Kritik: Man konnte das Reserverad nämlich auch auf (!) dem Kofferraum montieren.

Mit Lederhandschuhen

Auf das Armaturenbrett eines Rover 3500 gehören Lederhandschuhe genauso wie ein Schirm in den Kofferraum. Man kann sich geradezu vorstellen, wie sich der Lord am Morgen freudig in seinen weissen Rover setzte. Er war auch vermutlich bestens über die teilweise ungewöhnlich, aber durchaus funktionell angeordneten Bedienungselemente informiert und bei einer allfälligen Panne hätte er sicherlich gewusst, dass die Entriegelung der Motorhaube im Handschuhfach zu finden war.

Die Übersichtlichkeit nach vorne konnte kaum besser sein, selbst in der Nacht waren die Karosserieecken dank der Prismen über den Scheinwerfern einsehbar. Nach hinten störte das riesige Reserverad auf dem Kofferraum dann doch beträchtlich, aber schliesslich will ein richtiger Lord ja seine Golf- oder Reitausrüstung immer dabei haben.

Komfortable Federung

Ohne Servounterstützung artet die Kurbelei am dünnwandigen Kunststofflenkrad schon ein wenig in Arbeit aus, aber schlimm ist das nicht. Der Wagen motiviert den Fahrer automatisch zu einem ruhigen Fahrstil, was keinesfalls mit langsam gleichzusetzen ist. Tatsächlich geht es flott voran, der oberste der drei Gänge ist in Windeseile erreicht, die Fahrgeräusche halten sich im Rahmen.

Die guten Sitze und die relativ weiche Federung versöhnen mit Komfort, solange man vorne sitzt. Hinten ginge es auf den Einzelsitzen eher eng zu, aber dies stört den Selbstfahrer kaum.

Etwa nach 400 km steuert man eine Tankstelle an, um Benzin nachzufüllen. Nun kann man endlich den Wagen auch von aussen geniessen. Er hat, obschon keinesfalls zeitlos gestaltet, die Jahre gut überstanden und wirkt noch genauso britisch wie damals vor 50 Jahren.

Weitere Informationen, viele Bilder, einen Prospekt und ein Tonmuster gibt es auf Zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcello 1152 am 13.01.2018 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traumauto

    einen V8 bin ich damals gefahren. der war natürlich traumhaft. schade er hatte schon genügend durst. aber damals bei rund 68 rappen pro liter noch nicht so üppig für die buchhaltubg

    einklappen einklappen
  • Onkel Albert am 13.01.2018 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Einheitsbrei

    War das schoen als man die verschiedenen Marken und Modelle noch unterscheiden konnte - optisch, Motorengeraeusch, Tuere schliessen ...

  • Zeit_Genosse am 13.01.2018 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, das war ein cooles Gerät

    Leider aber technisch anfällig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sebastian am 14.01.2018 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Super Auto

    Ich bin in den 70er Jahren mit dem P6 aufgewachsen. Mein Vater hatte immer Rover 3500 V8. Ein toller Wagen und zu dieser Zeit war das ein Privileg einen P6 zu fahren. Schade, gibt es Rover nicht mehr.

  • Grufti Automech am 14.01.2018 00:26 Report Diesen Beitrag melden

    Coole Spitzchen auf Standlicht

    Welch das Strassenverkehrsamt beim Vorführen immer beanstandete. Leider mussten diese für die "Experten" gekürzt werden. War sehr Schade.

    • Ueli am 14.01.2018 00:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grufti Automech

      Typisch schweizerisch... diese waren nämlich echt gut und sinvoll!

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  • Scheibenwischer am 13.01.2018 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Unterbewertet.

    Eine wunderbare Limousine mit vier Clubsessel und luftigem Interieur. Als Oldie ist der Rover völlig unterbewertet.

  • Martial2 am 13.01.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ledersitze, Holz, perfekt...

    Neben Jaguar war das ein schön klassischer Engländer, nur eins störte: Reserverad auf dem Gepäckraum, unästhetisch und wie haltet sich den offenen Kofferdeckel, vor allem bei Wind?

    • Peter Bienz am 14.01.2018 00:01 Report Diesen Beitrag melden

      Option Reserverad

      Das Reserverad war standardmässig im Kofferaum untergebracht. Der Platz auf dem Kofferraumdeckel war eine Option und führte natürlich zu Platzgewinn im Kofferraum und war ein typisches Merkmal der P6-Modellreihe. Meines Wissens gab es dies so weder vorher noch seither je wieder.

    • Peter Bienz am 14.01.2018 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      Option

      Das Reserverad war standardmässig im Kofferaum untergebracht. Der Platz auf dem Kofferraumdeckel war eine Option und führte natürlich zu Platzgewinn im Kofferraum und war ein typisches Merkmal der P6-Modellreihe. Meines Wissens gab es dies so weder vorher noch seither je wieder (ausser natürlich bei Geländewagen an der Hecklappe)

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  • Onkel Albert am 13.01.2018 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Einheitsbrei

    War das schoen als man die verschiedenen Marken und Modelle noch unterscheiden konnte - optisch, Motorengeraeusch, Tuere schliessen ...