VW Golf GTI

30. April 2016 16:53; Akt: 30.04.2016 16:53 Print

Das oft kopierte und doch unerreichte Original

von Bruno von Rotz - Er konnte mit Sportwagen mithalten und war gleichzeitig alltagstauglich. So wurde der Golf GTI zum Stammvater einer neuen Wagenklasse.

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Was gibt es Schöneres als eine Fahrt im Golf GTI durch den Frühling? Durch breitere Räder und eine Tieferlegung des Fahrwerks erreichte Volkswagen beim GTI ein sehr gutes Fahrverhalten, von gewissen Lastwechselreaktionen einmal abgesehen. Ein VW Golf GTI aus dem Jahr 1980 mit einem einige Jahre jüngeren Peugeot 205 GTI zusammen - beide sprachen dieselbe Zielgruppe an. Mattschwarz dominiert, Chrom wird kaum gezeigt am Golf GTI von 1980. Die ersten Baujahre hatten noch filigranere Stossstangen aus Metall. Die mattschwarze Blende um die Heckscheibe war typisch für den GTI, der Heckscheibenwischer war Serienausstattung. Blick ins Innere des Golf GTI - der Prospekt auf dem Sitz stellt genau dasselbe Modell in derselben Farbgebung dar wie das fotografierte Auto. Spucknapf-Lenkrad nannte man dieses Teil wegen der Vertiefung in der Nabe. Nur der Golf GTI hatte den Golfball als Schaltknopf - eine herrliche Idee! Schottenkaro wurde als Muster für die guten Recaro-Sportsitze verwendet. Quer eingebauter Vierzylinder mit 1588 cm3 und 110 PS, das höchste Drehmoment lag erst bei 5000 Umdrehungen an - ein Sportmotor ohne Allüren. Serienmässig auf Stahlfelgen und mit Reifen der Grösse 175/70 HR 13. Eindeutig beschriftet am Heck. Ein früher GTI noch mit den filigraneren Stossstangen. Der GTI von 1980 in Mars-Rot. GTI-Festival an der Techno Classica im Jahr 2013. Ein GTI-Sondermodell, genannt Pirelli Golf aus dem Jahr 1983 - man sieht auch die breiten Rückleuchten, die nur die letzten Baujahre hatten.

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Volkswagen hat beim VW Golf GTI eigentlich weniger erfunden, als man rückblickend annehmen könnte. Die Bezeichnung «GTI» hatte es schon vorher gegeben und auch die Idee, einen starken Motor in eine Alltagskarosserie zu verpflanzen, war nicht neu: Alfa Romeo Giulia TI Super, Ford Lotus Cortina oder Mini Cooper S lassen grüssen.

Auch den Motor musste man nicht neu entwickeln, diese Vorarbeit hatte Audi für das Modell 80 GT/E bereits geleistet. Und beim Rest der Ausstattung konnte man weitgehend auf Konzernprodukte zurückgreifen.

Eine neue Wagenklasse

Trotzdem: Der 1975 an der IAA präsentierte Golf GTI war eine Innovation. Schliesslich verband er wie kaum ein anderes Auto seiner Generation sportliche Fahrleistungen mit uneingeschränkter Alltagstauglichkeit.

Durch Nutzung vorhandener Komponenten und Verzicht auf manchen Luxus konnte ein Preis-Exzess verhindert werden. Schliesslich wollte man ja auch 5000 Stück des GTI verkaufen. Mancher zweifelte damals allerdings, ob es überhaupt für 500 Stück reichen würde, doch dann verkaufte VW 450’000 GTI Mk1.

Nicht billig, aber günstig

15’790 Franken zahlten schliesslich die ersten Kunden im Herbst 1976 und sie erhielten ein komplett ausgestattetes Fahrzeug, dem man höchstens noch mit Alufelgen, Radio oder wärmedämmendem Glas zu mehr Individualität verhelfen konnte. Die Farbauswahl war eingeschränkt – Marsrot oder Diamant-Silbermetallic hiess die einfache Entscheidung.

Vor allem aber erhielten sie ein sehr sportliches Auto, das in rund neun Sekunden auf Tempo 100 km/h beschleunigen konnte und somit praktisch bei jedem «Ampelduell» siegreich blieb.

Eine Rarität

Obschon GTIs gehätschelt wurden, bereiteten ihnen Rost und Unfälle oft schon früh ein Ende. Originalgetreue Modelle, insbesondere der frühen Baujahre, sind selten und werden heute weit über dem Neupreis gehandelt. Umso glücklicher kann sich schätzen, wer einen gut erhaltenen und von Tuning-Exzessen verschonten Original-GTI entern darf.

Die Recaro-Sitze fühlen sich hervorragend an und geben herrlich viel Seitenhalt. Das Lenkrad ohne Lederüberzug wirkt handlich und griffig, der Golfball-Schaltknopf stimmig. Mit der rechten Hand startet man den Motor, der ohne Zaudern seinen Dienst aufnimmt und durchaus hörbar, aber nicht unattraktiv brummt. Sobald die Drehzahl steigt, wird auch der Motorlauf musikalischer.

Freude herrscht!

Die Schaltung des Fünfganggetriebes, das ab 1979 die vorher verbaute Viergangvariante ablöste, lässt sich etwas nachgiebig aber zielsicher bedienen. Das tiefe Wagengewicht von 845 kg (nach DIN-Norm) zeigt sich sofort in einer geradezu verblüffenden Leichtfüssigkeit des kompakten Wagens (370,5 x 161 x 139 cm): Der GTI zieht los wie am Gummiband gezogen und in Kurven zeigt er nur wenig Seitenneigung, ohne übermässig straff zu wirken. Das macht Spass, viel Spass! Kein Wunder bezeichneten viele Autojournalisten den ersten GTI noch Jahre später als Massstab für die kompakte Sportlimousine.

Dass aus heutiger Sicht nur wenig Bedienkomfort geboten wird und dass die Inneneinrichtung doch etwas gar karg ausfällt, das stört beim Fahren überhaupt nicht. Nur grossgewachsene Personen, die man auf die Rückbank verbannt, würden sich über mehr Kopffreiheit und Knieraum freuen. Und dass der Kofferraum mit 350 Litern nicht für den Grossumzug geeignet ist, wird einem Klassiker sowieso niemand ankreiden.

Weitere Informationen, viele Bilder, ein Tonmuster und Prospekte finden sich auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cristina am 30.04.2016 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh ja

    Ich hatte einen GTI I, noch mit 1600er Motor, dieser hatte das bessere Drehmoment als der 1800er. Schade habe ich ihn verkauft, war zwar eine viereckige Kiste, machte aber Spass ihn zu fahren.

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  • Nostaligscher Albaner am 30.04.2016 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mazda-Driver

    Als ich den Schaltknopf sah, kamen mir fast die Tränen. Was für eine Zeit!

  • antonzum am 30.04.2016 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin immer noch kein Golfer

    Aber den GTI mit dem Golfball am Schalthebel fand ich immer eine Wucht. Leider hatte ich damals das nötige Kleingeld nicht, mir einen zu kaufen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gralshüter am 01.05.2016 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scirocco Gti von 1976

    ... Und einen 1974er Scirocco TS... Für mich der feinere Golf... Stehen beide im tiefen Germanien in einer verwunschenen Garage seit über 25 Jahren, dazu alle original- Blechteile , mit denen man 2 Karosserien neu bauen könnte... Sie warten geduldig darauf, dereinst restauriert zu werden

  • Chrigel, am 01.05.2016 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Das erste "schnelle" Auto meiner Jugend.

    1989 kaufte ich mir einen 83 schwarzen 1800 GTI Trophy. Oh war das ein feines Auto. Zu dieser Zeit fuhren alle Peugeot 205 GTI oder die reicheren brandneue Kadett GSI 16V. Aber der Golf war obwohl in der Leistung unterlegen einfach die Nr. 1. Damals war VW noch Top. Heute meide ich alles was aus dem VAG / AMAG Konzern angeboten wird. Zu teuer und anfällig z.B DSG und Steuerkettenprobleme. Vom Abgasdebakel ganz zu schweigen.

    • Illumination am 01.05.2016 19:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Chrigel,

      Während einer bestimmten Zeitperiode hatte VW bei den Steuerketten ein Problem mit der Qualitätssicherung - bei der Fertigung hätten u.a. abgenutzte Werkzeuge an den Kettenlaschen Metallgrate hinterlassen. Diese führten zum vorzeitigen Kettenverschleiss. Das Problem betraf nur bestimmte Motoren, ebenso nur bestimmte DSG-Varianten/Baureihen (aus anderen Gründen), primär bis etwa Jahrgang 2012. Danach ist keine signifikante Defekt-Häufigkeit bekannt. Die Kulanzregelung der Steuerketten/DSG-Schadenfälle durch VW/AMAG ist eine andere Geschichte, das "Abgasdebakel" eine reine "Diesel-Affäre"..

    • RR am 01.05.2016 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      wofür rechtfertigen Sie sich für den Konzern? schauen Sie bei den Vertragswerkstätten in die Alteisenmulde. Dort liegen die Ketten und Doppelkupplungen zuhauf drin. Und das durch alle Jahrgänge. Kettenprobleme kamen schon 2006. Wurde solange Zeit mit denselben Werkzeugen produziert? Ich bitte Sie...

    • Illumination am 01.05.2016 23:18 Report Diesen Beitrag melden

      ->RR

      Es liegt mir fern, den Konzern zu rechtfertigen. Es geht um Fakten, die trotz gehäuften Defekten zwischen 2006 bis 2012 aufzeigen, dass VW kein Serienproblem, sondern eine mangelhafte Qualitätskontrolle/Qualitätssicherung hatte (oder immer noch hat?) - gerade auch z.B. betreffend Zuliefer-Komponenten...Das Problem kennt z.B. auch BMW mit seinen fehlerhaften Steuerketten/Kettenspanner...

    • Alter Hut am 02.05.2016 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chrigel,

      Steuerketten sind Klischee. Genauso gut kann ich behaupten, dass Toyota ein Problem mit Airbags und Motormanagement hat.

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  • kurt am 01.05.2016 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sammler objekt

    Wer hätte je gedacht das die sammler wert kriegen. Ich hatte selber auch ein paar in der Sammlung da ich sie mal gefahren hatte heute sind die Dinger zwischen 30k und 50k wert

  • Deutsche Wertlosarbeit am 01.05.2016 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langweilig

    Schon zu dieser Zeit Charakterlos.. und dies bis heute und sicher auch morgen.

  • Rocco am 01.05.2016 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VW GTI zum Ko...

    Ich verstehe immer noch nicht, warum der VW Golf so verehrt wird.. Und dann der GTI.. und vorallem ist das die billige Kopie vom Fiat 128. Giorgetto Giugiaro dreht sich jetzt noch im Sarg.. Einfach nur traurig.

    • Stefan Meyer am 01.05.2016 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rocco

      Da haben sie recht! VW hat leider die bessere, sprich aggressivere Marketing-Abteilung. Zum Glück lässt sich Fiat nicht auf dieses tiefe Niveau runter...

    • peter am 01.05.2016 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rocco

      giagarro im Sarg drehen wieso. Ist sein erfolgreichstes design

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