MGC GT

24. Dezember 2017 13:09; Akt: 24.12.2017 13:09 Print

Der Aston Martin des armen Mannes?

von B.v.Rotz - Ein Sechszylinder-Coupé zu einem Preis, für den andere Anbieter nur vier Zylinder und weniger Hubraum bieten? Der MGC GT bot genau das.

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Es dauerte einige Zeit, bis die British Motor Company (BMC) dem 1962 vorgestellten MGB eine Variante mit sechs Zylindern nachschob. Im Oktober 1967 war es so weit, von aussen war allerdings kaum etwas zu erkennen, sah man einmal vom Buckel auf der Haube ab.

Der MGB hatte sich gemacht. Vorerst als Cabriolet mit selbsttragender Karosserie präsentiert, erhielt er im Oktober 1965 eine geschlossene Schwester, deren Formanpassungen bei Pininfarina in Italien vorgenommen wurden.

Mit zwei Kindersitzen, Heckklappe und grossem Kofferraum war der MGB GT ein richtig praktischer Sportwagen, der nicht alle Welt kostete.

Abschied vom Austin-Healey

Als schnellen Sportwagen hatte die BMC bis 1967 den Austin-Healey 3000 im Programm. Doch immer schärfere Abgas- und Sicherheitsvorschriften machten dem klassischen Roadster vor allem in den USA das Leben schwer. So entschied man sich, dem MGB einen Sechszylinder zu verpassen, um einen Nachfolger präsentieren zu können.

Anlässlich der London Motorshow im Oktober 1967 lancierte die BMC den MGC mit Sechszylindermotor. Unter der Motorhaube sass nun ein 3-Liter-Reihensechszylinder, wie er ähnlich auch im Austin 3-Litre zu finden war. 150 PS bei 5250 Umdrehungen bedeuteten eine Leistungssteigerung um über 50 Prozent gegenüber dem MGB.

Deutlich schwerer

Der Sechszylindermotor bewirkte, dass der MGC deutlich schwerer (plus etwa 140 kg) und kopflastiger wurde als sein vierzylindriger Bruder.

Wegen der indirekteren Lenkung wurde der MGC in damaligen Testberichten als unhandlicher empfunden, zumal die Lenkkräfte hoch geblieben waren. Die realisierbaren Fahrleistungen konnten nicht ganz mit der Leistungssteigerung mithalten, von 0 bis 100 km/h nahm der C dem B eine bis zwei Sekunden ab.

Dafür war der MGC preiswert. Im Herbst 1968 kostete ein MGC GT CHF 15'700, was nur 2100 Franken höher als der Preis des MGB GT war. Ein Porsche 912 mit nur vier Zylindern machte den Käufer bereits CHF 23'200 ärmer, selbst das Volvo P 1800 S Coupé stand mit CHF 18'950 in der Preisliste.

Fahren wie im Aston

Wenn man den MGC GT startet, hört man sofort, dass nun ein ganz anderes Herz in seinem Bug schlägt. Die sechs Zylinder sind zusammen für die ihnen typische Klangkulisse besorgt. Der Wagen zieht deutlich behänder vom Start los als sein kleinerer Bruder, es gibt kaum Gründe die unteren Drehzahlen zu verlassen und den Motor auszudrehen. Dort fühlt sich der Sechszylinder auch spürbar unwohler und dank meist vorhandenem Overdrive sind selbst bei hohen Geschwindigkeiten keine hohen Drehzahlen nötig.

Man fühlt sich ein wenig wie in einem kleinen Aston Martin, was vielleicht auch der Grund war, dass sich Prinz Charles einen MGC GT für seinen Fuhrpark beschaffte und diesen 30 Jahre später an seinen Sohn William weitergab.

Bezüglich Praxisnutzen stand der C dem B kaum nach, wenn man einmal von einem etwas höheren Durst (rund 13 Liter laufen bei beherzter Fahrweise durch die beiden SU-Vergaser) absieht. Schliesslich war er mit 3,89 Metern Länge und 1,52 Metern Breite kompakt geblieben.

Auch an der Handlichkeit gab es mit Ausnahme der angestiegenen Lenkkräfte nichts zu bemängeln, ein Wendekreis von 10,8 Meter kann sich sehen lassen.

Im Verkauf erfüllte der MGC die Hoffnungen nicht, die man ihn ihn gesetzt hatte. So wurde die Produktion des MGC bereits 1969 eingestellt.

Weitere Informationen und viele Bilder sowie ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy S. am 24.12.2017 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    MG C GT - alles ausser gewöhnlich

    Ich erinnere mich gut an meinen roten MG C GT, den ich bis Anfang der 80er besass. Die Qualitäten des Motors lagen im Durchzug aus niedrigen Drehzahlen, nicht in dessen Antritt. Die Ledersitze fühlten sich auf langen Distanzen recht bequem an, boten aber kaum Seitenhalt. In langezogenen Kurven liess er sich zügig bewegen. Enge, kurvige Strässchen waren weniger sein Metier. Letztlich senkte der Overdrive im dritten und vierten Gang den Verbrauch ein wenig. Doch 13 Liter/ 100km waren die Regel.

  • Stufi 81 am 24.12.2017 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja das war ein heisser Wagen.

    Ich durfte in der Lehre daran rumschrauben.

  • Herr Max Bünzlig am 24.12.2017 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    ein armer Mann oder auch Bützer genannt, braucht kein Aston Martin im Vorgarten

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stifti bi Britisch Eländ am 25.12.2017 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Man, hasste ich die MGs

    War mir wesentlich mehr Platz gewohnt im Motorraum vom Spitfire. Aber BLMC hatte noch ander Schwarten.

  • Henri Somme am 25.12.2017 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Peugeot finde ich besser

    Ich suchte ein kleines Oldie Cabrio Sportwägelchen und bin dabei auch einen solchen MG gefahren. Da ging aber alles schwer: Lenkung, Schaltung, Bremsen, harte Federung. Ich habe dann ein Peugeot 304 Cabrio gefunden, das fast genauso sportlich ist, aber viel flockiger zu bedienen ist.

  • Lassie1 am 25.12.2017 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Poor man's Aston Martin

    Der Ausdruck "poor man's Aston Martin" traf nicht nur auf den MG C GT zu, sondern auf alle MG GT's, glichen diese doch im Entfernten einem Aston Martin DB 4. Ich selbst fuhr ab etwa 1967 einen MG B Roadster (mit dem voll entfernbaren Verdeck samt Gestänge) ein paar Jahre lang, und seit 25 Jahren fahre ich bei schönem Wetter mit einem MG TD MkII von 1951. Quasi "einmal MG, immer MG". Zudem bin ich Mitglied im Old MG Club (mit einem überaus geselligen Clubleben mit tollen Ausfahren.

  • Guschti am 25.12.2017 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein erstes

    selber erspartes Auto.... War doch so schön!

  • Illumination am 24.12.2017 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Modellpflege 1962-1980...

    Sympathisches Fahrzeug-Konzept als "Kombicoupé" - V8 aber nur als Rechtslenker, und alle Modelle bis zuletzt mit hinterer Starrachse an Blattfedern und hinteren Trommelbremsen.. ;-)