Maserati Biturbo 222 E

14. Juli 2018 08:12; Akt: 14.07.2018 08:12 Print

Der Biturbo ist besser als sein Ruf

von B. v. Rotz - Mit dem Biturbo wagte Maserati in den 1980er-Jahren nicht nur den kompletten Neuanfang, sondern auch den Eintritt in ein anderes Marktsegment.

Bildstrecke im Grossformat »
Weniger als 4,2 Meter lang war der Maserati Biturbo 222 E. Ein schlichtes Karosseriekleid ohne Firlefanz – über die ganze Bauzeit änderte sich nur wenig. Immerhin 400 Liter fasste der Kofferraum, das reichte locker für den Wochenendausflug mit der ganzen Familie. 171,5 Zentimeter breit ist der Maserati Biturbo 222 E, das wirkt heute richtig schmal. Zwei Doppelaufpuffenden zeugen von Potenz, die auch dank zwei Turboladern und 2,8 Litern Hubraum vorhanden ist. Schlichtes Erscheinungsbild, sportliche Details und überzeugende Vorwärtsdynamik – der Maserati Biturbo war ein Auto für alle Tage. Schöner wohnen: Lenkrad mit Holzkranz, Leder, edle Stoffe und elegantes Design im Inneren. Instrumente von Jaeger und ein Tacho, der bis 280 km/h reicht. Retrodesign schon damals: die Analoguhr in der Mitte des Armaturenbretts. Der Einstieg nach hinten gelingt dank vorfahrenden Vordersitzen problemlos, die Platzverhältnisse sind passabel, aber auf langen Strecken doch eher für Kinder als für Erwachsene erträglich. Fünf handgeschaltete Gänge, der erste Gang sitzt wie bei Rennwagen links hinten in der ersten Schaltgasse. Will penibel gewartet werden: der eingespritzte, 2,8 Liter grosse V6-Motor mit drei Ventilen pro Zylinder und ingesamt zwei Turboladern. Das Maserati-Markenzeichen, den Dreizack, findet man mehrfach auf der Karosserie verteilt. Auch auf der Tankklappe gibt es den Dreizack. Achtung, die linke Klappe ist eine Attrappe, nur rechts wird getankt. Der Schriftzug auf dem Heck. So sah der Maserati Biturbo bei der Lancierung aus – die Unterschiede zum späteren 222 E zeigen sich nur in Details.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eigentlich war der Maserati Biturbo eine Sensation. Er war der erste komplett neuentwickelte Sportwagen des italienischen Herstellers seit den Fünfzigerjahren. Und zudem wurde er in grossen Stückzahlen gebaut. Aber Alessandro De Tomaso hatte noch ehrgeizigere Träume, er hatte nämlich fünfstellige Verkaufszahlen pro Jahr im Sinn. Was allerdings nie gelang.

Vorgestellt wurde der Maserati Biturbo der Presse anlässlich des 67. Maserati-Geburtstags am 14. Dezember 1981, die breite Masse bekam ihn am Genfer Autosalon im März 1982 zu Gesicht. Seine Eckdaten: Frontmotor mit sechs Zylindern in V-Form und einem Gabelwinkel von 90 Grad, drei Ventile pro Zylinder, zwei Turbolader, 180 PS bei 6000 Umdrehungen, Hinterradantrieb, Einzelradaufhängungen rundum, 2+2-sitzige Coupé-Karosserie mit kompakten Ausmassen. Eigentlich war alles neu.

Vorschusslorbeeren

Die Presse empfing den Neuankömmling begeistert, schliesslich kostete der Maserati nur etwa die Hälfte bisheriger Modelle, ohne dass man dabei auf artgerechte Fahrdynamik verzichten musste.

Vor allem die Italiener waren begeistert, war für sie das Auto doch besonders günstig. Denn es fiel unter die Zweiliter-Hubraumgrenze, die beim Kauf nur mit 18 anstatt 38 Prozent besteuert wurde. Dabei mussten die Käufer auf sportliche Fahrleistungen nicht verzichten. Rund 6,5 Sekunden versprach der Hersteller für den Sprint von 0 auf 100 km/h, als Höchstgeschwindigkeit 215 km/h. Dank geringem Gewicht (1050 kg) und kurzem Radstand durfte man sich auf ein sportliches Handling einstellen.

Tatsächlich lief das Geschäft zunächst wie geschmiert. Doch dann begannen sich Kinderkrankheiten zu zeigen. Tatsächlich gingen frühe V6-Motoren serienweise in die Luft, teils wegen konstruktiver Defizite, noch mehr aber wegen Wartungssünden. Auch die Rostvorsorge war suboptimal und bei der Fertigung stellte sich heraus, dass ein höheres Qualitätsniveau vonnöten war.

Verbesserte Qualität

Mit der Zeit wurden die richtigen Schritte unternommen, um den Motor standfester zu machen und die Qualitätssicherung zu verbessern. Gleichzeitig aber flutete Maserati die Märkte mit immer neuen Modellvarianten, was den Kunden höhere Wertverluste und den Wartungsbetrieben Kopfweh bereitete.

Für den Export befreite sich Maserati von Anfang an vom Zweiliter-Hubraumlimit. 2,5 Liter waren es erst, was die Leistung von 180 auf 192 PS bei einer um 500 U/min tieferen Drehzahl ansteigen liess. Später stieg der Hubraum sogar auf 2,8 Liter, der Wagen reifte wie ein alter Wein.

Der 222 für die Exportmärkte

Der Maserati 222 E erschien 1988 und wies als Exportmodell 2,8 Liter Hubraum, Einspritzung und drei Ventile pro Zylinder auf. 225 PS leistete der weiterhin zwangsbeamtete (Ladedruck 0,5 bar) V6-Motor, das Gewicht wurde mittlerweile mit 1306 kg gemessen. Mit 6,9 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h und einer Spitze von 227 km/h war er auf der Höhe der Zeit. Allerdings war er mit 73'500 Franken nicht wirklich günstig und blieb daher mit 722 produzierten Exemplaren auch rar.

Heute zeigt er sich im Fahrbetrieb überraschend gesittet und erweist sich als angenehmer Begleiter. Er punktet mit viel Vorwärtsdynamik und einem attraktiven Klangbild, ergänzt um ein stilvolles Interieur und ein unauffälliges Äusseres. Ein richtig guter Granturismo, vorausgesetzt er ist perfekt gewartet und in allen Aspekten voll funktionsfähig.

Weitere Informationen, Bilder und Unterlagen sowie ein Klangmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bit Ur Bo am 14.07.2018 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Meisterwerk mit seinen Tücken...

    Trotz vielen Macken und Fehlkonzeptionen, ein Meisterwerk der Automobilgeschichte. Ein Fahrzeug mit Emotionen. Jeder Meter welcher mit diesem Fahrzeug gefahren wird, ist eine pure Freude! Bin selber besitzer eines 430 4V und bin sehr stolz darauf. Die Wartung ist natürlich nicht ohne und essentiell, trotzdem Fahrzeuge welche sehr erhaltenwert sind! Ich liebe das eckige und die brachiale Leistung für diese Jahrgänge...

    einklappen einklappen
  • ein Schelm am 14.07.2018 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wololo

    Vermutlich eins der schönsten, im original zustand, noch sichtbaren biturbo setups welche je gebaut wurden.

    einklappen einklappen
  • Benno am 14.07.2018 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Ruf

    Ist eigentlich Schade bei den damaligen italienischen Autos. Gute Ideen und Designs hatten sie immer, nur mit der Umsetzung und Qualität happerte es immer wieder. Und damit blieb der schlechte Ruf Jahrzehnte an ihnen haften.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • I. Talia am 15.07.2018 23:43 Report Diesen Beitrag melden

    Geil und teuer (leider)

    nein nicht die Anschaffung aber der Unterhalt für dieses Juwel der Autogeschichte ist einfach sagenhaft.

  • Alfons am 15.07.2018 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande für Maserati

    Was waren diese Biturbos nur für Gurken! Nach Ghibli, Kialami etc. eine Schande für Maserati!

  • Raymond am 15.07.2018 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbarer GT

    Fahre selbst einen Ghibli 2 (1997). Das ist das letzte Biturbo Derivat, bevor dann die Produktion eingestellt wurde. Ein wunderbarer GT der, sofern liebevoll gewartet, auch im Alltag viel Freude bereiten kann. Meiner darf nicht nur an Sondertagen raus, sondern wirklich auch im Alltag und Probleme gabs bis heute keine (noch nie stehen geblieben). Voraussetzung ist natürlich, dass der Spezialist jährlich einmal gründlich durchchecked. Aber dann hat man einen Wagen mit Seltenheitswert, viel Charme und Polarisationspotential und v.a. mit richtig viel Punch in Form von sattem Drehmoment.

  • P.M am 14.07.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Good Old Times

    Hallo Jungs......lasst doch das Thema mit den deutschen Autos... Lasst uns doch über diesen wunderschönen Maserati diskutieren,für mich als Carrosseriespengler waren diese Autos immer mit viel Arbeit verbunden.sei es wegen unfällen oder bei diversen Rostbaustellen.Aber das war halt die Zeit damals,aber es war eine schöne Zeit damals

  • Unglaublich am 14.07.2018 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Aber wahr

    Nur Leidenschaftliche Mechaniker wissen was das noch für Traum Fahrzeuge waren. Ich fuhr einen Shamal und hatte nie Probleme damit.