Porsche 911 Carrera RS 2.7

09. Juni 2018 08:24; Akt: 09.06.2018 08:24 Print

Der Legende auf der Spur

von B. v. Rotz - Im Jahr 1972 präsentierte Porsche den Carrera RS 2.7. Heute gehören die Leichtbau-Sportwagen zu den wertvollsten 911ern überhaupt.

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Die Sport-Version war auf Leichtbau getrimmt, die Stossfänger waren aus Kunststoff, und innen wurde an Komfort gespart. Der Entenbürzel hinten war das Erkennungszeichen des Carrera RS 2.7. Allerdings trugen ihn schon bald auch andere Modelle. Einen zusätzlichen Ölkühler hatten die Autos damals nicht, hier wurde er nachgerüstet. Hinten wurde der Carrera RS deutlich verbreitert, um grössere Reifendimensionen zu ermöglichen. Einfach frech, dieser Entenbürzel. Aerodynamisch aber war er wichtig, denn er senkte den cw-Wert und erzeugte mehr Abtrieb an der Hinterachse. Umrundet Kurven mit minimaler Seitenneigung. Rund 240 km/h lief ein gut eingefahrener 911 Carrera RS 2.7 – damit war man auch auf der Autobahn König. Das knackige Heck sahen Verkehrsteilnehmer häufiger als die Front. Touring-Interieur mit nachgerüstetem Lederlenkrad, auch die Sportsitze entsprechen nicht dem Auslieferungszustand, sind aber zeitgenössische Modelle. Für einen Sportwagen war der eingespritzte Motor gar nicht so stark belastet, 210 PS aus 2,7 Litern entsprach einer relativ zahmen Literleistung von 77 PS. Deutlich beschriftet war der Carrera RS auf jeden Fall. Der berühmte Entenbürzel bestand aus Kunststoff und wurde zum Erkennungszeichen des damals schnellsten deutschen Sportwagens. Auch die Fuchs-Felgen gehörten zum Serienumfang. Werbung damals - nur 500 Männer werden ihn fahren. Allerdings produzierte man 1580 Exemplare, aber schliesslich gab es ja auch Frauen unter den Porsche-Kunden. Werbung damals - Deutschlands schnellste Rarität: Aufforderung zum schnellen Entscheid.

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Eigentlich war der Carrera RS ja als 911 S 2.7 geplant gewesen. Doch neue Homologationsbestimmungen, die 500 identische Exemplare für die Gruppe 4 der GT-Klasse forderten, lösten bei Porsche einen Denk- und Entwicklungsprozess aus, der schliesslich zum gegenüber der Serie deutlich verbreiterten Leichtbau-Sportwagen mit Entenbürzel am Heck führte.

Die Verkaufsabteilung war mehr als kritisch, ob sich 500 derartige Autos überhaupt verkaufen lassen würden und forderte eine Komfortausstattung. Diese gabs dann gegen Aufpreis und sie machte aus dem Homologations-Leichtgewicht eine Sport- oder Touring-Version.

Um die 500 Exemplare des in Paris im Oktober 1972 erstmals gezeigten Carrera RS 2.7 sicher an die Kunden zu bringen, wurde tüchtig Werbung geschaltet: «Eine Auflage von 500 für einen Sportwagen von der Klasse des Carrera RS ist nicht gross. Sie müssen also schon sehr schnell sein, wenn Sie Deutschlands schnellste Rarität fahren möchten.» Die Käufer waren schnell überzeugt, bereits im November waren die ersten 500 Exemplare verkauft, am Ende, knapp ein Jahr später, waren 1580 Stück, 1300 davon als etwas komfortablere Touring-Varianten, gebaut.

In einer anderen Liga

Verglich man den Carrera RS mit dem damaligen 911 2.4 S, so waren die Unterschiede in der Fahrdynamik deutlich grösser, als die Retuschen an der Karosserie es erwarten liessen. Vor allem in der Sport-Variante spielte der RS in einer anderen Liga. Bei der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h nahm der RS dem 911 S 1,7 Sekunden ab (5,7 anstatt 7,4 Sekunden), bis 180 km/h waren es schon 5,4 Sekunden (17.6 anstatt 23 Sekunden), und auch in der Spitzengeschwindigkeit war die Variante mit Spoiler mit 240 km/h schneller. Das Spoilerpaket alleine brachte gegen 5 km/h, die 20 Mehr-PS waren für den Rest zuständig. Der Aufpreis war mit 4300 Franken überschaubar.

Meilenstein

Porsche musste sich tüchtig anstrengen, um den Carrera RS 2.7 mit späteren Modellen noch spürbar zu übertrumpfen. Selbst ein Porsche Turbo 930 konnte den RS bis 100 km/h nur um eine halbe Sekunde abhängen. Auch in der Spitze fuhr er ihm mit 250 km/h nicht ernsthaft davon.

Und auch im Vergleich zum fast zwanzig Jahre jüngeren 964 Carrera RS muss sich der Ur-RS nicht verstecken, schliesslich lag dessen Leistungsgewicht mit 4,7 kg/PS nur unwesentlich unter den 4,8 kg/PS, die der Carrera RS 2.7 bereits 1972 offerierte. So ist es eigentlich nur verständlich, dass die Preise für originale RS 2.7 gegen den Himmel gestiegen sind.

Selber erfahren

Doch all die Zahlen sind schnell vergessen, wenn man sich einmal selber hinter das Lenkrad eines Carrera RS 2.7 setzen darf. Kaum hat die linke Hand den Zündschlüssel gedreht, beginnt im Heck der Sechszylinder-Boxermotor mit Einspritzung zu kreischen und zwar auf eine Art, die geradezu süchtig macht. Besser klang nach dem RS kaum mehr ein Porsche.

Der produzierte Vortrieb beeindruckt selbst heute noch, vor allem aber hängt der RS komplett ohne Elektronikverzögerung am Gas. Jede noch so geringe Druckveränderung auf dem rechten Fusspedal wird sofort in Geschwindigkeitszunahme umgesetzt. Das kann ein 20 Jahre jüngerer 964 RS kaum besser.

Erst wenn es ums Bremsen oder Einlenken geht, merkt man dem Ur-RS sein Alter an – er hat immerhin schon 45 Jahre auf dem Entenbürzel. Im Alltag überzeugt er trotzdem, denn er lässt sich lammfromm durch Ortschaften bewegen, er muss gar nicht immer schreien und kreischen. Aber er möchte es gern.

Weitere Informationen zum Porsche 911 Carrera RS 2.7, technische Daten, ein Verkaufsprospekt, Vergleiche, viele Fotos und ein Tonmuster gibt es auf Zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Willi am 09.06.2018 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Ein absoluter Traumporsche!

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  • Wodoomaster am 09.06.2018 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in Gelb

    Bis heute der schönste.

  • Klaus am 09.06.2018 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leider verkauft

    ich hatte als ich jung war einen gebrauchten für 35000 Mark gekauft und ein paar Jahre später als mir der Neupreis geboten wurde wieder verkauft. für 70000. damals dachte ich das Geschäft gemacht zu haben

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Manu am 10.06.2018 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stinker

    Bald gibts zum Glück keine Stinkende Autos mehr die fossile Brennstoffe verpuffen

  • Stefan H. am 09.06.2018 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Tesla

    sieht der doch alt aus.

    • Point Man am 10.06.2018 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan H.

      Natürlich :) das Fahrzeug wurde 1972 gebaut und hat dem entsprechend ein Alter. Dieses Alter wird kein Tesla erleben also darf der 911er auch nach 46 Jahren Alt aussehen :)

    • Track Driver am 10.06.2018 12:27 Report Diesen Beitrag melden

      Mag sein,

      ist Ansichssache, aber, die Fahrdynamik die der Porsche bietet, wird Tesla nie und nimmer erreichen. Teslas sind und bleiben Rollnators. Aber zum Glück gibt es auch andere wie Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive, Nio EP9 oder den Rimac C-Two, die zeigen das Elektro nicht gleich stink langweilig sein muss.

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  • Manu am 09.06.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versteckte VW Käfer

    Die besten "Porsches" waren doch die alten Luftgekühlten VW-Käfer. Sound,Drehmoment und Beschleunigung eines 1300 ccm Käfers sind bis heute unerreicht..

  • Klaus am 09.06.2018 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leider verkauft

    ich hatte als ich jung war einen gebrauchten für 35000 Mark gekauft und ein paar Jahre später als mir der Neupreis geboten wurde wieder verkauft. für 70000. damals dachte ich das Geschäft gemacht zu haben

    • Turbovic am 09.06.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus

      Mensch Klaus! ;-) So einen Porsche verkauft man nicht! ;-) ;-) ;-)

    • Marie Thérèse Porchet am 09.06.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

      Das Geschäft

      Ganz schön wäre, wenn orangefarbene Autos mit gelben Dekos verziert wären.

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  • Buddy Sp. am 09.06.2018 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Mag keine Porsches, aber...

    Der wohl einzige 911, den ich begehrenswert finde. Echt tolles Auto!