Lancia Thema 8.32

24. April 2015 07:26; Akt: 24.04.2015 07:26 Print

Ferrari-Pferdestärken für die ganze Familie

von Bruno von Rotz - Auch früher war es teuer, Ferrari zu fahren. Aber mit dem Thema 8.32 hatte man immerhin einen Ferrari-Motor unter der Haube. Schön ist der Wagen bis heute.

Bildstrecke im Grossformat »
Natürlich untersteuert der Lancia Thema 8.32 ein wenig, das war für Frontantriebslimousinen damals der Normalfall. Auch heute noch ist der Lancia Thema 8.32 ein schnelles Auto. Fast 240 km/h beträgt die Höchstgeschwindigkeit des Lancia Thema 8.32. 470 Liter umfasst der Kofferraum, ein paar Liter wurden dem ausfahrbaren Heckpspoiler geopfert. Das Design der eleganten Limousine stammt von Giorgetto Giugiaro. Spezielle Felgen im Ferrari-Look und die handgemalten Seitenstreifen unterscheiden das Topmodell 8.32 von den übrigen Thema-Limousinen. Leder kostete Aufpreis, Alcantara war Serienausrüstung - das Interieur des Thema 8.32 wirkte überaus luxuriös, an teurem Material wurde nicht gespart. Roter Bereich ab 7500 Umdrehungen, am Drehzahlmesser zeigt es sich, dass vorne ein Sportmotor sitzt. Die serienmässige Klimaanlage ist automatisch gesteuert. Hier fährt man gerne als Passagier mit, nicht zuletzt wegen der Audio-Anlage mit Kopfhörerausgängen - kein Wunder, fuhr auch Enzo Ferrari gerne im Fond des Thema 8.32. So etwas hatte damals kaum ein Auto - zwei Kopfhörerausgänge im Fond, jeder einzeln regelbar. Der Ferrari-Motor im Lancia Thema 8.32 - hier darf Ferrari stehen, aussen erlaubte Enzo Ferrari keine entsprechenden Schriftzüge. In Ruhestellung ist der Heckspoiler kaum zu sehen im Kofferraumdeckel ... ... per Drehung am rechten Lenkrad-Stock wird er elektrisch ausgefahren. Wir danken der Oldtimer für die Gelegenheit zur Probefahrt. So sahen die weniger luxuriösen Varianten des ab 1984 in drei Serien gefertigten Lancia Thema aus.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Thema war die erste von vier Limousinen, die aus der durch die Hersteller Lancia, Fiat, Alfa Romeo und Saab entwickelten Plattform «Tipo 4» resultierte. Es war eine Oberklasse-Limousine, die nicht nur den Beta und den Gamma ersetzen konnte, sondern sich auch zu einem bis 1995 in drei Serien gebauten Erfolgsmodell für den Turiner Hersteller entwickelte.

Den Lancia Thema gab es mit verschiedenen Motoren und dank Turbo mit bis zu 201 PS Leistung. An Pferdestärken mangelte es der italienischen Limousine also nie. Auch das Design überzeugte mit Eleganz, Giugiaro verantwortete die Linienführung der klassischen Dreivolumenlimousine.

Eine Marketing-Idee

1986 präsentierte Lancia die Variante 8.32. Die sperrige Bezeichnung – lieber hätte man den Wagen wohl Lancia-Ferrari Thema genannt – deutete auf das neue Triebwerk hin, das aus dem Ferrari 308 GTB stammte und 2927 cm3 Hubraum und 32 Ventile aufwies.

Vor der «Transplantation» hatte man allerdings intensiv in die Motormechanik eingegriffen, änderte Kurbelwelle und Zündfolge. Das liess das Aggregat turbinenartiger und weniger aggressiv klingen. Damit taugte es dann auch für den Limousineneinsatz.

Auf 215 PS brachte es der kultivierte Sportwagenmotor in der ECE-Ausführung, auf 205 in der Katalysatorversion. Die Höchstleistung lag bei 6750 Umdrehungen – ganz abgelegt hatte der Motor seine Sportorientierung also trotz der Anpassungen nicht. Alleine wegen der Leistungssteigerung wäre der neue Motor sicher nicht nötig gewesen, hier ging es um Prestige.

Noble Ausstattung

Dies zeigte sich auch an der Ausstattung, die nobel und luxuriös daherkam. Teppiche, viel Leder und Edelholz strahlten Wohnzimmer-Atmosphäre aus. Eine vollautomatische Klimaanlage war genauso vorhanden wie elektrische Sitzverstellung, Fensterheber, Sitzheizung oder ein umfangreiches Überwachungsinstrumente-Inventar. Ein elektronisches Fahrwerk oder ein elektrisches Schiebedach konnten ebenfalls bestellt werden.

Eine serienmässige Besonderheit war der ausfahrbare Heckspoiler, der mittels Drehschalter am Lenkrad rechts aktiviert wird und die Kofferraumgrösse von nun 470 Litern leicht reduzierte. Ein Erkennungszeichen der Spitzen-Limousine waren im Übrigen die von Hand aufgemalten Zierstreifen sowie Kühlergrill und Räder, die in Anlehnung an Ferrari konzipiert wurden.

Nicht superschnell

Annähernd 70'000 Franken oder rund doppelt so viel wie einfachere Varianten des Lancia kosteten 1,5 Tonnen 8.32. Heute reichen gut 15'000 Franken für einen «Lancia-Ferrari» in gepflegtem Zustand.

Immer noch bereitet der Wagen viel Fahrfreude. Er ist überraschend handzahm. Und wer je den Vergleich mit dem Ferrari 308 GTB machen konnte, ist überrascht von der gänzlich anderen Tonkultur des 32-Ventilers, der vor allem im unteren Drehzahlbereich mehr an BMW-V8-Motoren als an solche von Ferrari erinnert.

Das Interieur strömt so viel Wohlfühlatmosphäre aus, dass man fast schon im Heck Platz nehmen möchte, wo einst auch Enzo Ferrari in seinen letzten Tagen sass, um die Soundanlage mit den einzeln regelbaren Kopfhörern zu testen. Doch vorne macht der Lancia einfach mehr Spass, und man geniesst die überlegenen Fahrleistungen, die mühelose Bedienung und die gute Rundumsicht. Allein die Anzeigen-Vielfalt macht ein wenig ratlos.

Weitere Informationen und Bilder sowie ein Tonmuster finden sich auf www.zwischengas.com.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.Meier am 24.04.2015 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie Banause

    Ich bin auch nicht Fan von Italienern, aber eins muss mann ihnen lassen, sie bauen Autos mit Emotionen.. Die Deutschen kennen dieses Wort nicht mal ;-)

    einklappen einklappen
  • Dominik am 24.04.2015 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Lancia leider nicht mehr Lancia

    Ich hatte mal einen Lancia Beta HPE, unglaublich, was Lancia früher für tolle Autos gebaut hat. Heute ist leider davon nichts mehr übrig, viel zu Chrysler-lastig, einfach nur noch amerikanisch hässlich!

    einklappen einklappen
  • Sandro us ZH am 24.04.2015 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Italos

    Die Italiener waren schon immer klasse Autos! Giugiaro und Pininfarina haben immer volle Arbeit geleistet! Ich finde zwar schade, dass der Thema den Beta abgelöst hatte, weil der auch schon ein super Wagen war und immer noch ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • saab fahrer am 25.04.2015 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    qualitätsansprüche

    die saab ingenieure sagte, dass es das schlechteste auto sei, das sie je bauten. bevor die produktion startete, wurde das auto bei saab nochmals überarbeitet. dagegen meinten die lacia leute, dass es der beste lacia aller zeiten sei.

  • S.A. am 25.04.2015 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    ALLE die fahren durften,waren begeistert

    Erinnere mich gerne an den 8.32 zurück. Hing am Gas wie ein Ferrari. Genialer Sound, nicht BMW V8 (hatte anschl. an den 8.32 einen geschalteten BMW 535i), geile Getriebeübersetzung...ein Fahrerauto. Hatte auch Mängel, klar..: Leder Armaturenbrett verzog sich (meiner war mit Bostitch "geflickt"), das Standard Fahrwerk war zu wenig sportlich für den Antrieb und die Elektrik war anfällig... Und sehr teuer: Als der ZR-wechsel anstand (ca. Fr. 4'500.--) hat sich der 8.32 Spezialist mal einen Ueberblick verschafft: ca. 14'000.-- zu investieren...ein Klaks gegen die Emotionen ;-) zu viel für mich :-(

  • Jeffrey G am 25.04.2015 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Kindheitserinnerungen

    Mein Vater hatte einen schwarzen Thema. Leider nicht den 8.32, aber den 2.0 i.e Turbo mit allem drum und dran, inkl. CD-Player :-) Ein sehr solides und elegantes Auto mit viel Fahrkomfort. Wir liebten unseren Thema. Soweit ich mich erinnern kann, hatten wir mit dem Lancia nie Scherereien. Das einzige was mich störte, waren die streng riechenden Ledersitze. Vom Geruch wurde mir und meinem Bruder oft übel und demzufolge hatten die schicken Ledersitze meistens das Nachsehen. Danach wurde der Thema durch den Kappa ersetzt, was wir dann aber sehr bereut haben.

  • Marc Bjorg am 25.04.2015 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Fehlkonstruktion

    Der Thema 8.32 war und ist eine schöne Fehlkonstruktion. Mal ehrlich, die Idee für einen V8 in einem Coupé oder Limousine ist Hubraum fürs Drehmoment. Der Ferrari Motor bot weder Leistung noch Drehmoment und die Turbo Thema gingen besser. Ein V6 mit Kompressor wäre damals die bessere Idee gewesen.

    • Guido am 25.04.2015 11:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Marc Bjorg

      Die Ferrari Motoren waren leider nicht sehr haltbar. Das Konzept wäre schon aufgegangen. Aber der Motor musste aufgrund der Haltbarkeit, Laufruhe und Fahrbarkeit mit Frontantrieb ordentlich mit der Leistung abspecken (rund 45 PS) und bekam eine neue Kurbelwelle usw. Der Thema mit Turbo war in originalem Zustand übrigens von den Fahrleistungen weit weg vom 8.32. Der Turbobums fühlte sich lediglich schneller an, war es aber auf der Uhr nicht.

    einklappen einklappen
  • päscu am 25.04.2015 02:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Auto mit Tücken

    Für 15000 gibt es einen in gutem Zustand. Der Unterhalt kostet aber bei weitem mehr als ein normaler Thema aus dieser Zeit. Wenn man überhaupt noch Ersatzteile findet! Der hochklappbare Heckspoiler war übrigens so gedacht, das er sich bei einer gewissen Geschwindigkeit selber hochgefahren hätte, die Lancia Ingenieure haben das aber nicht in den Griff bekommen. Wer ein Auto mit Stil will kauft einen Italiener, wer etwas solides sucht ist mit zb deutschen Autos besser bedient.