VW-Porsche 914-6

02. Juli 2016 09:33; Akt: 02.07.2016 09:33 Print

Nach dem Motorenstart sind die Zweifel weg

von B. von Rotz - War der 914 ein richtiger Porsche? Wer damals die Sechszylinderversion fuhr, musste sich diese Frage gar nicht erst stellen.

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1969 kündigten Volkswagen und Porsche ihren gemeinsamen Sportwagen an, doch die Entwicklung hatte Jahre vorher Mitte der Sechzigerjahre begonnen. Volkswagen beabsichtigte einen Nachfolger für den Karmann-Ghia nachzuziehen, während Porsche eine Alternative zum 912, der sich nicht sehr gut verkaufte, suchte.

Der VW-Porsche kam als Basismodell mit dem Motor des VW 411 E, was 80 PS und 1,7 Liter Hubraum bedeutete. Für den Sportfahrer aber gab es die Alternative mit dem Motor aus dem 911 T. 110 PS aus zwei Litern Hubraum waren ein Wort und ermöglichten sportwagengerechte Fahrleistungen.

Subtile Unterschiede

Äusserlich waren die Unterschiede zwischen dem 24’950 Franken teuren Porsche 914-6 und dem 9000 Franken günstigeren VW-Gegenstück gering. Etwas breitere Räder (165 HR 15 Reifen auf 5,5-Zoll-Felgen) ergaben eine breitere Spur, innenbelüftete Scheibenbremsen vorne verzögerten etwas besser. Innen gab es einige Ausstattungsmerkmale zusätzlich, die beim günstigeren Modell gegen Aufpreis dazugekauft werden konnten.

Vollständig ausgerüstet aber war auch der 914-6 nicht. So mussten eine heizbare Heckscheibe, ein Lederlenkrad, das Radio, gefärbte Scheiben oder Leichtmetallräder zusätzlich bezahlt werden. Und damit war man dann preislich schon inmitten der 911er-Palette gelandet.

Auf der Höhe der Zeit

Die Journalisten lechzten natürlich nach Probefahrten in der schnellen 914-Variante, nicht zuletzt, um die Frage zu beantworten, ob dem 911 ein ebenbürtiger Gegner erwachsen war. Auf dem Papier sahen die Chancen des Neulings gut aus, denn er war ein wenig leichter, aerodynamisch besser gestaltet und mit der Mittelmotorbauweise dem Heckmotor-911 konzeptionell überlegen.

Tatsächlich konnte der 914-6 sogar gegen den 15 PS stärkeren 911 T mit 2,2-Liter-Motor bestehen. Den Spurt von 0 bis 100 km/h legte der VW-Porsche mit Sechzylindermotor in 8,5 Sekunden zurück, während der 911 T sich dafür 9,5 Sekunden Zeit nahm. Als Spitze wurden 207 km/h notiert, gleich schnell wie der deutlich stärkere 911 T.

Überlegen zeigte sich der neue Sportwagen aber nicht nur in den Fahrleistungen und im Fahrverhalten, sondern auch bei der Treibstoff-Ökonomie.

Nicht schön genug?

Die deutlichste Kritik am neuen Sportwagen betraf neben der nicht befriedigenden Schaltpräzision die Optik. «Obwohl der 914 nicht hässlich aussieht, vermisst man Eleganz in der Linienführung – so schön wie der ebenfalls mit Mittelmotor versehene De Tomaso Mangusta ist der 914 beliebe nicht», schrieb Klaus Westrup in einem Bericht für «Auto Motor und Sport».

Tatsächlich sah der 914 komplett anders aus als alle seine Konkurrenten, die da etwa Alfa Romeo GTV, Triumph TR6 oder MG B hiessen. Er war nicht zu verwechseln, aber er liess halt auch jegliche Familienähnlichkeit mit dem 911 vermissen.

Selten geworden

Ein rundum gutes Auto also war mit dem 914-6 entstanden, doch der hohe Preis und das nicht zuletzt wegen des Einstiegsmodells suboptimale Image standen einer grösseren Verbreitung im Weg. Nach 3353 Exemplaren stoppte man die Produktion, ein Klacks im Vergleich zum Gesamtausstoss von rund 116’000 Fahrzeugen.

Gerade deshalb ist er heute gesucht, und wer sich hinter das Lenkrad setzt, versteht augenblicklich, dass Sammler bereit sind, auch sechsstellige Summen für den Wagen zu zahlen. Das fährt und tönt wie ein Porsche – oder vielleicht sogar noch ein wenig besser.

Weitere Informationen, Bilder, Tonmuster und Verkaufsliteratur zum 914-6 finden sich auf Zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rc-Kuh am 02.07.2016 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    914-6 einfach ....

    geiles Teil nur leider schon nicht mehr zu bezahlen die Preise für gute 914-6 sind ja jenseits ..... schade das war der Volks Porsche schlecht hin

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  • Carfriend am 02.07.2016 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wagnis

    Ein kultiges Unding und Zeitrelikt. Da wagte Porsche was...

  • Thomas E. am 03.07.2016 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Liebling

    Ich habe 1978 meinen 914/6 für 600 DM als Lehrling gekauft. Bis heute habe ich tausende von Stunden mit diesem Wagen verbracht und ich geniesse es heute immer noch. Egal wieviel man mir dafür bietet, ich werde ihn nie verkaufen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 03.07.2016 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MotorENstart...

    wie viele Motoren hat er denn?

  • Thomas E. am 03.07.2016 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Liebling

    Ich habe 1978 meinen 914/6 für 600 DM als Lehrling gekauft. Bis heute habe ich tausende von Stunden mit diesem Wagen verbracht und ich geniesse es heute immer noch. Egal wieviel man mir dafür bietet, ich werde ihn nie verkaufen.

  • autosammler am 03.07.2016 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel Potenzial

    obwohl sie schon noch gehandelt werden hat dieser Klassiker hohes Rendite pentenzial in den nächsten Jahren. eine wert Anlage mit Spaßfaktor

  • max lenz am 03.07.2016 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einmal 914-6 mit feuerverzinkter rohkarrosserie

    könnte mir vorstellen, meinen - 914-6! - zu teilen für eine renovation... stehe heute mehr auf "I want my solar car now"(facebookgruppe und kontakt), will ihn aber nicht ganz aufgeben...

  • Andreas Bitterli am 03.07.2016 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VW mit Porsche-Tarifen

    Bei mir war ein gelber 914-4 2.0 mein erstes Auto. Unvergesslich, allerdings auch im Unterhalt. Eigentlich wars ein VW, aber in der Werkstatt zahlte man Porsche . Trotzdem hatte ich nie mehr soviel Fahrspass wie mit dem 914er, zumindest 3 Jahre lang, dann wurde mirs zu teuer. Der Mittelmotor war generell das Problem. Er überhitzte gerne. Die erste Reifenpanne war auch ein Erlebnis. Ich wusste nicht, dass das Scheibenwischerwasser mit dem Druck des Reserverades funktionierte

    • antonzum am 03.07.2016 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andreas Bitterli

      Was? Das Wasser funktioniert nur mit dem Ersatzreifendruck? Und wenn du das 5. Rad montiert hast? Bleibt der Dreck einfach auf der Scheibe!

    • Illumination am 03.07.2016 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Andreas Bitterli @antonzum

      Mir nicht ganz klar, was sie jetzt hatten - entweder einen 914/4 mit 1,7 l 4-Zylinder/Boxer oder einen 914/6 mit 2,0l 6-Zylinder/Boxer. Tatsächlich hatte der 914 keine elektrische Scheibenwaschpumpe, diese funktionierte mit Druckluft aus dem Reserverad wie beim Käfer - "Grüsse von VW". Eine etwas merkwürdige, für einen Porsche gar simple Konstruktion... ;-)

    • Andreas Bitterli am 03.07.2016 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @antonzum

      ja genau. Und da ich das jicht wusste, hatte ich bei der ersten Reifenpanne auch kaum Luft im Reserverad. Bei den akten VW Käfer soll das auch so gewesen sein

    • Andreas Bitterli am 03.07.2016 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Es war schon wie ich geschrieben habe ein 914/4 2.0 Liter. Ist im Artikel zwar nicht erwähnt, aber ab 1972 wurde dieser produziert. Leider nur /4. Ich wollte ihn an Monterdi für sein Museum verkaufen. Er hatte lange nachgedacht, aber dann doch verzichtet. Sagte dann, dass er den /6 sofort genommen hätte

    • Illumination am 03.07.2016 23:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Andreas Bitterli

      Aha, okay - wobei ich eigentlich dachte, dass nach der Einstellung des 914/6 auch die Bezeichnung 914/4 wegfiel und nur noch 914 1,7 und 914 2.0 galten - eben, um den ganzen "Salat" unterscheiden zu können... ;-)

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