Porsche 964 Carrera RS

13. Mai 2017 12:13; Akt: 13.05.2017 12:13 Print

Weniger ist eben manchmal doch mehr

von B.v.Rotz - 1991 stellte Porsche die RS-Variante des 964 vor: Die meisterte zwar die Fahrt zum Shopping-Center, fühlte sich aber auf der Rennstrecke deutlich wohler.

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Sternrubin – was für eine Farbe! Wer seinen Wagen in dieser Lackierung bestellte, wollte auffallen. Das passte. Schliesslich wollten diejenigen, die einen Porsche 964 RS kauften, auch kein komfortables Inkognito-Dasein geniessen.

Schliesslich kostete der Wagen fast ein Viertel mehr als ein normaler 911 jener Zeit und er entbehrte jeglichen Luxus – und leise war er schon gar nicht.

Hohe Erwartungen

Vorgestellt wurde der vierradangetriebene Porsche 964 erstmals 1988. Und obwohl er weitgehend so aussah wie die 911-Modelle vorher, hatte man dafür 87 Prozent der Teile verändert. In kurzer Folge wurden die heckgetriebene 964-Variante und ein Turbo nachgereicht. Doch man hatte noch mehr im Sinn.

Man erinnerte sich in Zuffenhausen nur zu gern an die frühen 1970er-Jahre zurück, als man den 911 Carrera RS in der Hoffnung lancierte, die für die Homologierung nötigen 500 Exemplare an den Mann – oder die Frau – bringen zu können. Es wurden dann deutlich mehr.

Trotzdem liess man das Kürzel RS, das für Rennsport stand, nach wenigen Jahren wieder fallen.

Rückkehr der Buchstaben-Kombination RS

Auf dem Genfer Autosalon 1991 aber waren die beiden magischen Buchstaben zurück, und zwar am Heck eines schlicht aussehenden 964-Hecktrieblers, abgeleitet vom Porsche-Cup-Wettbewerbsfahrzeug.

Nur wer am Salon genauer hinschaute, erkannte die durchaus umfangreichen Unterschiede zwischen dem RS und dem Normalmodell. Die hinteren Sitze fehlten genauso wie die elektrischen Fensterheber, eine Klimaanlage und das Radio.

Auch auf Dämmmaterial wurde weitgehend verzichtet, die Verglasung war dünn gehalten und die Sitze für Fahrer und Beifahrer entpuppten sich als knapp gepolsterte Kunststoffschalen. Die Lenkung musste ohne die Unterstützung einer Servopumpe auskommen, die Besatzung öffnete die Türen mit schlichten Schlaufen. Auch einen Airbag gab es nicht, der Unterbodenschutz wurde auf ein Minimum reduziert, die Hauben aus Aluminium anstatt aus Stahlblech gefertigt.

1225 Kilogramm brachte ein so vereinfachter 964 auf die Waage, immerhin 175 Kilogramm weniger als das Seriencoupé.

Fast ein Projektil auf Rädern

Dem Motor verhalf man durch eine andere Abstimmung der Motronic zu 10 zusätzlichen PS, ansonsten blieb es bei 3,6 Litern Hubraum, der nun aber mit 98-Oktan-Benzin geflutet werden wollte. Die 260 PS reichten locker, um in 5,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Bei 263 km/h Spitzengeschwindigkeit bremste die Elektronik den weiteren Vortrieb. Damit liess sich ein heckgetriebener 964 knapp auf Distanz halten, nicht aber ein noch etwas teurerer Turbo.

133’000 Franken musste bezahlen, wer sich den 964 RS – gern in knalligen Farben – in die Garage stellen wollte. Dafür erhielt er aber immerhin verstärkte Bremsen (vorne vom Turbo, hinten vom Cup Carrera), ein serienmässiges ABS, etwas Leder im Interieur, 17-Zoll-Magnesium-Cupfelgen und jede Menge Fahrspass.

Einige Entbehrungen waren allerdings auch nötig, denn vom Federungskomfort war wenig übrig geblieben, und ein Leisetreter wollte der RS nicht sein. Auf der Rennstrecke spielte dies keine Rolle, doch auf täglichen Einkaufsfahrten bewährte sich der leichte 964 nur beschränkt, weshalb die meisten der knapp über 2000 produzierten Exemplare denn auch nur wenig gefahren wurden und heute deutlich mehr Geld wert sind als ihre schwereren Brüder. Als Investition jedenfalls hat der RS seine Nase vorn.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein eindrückliches Tonmuster sind auf www.zwischengas.com zu finden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Power am 13.05.2017 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach und gut

    Ein unglaubliches Fahrzeug. In der NGT Clubsport version, noch exklusiver und noch leichter. Eine ehrliche Fahrmaschine, aber wieviel Leute können sich noch für diese Passion begeistern.

  • emf949 am 13.05.2017 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Chronik

    Tolle Chronik, die mich an den Tagen erinnert, wo wir auf alle Stassen Europas sündigten : Geschwindigkeit, CO2 und anderes. Heute ist nur das Andere geduldet und nur auf Parkplatz.

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  • Martin K. am 14.05.2017 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Carrera RS 2.7

    In den 70er- Jahren hatte ich einen 0riginalen Carrera RS 2.7 Liter. Als meine beiden Kinder grösser wurden, habe ich den Wagen aus Platzgründen für 20'000 Franken leider verkauft. Heute bekäme ich für diesen RS als Gegenwert ein kleines Einfamilienauses oder zumindest eine grossen Eigentumswohnung. Ich fuhr mit dem Porsche auch jeden Tag, Sommer und Winter, zur Arbeit und hatte dabei riesigen Spass. Nicht "hadern" mit dem Schicksal ! So kann es eben gehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sugu68 am 14.05.2017 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    best ever

    Ich hatte das Glück einen RS für ein paar Jahre zu besitzen und heute weine ich den RS immer noch nach. Das ist das beste was man fahren kann

  • Madera, Long Beach am 14.05.2017 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    RS oder RSR, Rennversion?

    Soviel ich in Erinnerung hatte, war die Rennversion der Porsche Carrera RSR. Zumindest 1975 war das Rennfahrzeug ein Porsche Carrera RSR, mit Zulassungen in 24h Le Mans und Long Beach. Wo das Fahrzeug übrigens voll restauriert und Fahrtüchtig unterwegs ist.

  • Maslik am 14.05.2017 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach eine andere Farbe

    Als begeisterter Porsche Fahrer erscheint mir diese Farbe gewöhnungsbedürftig. Irgendwie passt der Barbie Look nicht so zu diesem Auto.

  • Martin K. am 14.05.2017 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Carrera RS 2.7

    In den 70er- Jahren hatte ich einen 0riginalen Carrera RS 2.7 Liter. Als meine beiden Kinder grösser wurden, habe ich den Wagen aus Platzgründen für 20'000 Franken leider verkauft. Heute bekäme ich für diesen RS als Gegenwert ein kleines Einfamilienauses oder zumindest eine grossen Eigentumswohnung. Ich fuhr mit dem Porsche auch jeden Tag, Sommer und Winter, zur Arbeit und hatte dabei riesigen Spass. Nicht "hadern" mit dem Schicksal ! So kann es eben gehen.

    • Illumination am 14.05.2017 10:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Martin K.

      Auch hier gilt Angebot und Nachfrage - vom Carrera RS 2,7 wurden nur 1580 Ex. produziert - vom "nachgelegten" RS 3.0 (1974) mit 230 PS/900 kg Leergewicht (!) gar nur 109 Ex... Diese Fahrzeuge sind entsprechend gesucht, hatten den höchsten Wertzuwachs aller Porsche-Typen in den letzten paar Jahren - gut erhaltene Carrera RS 2.7 liegen im Bereich 700 K +/-.. (Neupreis 1972/Carrera RS 2,7 Touring 35`500 DM...). Deshalb werden neuere Porsche-Modelle in hohen Stückzahlen kaum mal einen Wertzuwachs erfahren - dafür liegt der Wertverlust bei Porsche (Sportwagen) eher tiefer... ;-)

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  • Steff Z. am 14.05.2017 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Urquattro!!

    Etwas anderes kommt mir nicht ins Haus. Die haben extrem hohen Wert. Oder ein originales S1! Mit 306Ps dsmals und auch heute noch, allem überlegen.