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Politologe Golder
24. Oktober 2011 05:08; Akt: 24.10.2011 09:58 Print
«Die SVP ist die eigentliche Verliererin»
von Lukas Mäder - Der kometenhafte Aufstieg der SVP ist mit den Wahlen gestoppt, sagt der Politologe Lukas Golder. Er glaubt, dass die Siegerparteien BDP und GLP im Parlament Akzente setzen werden.
*Anmerkungen
SVP: verlor 2008 durch Ausschluss und Abspaltung 4 der 62 Sitze an die BDP
FDP: 2007 zusammen mit den vier Sitzen der Liberalen Partei (Fusion Anfang 2009)
Alle etablierten Parteien haben verloren. Die Grünliberalen (GLP) und die BDP haben als neue Parteien zugelegt. Was ist bei den Wahlen passiert?
Es ist zu einer Umgruppierung in der Mitte gekommen. Mit BDP und GLP spielt der Rock `n’ Roll in der Mitte. Sie bringen einen neuen Stil hinein, der zumindest ein bisschen rebellisch ist – aber nicht allzu sehr. Denn sowohl BDP wie auch GLP geben sich gemässigt.
«Es wird wegen der neuen Kräfte im Parlament keine chaotischen Zustände geben»: Lukas Golder, Politologe des Forschungsinstituts GFS in Bern. (Bild: pd)
Infografik
Eidgenössische Wahlen 2011Das politische System der Schweiz
Welche Folgen haben die zwei neuen Kräfte in der Mitte?
Sie haben das Potenzial, um im Nationalrat Mehrheiten zu schaffen, sei es gegen links oder gegen rechts. Die Mitte wurde in den Wahlen zwar aufgesplittert, aber insgesamt gestärkt.
Das politische Profil von BDP und GLP ist noch nicht besonders geschärft. Konnten sie von der Attraktivität des Neuen profitieren?
Wir haben eine eigentliche Oppositionswahl im kleinen Rahmen erlebt. Alle etablierten Parteien mussten Federn lassen. Die Gründe sind im Einzelnen noch nicht klar. Es war aber nicht nur das Neue und der andere Stil, der den beiden Parteien Zulauf brachte.
Was kam hinzu?
Es gab zwei Themen mit einer gewissen Substanz, die mitgespielt haben: Einerseits die Diskussion um die Kernenergie, andererseits die Frage nach der Zukunft der BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Bei der Atomdiskussion hat sich die GLP dezidiert für den Ausstieg ausgesprochen.
Die BDP zählte früher jedoch keineswegs zu den Atomgegnern.
Da hat sie tatsächlich einen Schwenker gemacht. Von ihrer Bundesrätin wurde dies ja auch öffentlich bekannt. Aber bei der BDP hat man tatsächlich den Eindruck, dass sie noch keine klare politische Linie gefunden hat.
Woher kamen die Stimmen von BDP und GLP?
Wir sind im Moment noch nicht in der Lage, dazu eine saubere Aussage zu machen. Im Unterschied zu den kantonalen Wahlen, bei denen Wechselwähler einen grossen Effekt haben, spielt bei den nationalen Wahlen die Mobilisierung eine wichtige Rolle. Diese hat in den letzten Jahren zugenommen, nicht aber dieses Jahr. Die Verschiebungen können also durch Wechselwähler oder aber durch Demobilisierung bei anderen Parteien entstanden sein.
Schon immer eine klare Haltung in der Atomfrage hatten die Grünen. Sie haben trotzdem deutlich verloren.
Wir haben den sogenannten Fukushima-Effekt immer relativiert. Der Verlust bei den Wähleranteilen ist keine Überraschung. Hingegen ist der Verlust von sieben Sitzen krass. Die Grünen waren eine wachsend konstruktive Kraft, die im Parlament mitgearbeitet hat. Mit dem Verlust von einem Drittel wird die fachliche Kraft der Partei stark geschwächt.
Welche Themen neben der Atomdiskussion haben im Wahlkampf eine Rolle gespielt?
Sicher die Migrationsfrage, selbst wenn die SVP verloren hat. Möglicherweise war am Schluss des Wahlkampf die Luft ein bisschen draussen. Ich fand den Wahlkampf aber durchaus als spannend.
Die SP hat die drohende Wirtschaftskrise stark thematisiert, konnte aber nicht richtig davon profitieren. Die Partei hat zumindest bei den Wähleranteilen verloren.
Bei der Sitzverteilung hatte die SP Glück. Interessant ist, dass die Sozialdemokraten in der Deutschschweiz verloren haben, in der Romandie aber eher zulegen konnten. Möglicherweise sind dort die linken Rezepte in der Wirtschaftspolitik noch eher akzeptiert als diesseits des Röstigrabens. Noch vor einem Jahr hätte man bei der SP zudem höhere Verluste erwartet. Möglicherweise haben die Themenlage oder auch die Kampagne noch grössere Verluste verhindert.
Überraschend stark hat die SVP verloren. Warum?
Die Volkspartei musste gesamtschweizerisch Federn lassen. Sie ist die eigentliche Verliererin der Wahl, wenn auch auf hohem Niveau. Die Auswirkungen bei den Sitzen ist zudem nicht so stark. Dort hat sie Glück gehabt. Ob es zu einer Abwanderung von SVP-Stimmen zur BDP kam oder ob die SVP weniger stark mobilisieren konnte, ist unsicher. Klar ist, dass die SVP vor vier Jahren sehr stark Wähler mobilisieren konnte, was entscheidend war.
Gelang es dieses Jahr nicht, die eigenen Wähler an die Urne zu bringen?
Wir müssen noch anschauen, was in den letzten drei Wochen passiert ist. Man kann der SVP aber zutrauen, dass sie gut mobilisiert. In der Westschweiz gab es zudem mit dem Movement Citoyens Romands eine Konkurrenz, die weh tat. Dort wurde der kometenhafte Aufstieg der Partei gestoppt.
Ungebrochen weiter geht der Zerfall bei den traditionellen Mitteparteien FDP und CVP.
Die Verluste der Freisinnigen sind nahe beim Erwarteten. Die Partei verliert flächendeckend. Dabei haben die Listenverbindungen eine Rolle gespielt. Während diese der CVP einige Sitze gerettet haben, war das bei der FDP nicht Fall. Bei der CVP ging man ebenfalls davon aus, dass sie zu den Verliererinnen gehören könnte. Bei den Sitzen hatte sie allerdings Glück.
Welche Auswirkungen haben die Kräfteverschiebungen auf die Arbeit im Parlament?
Es sind zwei Parteien im Aufwind, die Akzente setzen werden. Wie dies die Grünen nach den Sitzgewinnen vor vier Jahren getan haben. Mit den Sitzgewinnen kann eine starke Substanz aufgebaut werden. Deshalb werden BDP und GLP auch eigene Fraktionen bilden und keine Gemeinschaften eingehen.
Werden die Mehrheiten bei Sachgeschäften unberechenbarer?
Vielleicht bleibt auch alles beim Alten. Die vier grossen und erfahrenen Parteien stellen immer noch die Mehrheit und leisten in den Kommissionen professionelle Arbeit. Deshalb wird es wegen der neuen Kräfte keine chaotischen Zustände geben. Aber möglicherweise werden die Entscheide weniger vorhersehbar als in den letzten vier Jahren.
*Anmerkungen
FDP: 2007 zusammen mit den Wähleranteilen der Liberalen Partei (Fusion Anfang 2009)
Sämtliche Videos zu den Wahlen finden Sie hier.
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Alle 133 Kommentare











Die Sachgeschäfte werden wie bis anhin
baerbeitet. Wie Lukas Golder richtig schreibt, wird sich nicht viel ändern. Nach dem Getöse der Presse, namentlich der TV Sender (v.A. der linken SRG) wird weiter gearbeitet wie bisher. Von den Neuen wird nur die GLP mit ihrem Programm wirklich Politik machen können. Die BDP (mal hier mal dort) ist eine 1 Themenpartei zum Erhalt des Sitzes von BR Widmer.
Selbstdarstellerisches BLABLA
Es kann nur einen Gewinner oder Verlierer geben: Das Schweizer Volk. Und es wird sich erst innerhalb der nächsten Jahre herausstellen, ob das Volk mit dieser Parteienkonstellation gewonnen oder verloren hat. Wahlpropaganda kann jeder machen. Lasst Taten folgen ( aber wahrscheinlich wird dieses unselige Kindergartengeplänkel weitergehen, wie bisher ohne wirklichen Gewinn für die Schweiz).
Schade
wie soll da was passieren? wenn fast niemand den Politiker Wählt der auch was macht und zu seiner Meinung steht. Ist traurig das das Volk die Probleme nicht sieht
SVP Programm
Tja das Programm der SVP nutzt sich eben langsam ab! Immer nur auf Migration und ausländern rumzuhacken wirkt auf Dauer ideenlos. Was hat den die SVP noch "sinnvolles" im Parteiprogramm? Toni Brunner und seine Kollegen würden doch am liebsten einen Zaun um die Schweiz bauen. Gärtchendenken bring uns in der globalen Welt nicht weiter! Ausserdem gefällt mir die Grossmaulpolitik der SVP nicht. . Wir brauchen Leute, die Lösungsorientiert arbeiten und nicht einfach nur zu allem Nein sagen ohne konstruktiven Gegenvorschlag. Ich möchte jetzt auf keinen Fall alle SVPler in den gleichen Topf werfen, sicher gibt es auch unter Ihnen einige gute Politiker. Noch kurz zu meiner Position ich bin kein Befürworter der Linken. meine Position ist eher Mitte rechts. Ich hätte BDP oder CVP gewählt, aber da ich noch nicht mündig bin konnte ich noch nicht wählen gehen... PS: Alle, die jetzt kommen mit SVP = BDP sollten sich mal die Profile der Parteien ansehen, dann werdet ihr schnell merken, dass einige wesentliche Unterschiede bestehen.
Einiges stimmt aber . . .
Lösungsorientiert ist das Lieblingswort der Linken, dem sie leider nicht nachleben. Die BDP ist (bis jetzt) völlig richtungslos (siehe Atomausstieg zuerst nein - dann ja usw) und «scharwenzelt» um die Mitte nur um Widmer zu erhalten). Die CVP mal hier mal dort, hat bis jetzt gerne mal das «Zünglein an der Waage» gespielt aber das ist jetzt auch vorbei! Die SVP ist wenigstens klar gegen die vom Pleitegeier eingekreiste EU zu der sich andere noch vornehm zurückhalten. Richtig ist SVP ungleich BDP und da sind wir beide doch froh - nicht wahr?
@ Cory Vesky
Stimmt! Während die einen betonen, dass sie "lösungsorientiert" arbeiten, setzen sich die anderen hin und "chrampfen". Bis dann die "Lösungsorienterten" sich zusammensetzen ist bei den andern das "Brainstorming" vorüber und sie gehen in die Detailausarbeitung.
Richtig!
@ Cory Vesky: Guter Beitrag, dem ist fast nichts mehr hinzuzufügen! ;)
SP Programm
Das was Sie über die SVP sagen könnten Sie auch über die SP sagen. Diese ist auch alles andere als Lösungsorientiert. Dieser Partei geht es in erster Linie darum, unseren Sozialstaat weiter aufzublasen und Geld auszugeben, das nicht vorhanden ist. In einem haben Sie Recht: BDP = nicht SVP. Die BDP mach nur noch Programme welchen den anderen (Mitte und Links) genehm sind um den Sitz von EWS zu retten.