Virtueller Wahlkampf

14. September 2011 11:44; Akt: 14.09.2011 13:27 Print

Ein Facebook-Like macht noch keine PolitikEin Facebook-Like macht noch keine Politik

von Lukas Mäder - Wie Politiker die Sozialen Medien nutzen sollten und warum die eigentliche Politik dort nicht stattfindet, war Thema an einer Diskussion in Zürich. Die Ansprüche gingen auseinander.

Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen
  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Dass die Sozialen Medien auch in der Politik und insbesondere im Eidgenössischen Wahlkampf angekommen sind, war unbestritten. «Es herrscht eine eigentliche Manie im Bundeshaus», sagte SVP-Nationalrätin Natalie Rickli am Talk von pokeRT (siehe Box), der sich am Dienstagabend in Zürich mit dem Thema «Soziale Medien und Politik» beschäftigte. Inzwischen seien alle auf Facebook, doch nicht genug nachhaltig. «Dann hat jemand 29 Freunde, aber im Profil passiert nichts mehr», sagte Rickli. Sie selbst, auf Facebook und Twitter aktiv, betreibe einen grossen zeitlichen Aufwand zur Pflege dieser Kanäle – auch im Hinblick auf die Wahlen am 23. Oktober. Rickli ist überzeugt: «Heute gewinnt man keinen Wahlkampf mehr ohne Internet.»

Damit einig ging der zweite politische Vertreter auf dem Podium. «Wir erreichen über das Internet Leute, die wir sonst nicht erreichen würden», sagte Emanuel Wyler, Online-Campaigner der SP. Doch er betonte auch, dass Soziale Medien im Wahlkampf nur ein Kanal von mehreren seien – und keineswegs zwingend. «Wenn jemand nicht auf Facebook ist, aber jeden Abend in einer Beiz mit den Leuten spricht, dann muss er nicht plötzlich auf dem Internet aktiv werden.» Er hinterfragte auch die Bedeutung von 3500 Likes auf Facebook. Im Vergleich zur Schweizer Bevölkerung sei das sehr wenig. Dass der virtuelle Wahlkampf noch nicht alleine trägt, gab auch Rickli zu. «Alleine über das Internet gewinnt man auch noch keinen Wahlkampf», schob sie später nach.

Virtuelle Unterstützung bewirke gar nichts

Insbesondere von den zwei Journalisten auf dem Podium kamen jedoch auch Einwände zum Nutzen von Sozialen Medien für die Politik. Politiker würden oft nur mobilisieren über das Internet, indem sie Veranstaltungen ankündigten oder jemanden virtuell unterstützten, sagte der Blogger Ronnie Grob. Dieser Effekt zeige sich auch auf Seiten der Bürger. «Viele Leute glauben, sie seien wahnsinnig politisch, wenn sie ein paar Mal Like drücken», sagte Grob. Aber mit einer virtuellen Unterstützung sei noch gar nichts bewirkt. So glaubt auch Michèle Binswanger, Tages-Anzeiger.ch-Redaktorin und Chefin des Mamablogs, dass die politische Arbeit nicht über Soziale Medien stattfindet. «Ich bilde mir meine politische Meinung nicht über Twitter.» Ebensowenig würden die politischen Prozesse wie die Suche nach Entscheiden oder Kompromissen über das Internet laufen.

Mehrmals forderte Blogger Grob die Politiker auf, das Internet für Diskussionen zu nutzen – nicht nur als PR-Plattform. «Wenn ein Politiker auf Blogs mitdiskutiert, erinnere ich mich später bei den Wahlen an ihn.» Für Grob entsteht so für die Wähler ein besseres Bild des Kandidaten. Das sei nicht machbar, wandte Rickli ein: «Für Diskussionen auf verschiedenen Blogs fehlt einfach die Zeit.» Im schweizerischen Milizsystem habe der grösste Teil der Parlamentarier noch einen Beruf neben der politischen Tätigkeit, sagte Rickli. Auch ohne Wahlkampf habe sie abends meist Sitzungen und könne danach nur noch direkte Anfragen per E-Mail oder Soziale Medien beantworten.

Abgrenzung des Privaten

Binswanger riet den Politikern ebenfalls, Soziale Medien nicht einfach als zusätzlichen Kanal für bekannte Botschaften zu nutzen. Vielmehr sei es spannend, wenn auch der Mensch hinter dem Politiker erkennbar werde. Doch dass dies eine Gratwanderung ist, schilderten mehrere Diskussionsteilnehmer. Sowohl Binswanger wie auch Rickli sprachen davon, dass Leute denken würden, man sei Allgemeingut. «Es gibt Personen, die mir immer wieder schreiben und nicht einsehen, dass ich auch noch auf andere Anfragen antworten muss», sagte Rickli.

Beleidigungen kämen ebenfalls häufiger vor, sagte SP-Online-Campaigner Wyler. «Bei einer Standaktion kommt niemand und beschimpft uns als ‹Scheisslinkes Pack›.» Auf Facebook sei dies aber durchaus der Fall. Ebenso werden laut Wyler – «zumindest die einigermassen gutaussehenden» – SP-Politikerinnen teilweise angebaggert. Für Rickli ist deshalb klar, dass sie sich über Soziale Medien nur als Politikerin äussert. «Ich will eine Abgrenzung machen zum Privaten.»

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Anja am 15.09.2011 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brauche erklärung

    Ich verstehe nicht gut deutsch. Politik hingegen interessiert mich sehr. Kann mir hier jeman in einfachen worten erklären was los ist? Danke!

  • Alfred Christen am 15.09.2011 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Erpressung

    Wenn ich etwas kaufen muss, was ich gar nicht will ist das Erpressung.

  • Ado Khunis am 14.09.2011 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    lustig ^^

    Die Nathalie hat anscheinend das Herz im Hals..

Wahlen 2011 aktuell