Wahlen 2011

24. Oktober 2011 16:12; Akt: 24.10.2011 16:24 Print

Keine Chance für Narren und PiratenKeine Chance für Narren und Piraten

Die Narren hatten nichts zu lachen, die PowerPoint-Gegner wurden weggeklickt und das Alpenparlament kam flach heraus. Exotenparteien und Juxkandidaten konnten bei den Nationalratswahlen kaum punkten.

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Das sind die neuen prominenten Gesichter im Nationalrat: Cédric Wermuth (SP/AG). und Ex-TV-Mann Matthias Aebischer (SP). Patientenschützerin Margrith Kessler (GLP/SG). Christoph Blocher, Ex-Bundesrat (SVP/ZH). Nicht ganz neu, aber nach vier Jahren Pause wieder in Bern. Peter Keller (SVP/NW) arbeitet als Redaktor bei der Weltwoche. Balthasar Glättli (Grüne/ZH; links) feiert mit Daniel Vischer. Andrea Caroni, ein junges hoffnungsvolles Gesicht der FDP (AR). Regierungsrätin Karin Keller-Sutter (FDP/SG): glanzvoll in den Ständerat gewählt. Pascal Bruderer, eben Mutter geworden, zieht für die SP Aargau in den Ständerat. Ex-Bundesratskandidat Roland Eberle (SVP/TG) schaffte es auch ins Stöckli. Dürfen noch hoffen: Der ehemalige Nationalrat und Krebsspezialist Franco Cavalli (SP) steigt im Tessin in den 2. Wahlgang um einen Ständeratssitz... wie auch der durch die Abzocker-Initiative bekanntgewordene Thomas Minder in Schaffhausen. Prominente im Berner Wahlkampf: Der bekannte Herzspezialist Thierry Carrel (FDP)... schaffte es ebenso wie Jacques de Haller (SP), Präsident der Schweizer Ärzte... oder Alt-Bronco Jimmy Hofer nicht ins Parlament. Selbst der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) schaffte es nicht wieder zurück in den Nationalrat. Trotz Promi-Bonus nicht gewählt: Thomas Matter (SVP/ZH) und ... Hans-Ulrich Bigler (SVP/ZH), Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Martin Kilias (SP), der bekannte Kriminologe, schaffte es im Kanton Aargau nicht in den Nationalrat. Auch Ricardo Lumengo (Sozial-Liberale Bewegung/BE) wird als Nationalrat abgewählt.

Die Neuen und die Promis im Parlament.

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Die Politikverdrossenheit der Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger scheint noch nicht Überhand genommen zu haben. Auf jeden Fall bleibt der Nationalrat auch künftig in der Hand der mehr oder weniger ernst zu nehmenden Vereinigungen.

Piraten im Kino erfolgreicher

Gegen die «Grossen» angetreten war in Zürich etwa die Schweizer Narrenpartei, «die wenigstens Ehrlichen». Ihr Gründer Hanspeter Kindler, Dichter und Freigeist, war ausgezogen, um im Parlament die Rolle des offiziellen Hofnarrs zu spielen.

Der Nationalrat wird auch weiter ohne seine Spässe auskommen müssen. Immerhin waren 250 Zürcher Stimmbürger der Meinung, dass die Räte durchaus etwas Auflockerung vertragen könnten und haben seiner Liste ihre Stimme gegeben. Etwas weniger erfolgreich hat im Kanton Zürich die Anti PowerPoint Partei abgeschnitten.

An einer unzureichenden Präsentation der Parteiziele kann es kaum gelegen haben, ist doch ihr Name Programm. Auch die Piratenpartei wird in Bern das politische Steuer nicht herumreissen können. In sieben Kantonen angetreten, erkämpfte sie sich mit 1,9 Prozent Wähleranteil in Basel Stadt immerhin einen Achtungserfolg.

Komisches und Kosmisches

Sein propagierter Menschenverstand hat die Berner Stimmbürger nicht restlos überzeugt: Der Rocker Jimy Hofer wird Bern damit als Stadtrat erhalten bleiben. Seine Ansage an die Wähler, auch im Bundeshaus zu sagen und zu tun, was es zu sagen und zu tun gibt, wurde von 1500 Bernern mit einer Stimme für seine Liste belohnt.

Weniger Komisches als Kosmisches versprach das Alpenparlament im Kanton Bern: «Mit dem robusten und stattlichen Eiger, dem erhabenen Mönch und der erfahrungswürdigen Jungfrau haben wir ganz besondere Symbole der kosmischen Dreiheit vorliegen, die in der angebrochenen Hoch-Zeit der Menschheit eine besondere Rolle spielen wird».

Dass solchermassen Exotisches auch etablierten Parteien nicht allzu fern liegen muss, zeigt die Listenverbindung, welche die SVP mit dem Alpenparlament eingegangen ist. Der Erfolg blieb etwa in der Grössenordnung von Jimy Hofers Liste.

(sda)

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