Alt, abgewählt, arbeitslos

24. Oktober 2011 16:12; Akt: 24.10.2011 21:05 Print

«Mein Leben ist nun Privatsache»«Mein Leben ist nun Privatsache»

von Jessica Pfister - Die Verlierer des Wahlsonntags haben eine harte Nacht hinter sich. Wie Schlüer, Segmüller und Lang mit ihrer Niederlage umgehen und was jetzt aus ihnen wird.

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Der Luzerner Nationalrat konnte nur eine Legislatur in Bern verbringen. Bereits zum zweiten Mal innert vier Jahre wurde der Zürcher abgewählt - letztes Mal rutschte er später noch nach. Der Zuger Grün-alternative Josef Lang verlor sein Mandat an Bruno Pezzatti von der FDP. Für das Grüne Bündnis in Basel-Stadt ist ein vierjähriges Gastspiel im Nationalrat zu Ende. Die Grüne Anita Lachenmeier wurde abgewählt. Im Aargau wurde die CVP-Nationalrätin Esther Egger nicht wieder gewählt. Nach vier Jahren schon Schluss: Der Bündner FDP- Nationalrat Tarzisius Caviezel hat die Wiederwahl verpasst. Der Freisinn ist erstmals seit Einführung der Proporzwahl im Jahre 1919 nicht mehr in der grossen Kammer vertreten. Rochade bei der FDP im Kanton Neuenburg: Nationalrätin Sylvie Perrinjaquet (Bild)hat es nicht geschafft, ihren Sitz zu verteidigen. Ihren Platz übernimmt Parteikollege Alain Ribaux, der neu in die grosse Kammer einzieht. Die Solothurner Nationalrätin Brigit Wyss schaffte es 2007 nur knapp, 2011 verlor sie die Wahl. Im Kanton Freiburg verliert die CSP ihren Sitz im Nationalrat. Marie-Thérèse Weber-Gobet wird nicht wiedergewählt. Der seit 1999 amtierende Zuger Nationalrat Marcel Scherer (SVP)verlor seinen Sitz an einen Parteikollegen. Elmar Bigger von der SVP dürfte als einziger Bisheriger im Kanton St. Gallen abgewählt werden. SVP-Köpferollen auch im Jura: Dort verlor die Volkspartei den Sitz von Dominique Baettig an die CVP. Christoph von Rotz aus dem Kanton Obwalden war nur gerade vier Jahre Mitglied des Nationalrats. Im Kanton Baselland wird der bisherige Christian Miesch von der SVP von einem Parteikollegen verdrängt. Ex-SP-Nationalrat und neu Mitglied der Sozial-liberalen Bewegung schaffte die Wiederwahl nicht.

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Den Luzerner CVP-Nationalrat Pius Segmüller hat seine Abwahl hart getroffen. «Ich habe heute Nacht gar nicht gut geschlafen, bin immer wieder aufgewacht und habe mir den Kopf zerbrochen», sagt der 59-Jährige gegenüber 20 Minuten Online. Obwohl man als Politiker immer mit allem rechnen müsse, sei er auf eine Abwahl nicht vorbereitet gewesen. «Allerdings hatte ich mit Leo Müller einen starken Konkurrenten aus den eigenen Reihen, der gerade auf dem Land punkten konnte», so der Stadtluzerner, der sich im Parlament mit Vorstössen gegen Raser und für die Armee einen Namen machte.

Seine Sorge gelte nun aber vor allem der Zukunft. Sein 40-Prozent-Pensum als Fachhochschullehrer reiche zum Überleben auf jeden Fall nicht aus. «Ich könnte mir vorstellen, wieder Vollzeit auf meinem gelernten Beruf als Sekundarlehrer zu arbeiten», sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern. Ein Job im Sicherheitsbereich wäre für den ehemaligen Kommandanten der Schweizer Garde ebenfalls denkbar. «Der CVP bleibe ich sicher treu, auf ein politisches Amt habe ich aber keine Ambitionen.»

Jo Lang will Bücher und Essays schreiben

Eine unruhige Nacht hat auch Jo Lang hinter sich. Der Zuger Grün-Alternative verlor nach acht Jahren im Parlament seinen Sitz an die FDP. «Ich bin nach wie vor enttäuscht, aber auch gefasst», so der 57-jährige Historiker und Gründungsmitglied der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA). Am Sonntag sei er mit seinen Parteikollegen noch lange zusammengesessen und habe die Ergebnisse verarbeitet. «Obwohl wir als Partei in Zug ein sehr gutes Resultat erreicht haben, überwog der Frust.»

Künftig wolle er sich zwar weiter für die Partei engagieren, ein politisches Amt strebe er aber nicht an. Neben seinem 50-Prozent-Pensum an der Berufsschule möchte er am liebsten Bücher und Essays schreiben. «Schreiben ist meine Leidenschaft, für die ich in den vergangenen Jahren zu wenig Zeit hatte», so der prominente Armee-Kritiker. Vor allem Themen wie Religion, Antisemitismus oder Kulturkämpfe würden ihn reizen.

«Habe mich nicht hintersinnt»

Fleissig in die Tasten greifen kann nun auch SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer. Der Verleger der rechtskonservativen «Schweizerzeit» wurde zum zweiten Mal innert vier Jahren abgewählt. Allerdings rutschte er 2009 in den Nationalrat nach, als Ueli Maurer in den Bundesrat gewählt wurde. Mit dem abgeschlagenen 16. Platz bleibt ihm der Sitz im Nationalrat dieses Mal auf sicher verwehrt. Dementsprechend kurz angebunden war der 67-Jährige am Telefon. «Nein, ich habe mich nicht hintersinnt», sagt der ehemalige Mittelschullehrer für Geschichte. Was er nun mit seiner Zukunft anfange, gehe niemanden etwas an. «Mein Leben ist nun Privatsache und ich entscheide allein, wie es weitergehen soll.»

Offener äusserte sich sein abgewählter Baselbieter Parteikollege Christian Miesch. «Ich bin hoffentlich Lebenskünstler genug, um diese Niederlage zu verarbeiten», sagt der 63-Jährige Geschäftsführer eines Elektromotorenhandels. Er werde im November eine kreative Pause einlegen und sich in dieser Zeit die nächsten Schritte überlegen. Sicher werde er sich vermehrt wieder seinem Geschäft widmen. Und die Politik? «Wissen Sie, es gibt auch noch anderes im Leben als die Politik.»

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  • Fritz am 26.10.2011 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Herr Schlüer!

    Für Ihren steten und ausserordentlich grossen Einsatz für politische Korrektheit in unseren Institutionen!

    • Peter Fischli am 31.10.2011 16:35 Report Diesen Beitrag melden

      Was ??

      Politische Korrektheit lachhaft. Höchstens im Vergleich zu Blocher!

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  • Rico3110 am 25.10.2011 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ex-Lehrer !!!!

    Alle drei, Schlür,Segmüller und Lang alles ehemalige Lehrer. Das gibt zu denken.

  • Jäger am 25.10.2011 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ade Herr Lang

    zum Glück muss ich ihre Hollywoodweisheiten über Waffen nicht mehr hören.

    • Euklid am 25.10.2011 09:18 Report Diesen Beitrag melden

      Hasta la vista

      Genau, das habe ich mir auch gedacht. Seine Pump-Action-Phobie war ja legendär.

    • Frank H. am 25.10.2011 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      Jetzt wo er Zeit hat würde ich im

      mal einen Skeet Kurs in Embrach spendieren. Da kann er ja mal zeigen wie man Tontauben mit Flobert trifft. PS: Nicht Vergessen Jo, in Embrach ist Bleischrot verboten. da darf man nur noch Weicheisenschrot nutzen.

    • Anneliese hofer am 25.10.2011 22:07 Report Diesen Beitrag melden

      Ciao jo

      Schade ,dass Jo lang nicht mehr gewählt wurde.aber Mitläufer sind begehrter.er wird es überleben

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