Die Abgewählten

23. Oktober 2011 18:28; Akt: 24.10.2011 08:50 Print

Adieu, Berne!Adieu, Berne!

von Jessica Pfister - Für einige Politiker geht heute die Bundeshauskarriere zu Ende. Zu den prominentesten Verlierern gehören der Grün-Alternative Jo Lang und SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer.

Bildstrecke im Grossformat »
Der Luzerner Nationalrat konnte nur eine Legislatur in Bern verbringen. Bereits zum zweiten Mal innert vier Jahre wurde der Zürcher abgewählt - letztes Mal rutschte er später noch nach. Der Zuger Grün-alternative Josef Lang verlor sein Mandat an Bruno Pezzatti von der FDP. Für das Grüne Bündnis in Basel-Stadt ist ein vierjähriges Gastspiel im Nationalrat zu Ende. Die Grüne Anita Lachenmeier wurde abgewählt. Im Aargau wurde die CVP-Nationalrätin Esther Egger nicht wieder gewählt. Nach vier Jahren schon Schluss: Der Bündner FDP- Nationalrat Tarzisius Caviezel hat die Wiederwahl verpasst. Der Freisinn ist erstmals seit Einführung der Proporzwahl im Jahre 1919 nicht mehr in der grossen Kammer vertreten. Rochade bei der FDP im Kanton Neuenburg: Nationalrätin Sylvie Perrinjaquet (Bild)hat es nicht geschafft, ihren Sitz zu verteidigen. Ihren Platz übernimmt Parteikollege Alain Ribaux, der neu in die grosse Kammer einzieht. Die Solothurner Nationalrätin Brigit Wyss schaffte es 2007 nur knapp, 2011 verlor sie die Wahl. Im Kanton Freiburg verliert die CSP ihren Sitz im Nationalrat. Marie-Thérèse Weber-Gobet wird nicht wiedergewählt. Der seit 1999 amtierende Zuger Nationalrat Marcel Scherer (SVP)verlor seinen Sitz an einen Parteikollegen. Elmar Bigger von der SVP dürfte als einziger Bisheriger im Kanton St. Gallen abgewählt werden. SVP-Köpferollen auch im Jura: Dort verlor die Volkspartei den Sitz von Dominique Baettig an die CVP. Christoph von Rotz aus dem Kanton Obwalden war nur gerade vier Jahre Mitglied des Nationalrats. Im Kanton Baselland wird der bisherige Christian Miesch von der SVP von einem Parteikollegen verdrängt. Ex-SP-Nationalrat und neu Mitglied der Sozial-liberalen Bewegung schaffte die Wiederwahl nicht.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Mit der Abwahl des Grün-Alternativen Jo Lang verliert die Linke in Zug ein wichtiges Aushängeschild. Der 57-jährige Historiker, der seit 2003 im Nationalrat sass, machte sich vor allem als Armeekritiker landesweit einen Namen. Sein Mandat geht an Bruno Pezzatti von der FDP.

«Vielleicht hätten wir im Wahlkampf noch stärker betonen müssen, dass unser Sitz gefährdet ist», sagte ein enttäuschter Lang im Interview mit dem Schweizer Fernsehen. Die Niederlage führt er vor allem auf die Listenverbindung von FDP und CVP zurück. «Weil gemunkelt wurde, dass die FDP innerhalb der Listenverbindung die CVP schlagen könnte, hat dies die CVP-Wähler mobilisiert», analysiert Lang. Diese Stimmen seien bei den Grünen verloren gegangen.

Niedergeschlagen zeigte sich auch Ueli Leuenberger, Präsident der Grünen: «Im Kanton Zug hat eine heftige Kampagne gegen Jo Lang zur Abwahl geführt», so Leuenberger gegenüber 20 Minuten. Zur wahrscheinlichen Nicht-Wiederwahl von Nationalrätin Anita Lachenmeier im Kanton Basel-Stadt sagte Leuenberger, dass sie nur aufgrund einer Listenverbindung der CVP mit der BDP den Sprung in den Nationalrat nicht schaffe.

Auch Hochreuteners Sitz gefährdert

Eine prominente Abwahl droht auch der CVP: Gemäss Hochrechnung ist bei den Nationalratswahlen im Kanton Bern die Wiederwahl von Norbert Hochreutener gefährdet. Vor seiner Zeit als Nationalrat war der 65-Jährige als Bundeshausredaktor für das Schweizer Radio DRS und das Schweizer Fernsehen tätig.

Nach vier Jahren Bern muss sich auch der Bündner FDP-Nationalrat Tarzisius Caviezel vom Bundeshaus verabschieden. Dem Unternehmer, der auch Präsident des Hockey Clubs Davos ist, erging es wie vor vier Jahren seinem Vorgänger, dem Bündner Gewerbeverbandsdirektor Jürg Michel (FDP), der ebenfalls nur eine Legislaturperiode in Bern politisieren durfte. Die Erfolgsserie des Freisinns, der die Wahlen vor vier Jahren gewann und letztes Jahr auch die Grossratswahlen, ist damit gerissen.

Auch SVP-Nationalräte unter Verlierern

Zu den Verlierern gehören auch einige SVP-Politiker. Zu den Wackelkandidaten gehört - wie schon 2007 - SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer. Bereits gescheitert ist der Obwaldner SVP-Nationalrat Christoph von Rotz und auch Dominique Baettig, Nationalrat aus dem Kanton Jura, schaffte die Wiederwahl nicht. Mit Landwirt Elmar Bigger im Kanton St.Gallen scheiterte ein weiterer Vertreter der Volkspartei. Viele Anhänger wandten sich nach dem Konkurs der Produzenten-Michverwerter-Organisation, deren Präsident Bigger war, von ihm ab.

Im Kanton Freiburg wird die CSP wohl ihren Sitz im Nationalrat verlieren. Marie-Thérèse Weber-Gobet dürfte nicht wiedergewählt werden. Zu den abgewählten Nationalräten wird wohl auch Ricardo Lumengo gehören. Nach dem Bruch mit der SP trat er als Parteiloser im Kanton Bern an.

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Stefan Holliger am 23.10.2011 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Es Lang(t)

    Der Abgang von Jo Lang ist eines der (wenigen positiven) Highlights des heutigen Tages.

  • Jean-Pierre am 23.10.2011 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so 2 ...

    Prima ist Lumengo weg!!!

  • Simon Müller am 23.10.2011 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Lumengo adieu

    So Herr Lumengo hat nun die Quittung für sein Verhalten bekommen. Er wurde zwar freigesprochen, doch der Wähler vergisst nie.

Wahlen 2011 aktuell