Generation unter 35

28. Oktober 2011 10:57; Akt: 28.10.2011 11:49 Print

Wie Jungpolitiker Bern aufmischen wollenWie Jungpolitiker Bern aufmischen wollen

von Jessica Pfister - Sie sind gegen Alkoholverbote im Ausgang, wollen Ausländer in der Schule mehr fördern oder Familien finanziell entlasten - so tickt die neue Generation von Jungpolitikern.

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Mathias Reynard ist mit 24 Jahren das Nesthäckchen unter den frisch gewählten Politikern. Der Sekundarlehrer aus Savièse hat in der CVP-Hochburg Wallis für die Sozialdemokraten einen Nationalratssitz erobert. «Ich freue mich, in Bern ein wenig frischen Wind reinzubringen», sagt der junge Mann mit dem Piercing in der Augenbraue. Als jüngstem Nationalrat wird ihm die Ehre zuteil, an der Session im Dezember die Eröffnungsrede zu halten. Das Thema weiss er bereits: «Junge in der Politik.»

Diesen wolle er auch im Parlament eine Stimme geben. «Neben Themen wie Arbeitsbedingungen oder Lohndumping will ich mich als Lehrer für eine einheitliche Bildung einsetzen.» Dabei sehe er die Chancengleichheit und Integration von Ausländern als besonders wichtig an. Von den anderen gewählten Jungpolitikern aus der Deutschschweiz kenne er vor allem Parteikollege Cédric Wermuth. Für ihn ist aber klar, dass er gerade mit den Jungen auch über die Parteigrenzen Gemeinsamkeiten finden wird. «Auch wenn es nur beim gemeinsamen Feierabendbier ist», sagt er und lacht.

«Junge nicht unter Generalverdacht stellen»

In puncto Bildung könnte er vielleicht mit Andrea Caroni zusammenspannen. Dem 31-jährigen Ausserrhoder, der als ehemaliger persönlicher Mitarbeiter von Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz bereits ein Beziehungsnetz in Bern aufbauen konnte, ist das Thema ebenfalls ein Anliegen. «Jedes Kind soll nach seinen Fähigkeiten gefördert werden», findet der Anwalt. Ausserdem will er sich dafür einsetzen, dass man Junge im Ausgang nicht unter Generalverdacht stellt. «Ein generelles Alkoholverbot geht für mich klar zu weit.» Ebenso das Verbot von Cannabis - Caroni ist für eine Legalisierung ab 18 Jahren.

Diese Anliegen wolle er in Bern in der Sprache seiner Generation vermitteln. «Manchmal erschreckt es mich, wenn junge Politiker reden, als wären sie bereits 50», sagt Caroni. Unter 30-Jährige, die nur das eigene Parteiprogramm zitieren, das sei schon befremdlich. Trotzdem ist er überzeugt, dass er auch mit Jungen, die das Heu politisch nicht auf der gleichen Bühne haben, gut klarkommt. Cédric Wermuth, Martin Candinas oder Nadja Pieren habe er bereits im Vorfeld einer Wahlsendung kennengelernt. «Der Umgang war sehr locker, wir haben gescherzt und uns gut unterhalten», erzählt Caroni, der Musik und insbesondere Schlagzeugspielen zu seinen grossen Leidenschaften zählt. «Vielleicht spielt ja der eine oder die andere mal in der Parlamentarierband, die ich gründen möchte.»

«Ältere Politiker wissen nicht, was Facebook & Co. auslösen kann»

Musikalisch ist auch Violinspielerin Kathrin Bertschy, neu gewählte Nationalrätin der Grünliberalen. Gemeinsam mit Caroni hat die 32-jährige Ökonomin ausserdem ihr Engagement für die Jungen im Ausgang. Als Mitglied des Vereins Pro Nachtleben Bern fordert sie eine Flexibilisierung der Öffnungszeiten von Nachtclubs, damit die Besucher gestaffelt über mehrere Stunden nach Hause gehen. Im Parlament will sie sich zudem für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen. Im Stadtrat Bern ebnete Bertschy der familienergänzenden Kinderbetreuung mit Betreuungsgutscheinen den Weg.

Familienanliegen schreiben sich auch die neu gewählten Jung-Nationalräte der CVP und der SVP auf die Fahne. Allen voran der 31-jährige Bündner Martin Candinas. «Ich vertrete im Parlament die Generation der unter 35-jährigen Familienväter», sagt der CVP-Politiker. Da sei er momentan nämlich der Einzige. In Bern will er sich für eine Steuerbefreiung der Kinder- und Ausbildungszulagen einsetzen. «Dies würde gerade auch jüngere Familien entlasten», so der Vater eines 18 Monate alten Sohns. Eine Herausforderung sei zudem der Umgang mit neuen Medien. «Ältere Politiker wissen zum Teil nicht, was Facebook & Co. auslösen können, hier müssen wir Jungen uns einbringen.»
Von den anderen Jungpolitikern, die Candinas alle als «glatte Typen» bezeichnet, erhofft er sich auch eine Art Türöffner-Funktion. «Sie können mir den Kontakt zu den wichtigen Leuten in der Partei vermitteln.»

«Leichter, sich zu vernetzen»

Um sich im Parlament zurechtzufinden, will sich die neu gewählte SVP-Nationalrätin Nadja Pieren anfangs an Parteikollege Walter Wobmann halten. Den Kontakt mit den anderen Jungen wolle sie aber auch pflegen. «Den Jungen fällt es wahrscheinlich leichter, sich zu vernetzen», so die Bernerin, die sich als Kleinkindererzieherin für familienergänzende Kinderbetreeung einsetzt. Als Parteisoldatin sieht sich die 31-Jährige, die die SVP-Einwanderungsinitative unterstützt, nicht. «Wenn ich mal eine andere Meinung als die Partei habe, kann mich niemand zwingen, im Rat den gleichen Knopf zu drücken.»

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  • J. Meyer am 28.10.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Besen kehren gut

    Neue Besen kehren bekanntlich gut, doch nicht jeder Besen findet jeden Staubkorn und manches verschwindet auch mitunter heimlich unterm Teppich. Es wird sich zeigen wie gut diese Neuen sind oder werden. Persönlich kann ich meist wenig mit Linken was anfangen, aber hier gefallen mir ihre Themen, die es wirklich wert sind, weiter zu verfolgen.

  • Jayme am 28.10.2011 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Deutschkenntnisse?

    Was ich sehr bedenklich fand beim Lesen der Kurzportraits der Kandidaten auf smartvote und anderen Plattformen: Fast keiner der Kandidaten ist in der Lage, fehlerfrei einige Zeilen zu formulieren. Offenbar beherrscht nur eine kleine Minderheit die Grammatik und Rechtschreibung der deutschen Sprache (unabhängig vom Alter). Ein Armutszeugnis!

    • Alex Keller am 28.10.2011 21:08 Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt wichtigeres!

      Ich rege mich viel mehr über Leute auf, die solche Details bei anderen gezielt suchen!

    • J. Meyer am 28.10.2011 22:07 Report Diesen Beitrag melden

      @jayme

      Es ist zwar sicher nicht vorteilhaft, wer das schlecht beherscht, doch kommt es im Wesentlichen auf den Inhalt an. Und solange das Kernthema verstanden wird, sehe ich getrost darüber hinweg, auch wenn ich in dieser Hinsicht auch ein wenig pedantisch bin. Vor allem, wenn man sehen muss wie die Lehrer korrigieren und ich mich dann fragen muss, wo sie Germansitik studiert haben. Gerade in Zeiten, wo jeder Punkt und jedes Komma bei Bewerbungen unter die Lupe genommen wird, verpassen solche Menschen ihre Vorbildfunktionen, schade, aber welcher Mensch ist schon fehlerfrei?

    • Jayme am 29.10.2011 02:48 Report Diesen Beitrag melden

      @ Alex Keller

      Ich muss diese "Details" nicht gezielt suchen, die fallen mir beim Lesen unweigerlich auf. Ich bin mir zwar bewusst, dass dies nicht bei allen so ist. Ich habe auch Verständnis wenn es jemandem nicht leicht fällt, fehlerfrei zu schreiben. Aber dann sollen die Kandidaten ihre Texte halt gegenlesen lassen.Wenn die Kandidaten unzählige Fehler in ihren Steckbriefen haben ist das für mich ein Zeichen dafür, dass sie sich keine Mühe gegeben haben. Ich will aber Vertreter in Bern, die sich Mühe geben, keine Larifaripolitiker... (Die Texte waren zum Teil schlimm!)

    • Fehlerteufel am 29.10.2011 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kommata...

      Mir fallen solche Fehler jeweils auch auf. Auch ich bin der Meinung, dass dies bei nationalen Politikern nicht vorkommen sollte. Allerdings sollten die Kritiker solcher Fehler auch die Kommaregeln fehlerfrei beherrschen...

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  • berti bieber am 28.10.2011 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    mit 24 Jahren...

    zum Glück gibt es auch noch die älteren Politiker! Wie soll denn einer mit 24 Jahren politisieren? Kaum trocken hinter den Ohren, schon in Bern. Zuerst erwachsen werden, Lebenserfahrung sammeln und anschliessend gute Politik machen!

    • Jerome am 28.10.2011 14:46 Report Diesen Beitrag melden

      Erfahrung allein ist nicht alles...

      Ich finde es gut, dass auch Jüngere dabei sind. Die sehen die Welt aus einem anderen Blickwinkel, bringen neue Ideen ein. Schliesslich bin ich der Meinung, dass der Nationalrat gut durchmischt sein soll. Nur Alte ist genauso falsch wie nur Junge. Es braucht eine gesunde Mischung. Schliesslich hat der Nationalrat 200 Mitglieder und niemand ist allwissend. Also sollen sich die Mitglieder austauschen, ihre unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven einbringen und diskutieren, um schlussendlich gemeinsam ein optimales Ergenbis zu erhalten.

    • Susi am 28.10.2011 14:58 Report Diesen Beitrag melden

      Verdammt noch mal.

      Immer die gleichen Stereotypen antworten der Jungen. Anderer Blickwinkel, neue Ideen. Wer zum Teufel sagt, dass das was bringen soll? Ich erwarte Erfahung und Umsicht und nicht irgendwelche Träumer.

    • marco aus bern am 29.10.2011 08:38 Report Diesen Beitrag melden

      durchmischung das beste

      eine gute durchmischung ist doch das beste und alle können profitieren, wenn sie das auch wollen. die machen sicher alle einen gute jop und wenn nicht, ist es dann noch früh genug zu kritisieren. zu nörgeln gibt es immer was wenn man möchte.

    • Sonja am 29.10.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      jung, alt was macht den Unterschied?

      egal ob jung oder alt, sicher ist jeder Politiker egal aus welcher Partei wird sich dem Druck der Elite beugen müssen, ansonsten ist er oder sie weg. Da gibt es immer irgendwelche Möglichkeiten, wichtig für die Neulinge, schützt die Banken und macht alles, dass es euerem Volk schlecht geht, dann seid Ihr lange an der Macht und werdet vielleicht Bundestat.

    • Fabian am 29.10.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      auch Junge haben Erfahrung!

      Erfahrung? Haben die Jungen durchaus! Nicht im Geschäfte führen oder in der Lobby, wie die älteren NR-Kollegen. Nein, aber die Jungen kennen die Probleme mit Jugendkriminalität und die Ursachen, den Hooliganismus, der Arbeitsmarkt, Lehrstellenmarkt etc. Dies sind alles Themen, wo die älteren dran vorbeireden!

    • Rea Fluetsch am 29.10.2011 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Aber Hallo...

      Dieses staendige Gemotze ueber die Unerfahrenheit der Jungen und folglich deren Unfaehigkeit in der Politszene was zu bewegen geht zu gut Deutsch ja sowas von auf den Sack. Hier beschweren sich die Gleichen uebers Gruen hinter den Jungpolitikerohren die sonst als Erste "fehlende Initiative" und dergleichen schimpfen wuerden, haetten sich erst gar keine Junge zur Wahl gestellt. Lasst doch diese Leute um Gottes Willen mal ihre Arbeit beginnen bevor ihr gleich wieder losjammert. Nervig.

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