Der Besserwisser

13. Februar 2012 17:45; Akt: 14.02.2012 10:41 Print

«Frau Merkel versteht das einfach nicht»

von S. Spaeth - Trotz EU-Milliarden steht Griechenland mit dem Rücken zur Wand. Angela Merkel will aber nicht ständig weiteres Geld in Krisenstaaten pumpen. Falsch, findet Finanzguru Soros.

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George Soros (rechts) lässt kein gutes Haar an Angela Merkels Vorgehen in der Eurokrise. (Bild: Keystone)

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George Soros ist einer, der ganz genau weiss, wie es geht: Seit 40 Jahren spekuliert der Finanzguru an den Börsen und hat dabei ein Milliardenvermögen gemacht. Sein grösster Coup: 1992 lancierte er eine riesige Wette gegen das britische Pfund und zwang dabei die Bank of England in die Knie. Sie musste ihre Währung abwerten.

Der 81-Jährige Soros weiss auch, wie es in der Euro-Krise laufen sollte. In einem Interview mit dem «Spiegel» sagt die Investoren-Legende: «Ich glaube, dass ich das Finanzsystem vielleicht ein bisschen besser verstehe, als einige Leute, die das Sagen haben.» Deshalb sieht es der gebürtige Ungar als seine Pflicht, Ratschläge zu geben, wie man die Eurokrise besser managen könnte. Soros’ Kritik richtet sich insbesondere an die Adresse von Angela Merkel. «Ich bewundere Kanzlerin Merkel für ihre Führungsstärke. Aber leider führt sie Europa in die falsche Richtung», so der Milliardär.

Angela Merkel misstraut den griechischen Sparbemühungen und will für die Euro-Rettung nicht ständig mehr Geld ausgeben. Aus Deutschlands Küche stammte auch die brisante aber abgelehnte Idee eines Sparkommissars, der Griechenland die Hoheit über die Haushaltpolitik entzogen hätte. «Die Geberländer haben Mühe zu verstehen, dass Griechenland nicht längst die fälligen Strukturreformen durchgeführt hat», sagt Anastassios Frangulidis, Chefökonom der Zürcher Kantonalbank.

«Merkel versteht einfach nicht»

«Aus eigener Kraft wird es Griechenland nicht schaffen. Das Land braucht weiteres Geld von den europäischen Geberländern – und eine Reduktion der Schuldenlast», sagt Anastassios Franguldis. Derzeit beläuft sich der griechische Schuldenberg auf 162 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Zum Vergleich: 2009 waren es noch 120 Prozent gewesen. Trotz rigider Sparbemühungen ist es also nicht besser, sondern schlimmer geworden.

Soros rechnet damit, dass bald weitere Milliarden nach Griechenland fliessen, damit die ummittelbare Pleite verhindert werden kann. Die Situation an den Weltfinanzmärkten vergleicht der Milliardär mit einem schleudernden Auto: Erst wenn der Fahrer wieder die Kontrolle über das Fahrzeug gewonnen habe, könne man die Richtung korrigieren. «Die Krise ist noch immer nicht vorbei und wir müssen weiter staatliches Geld ausgeben, um den Schleudergang zu stoppen», prophezeit Soros. Er ist davon überzeugt, dass man ansonsten die Fehler wiederhole, welche die USA 1929 in die grosse Depression geführt hatten. «Aber das versteht Merkel einfach nicht», so Soros.

Deutschland trägt die Schuld

Soros, der Ungarn 1947 wegen den Kommunisten verlassen hatte und nach England geflohen und später in die USA übersiedelt war, lässt kein gutes Haar an Deutschland: «Die Fehler der europäischen Politik, insbesondere der deutschen, haben die Krise verursacht», wettert er. Dass der Internationale Währungsfonds (IWF) oder sogar die USA den Europäern unter die Arme greift, findet der Investor keine gute Idee: «Europa sollte in der Lage sein, seine Probleme selbst zu lösen. Der IWF wird dazu nicht gebraucht.» Soros sieht das Heil für die Schuldengeplagten Eurostaaten in Eurobonds – sprich in gemeinsamen Anleihen.

Am ungemütlichsten ist die Finanzlage derzeit in Griechenland. Am 20 März muss Athen eine Anleihe über 16 Milliarden Euro zurückzahlen. Ist die Regierung dazu nicht in der Lage, droht der ungeordnete Staatsbankrott. Für weitere Hilfsmilliarden forderte die Troika (EU-Länder, Internationaler Währungsfonds und Europäische Zentralbank) aber weitere drastische Sparmassnahmen, welchen das griechische Parlament am frühen Montagmorgen zugestimmt hat. «Griechenland hat die Souveränität in Wirtschaftsfragen längst verloren», so Frangulidis. Oder anders gesagt: Den Griechen bleibt nichts anders übrig, als sich dem Diktat der Geberländer zu beugen.

Wie sicher sind die Sparguthaben?

Laut Soros ist es falsch gewesen, Griechenland nur gegen die Zahlung hoher Zinsen Hilfskredite zu gewähren. Deswegen sei das Land heute gar nicht mehr zu retten. Der Milliardär geht davon aus, dass es Italien genauso ergehen könne, wenn man ein Land in die Zwangsjacke gewaltiger Zinszahlungen stecke.

Laut der Investoren-Legende gelingt es Italien und Spanien möglicherweise vor der Ansteckung abzuschirmen – der gefährliche Dominoeffekt könnte also abgewendet werden. Sorgen macht sich der 81-Jährige hingegen um Europa Banken und die Einlagen der Sparer. «Es könnte zu einem Run auf die Bankschalter in Italien und Spanien kommen, und dann würde Europa auseinanderbrechen.» Hoffentlich liegt der nette Herr mit dem Übernamen «The man who broke the Bank of England» diesmal falsch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • roger mafli am 14.02.2012 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Statt ...

    ... die allseits beliebte Kanzlerin weiterwursteln zu lassen bis tatsächlich ganz Europa bankrott ist sollte man endlich Leute ans Ruder lassen die etwas von dieser Materie verstehen. Man holt ja auch Hacker um die Sicherheit von Unternehmen zu verbessern. Frau Merkel hat bisher alles nur verschlimmert, ist unfähig adäquat zu reagieren und verschlept laufend nötige Entscheide so lange, bis die Umsetzung eigentlich nichts mehr bringt. Deshalb sind die Schulden Griechenlands nach zweieinhalb Jahren merkelschem Rettungsschirm und mehreren Milliardenzahlungen auch um über einen Drittel gestiegen.

  • Jens Hoefer am 13.02.2012 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich, Herr Soros

    Herrn soros moechte ich ethisch gar nicht bewerten, jedoch hat Frau kanzlerin Merkel die Verantwortung für ein ganzes Land und Mitverantwortung für europa. In dieser Liga hätte ein Herr Soros, dessen eigenes bankkonto offensichtlich ueber dem wohlergehen einer landesbevoelkerung geht, zum Glück sowieso nichts verloren.

  • Marco am 13.02.2012 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krimineller

    Ein Mann der gegen eine Währung wettet und so eine Krise verursachte, sollte nicht als Fachmann angesehen werden, sondern als krimineller. Sorry, genau wegen solchen Spekulanten haben wir Krisen. Und wegen solchen Spekulanten bekommen Aktionäre immer mehr Geld und die Arbeitnehmer immer weniger.

  • P. H. am 13.02.2012 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fass ohne Boden

    Woher hat denn der Herr Milliardär das Geld? Soll er es doch den Griechen geben oder versteht dieser Herr nicht, dass es um Steuergelder geht?

  • BWLer am 13.02.2012 23:07 Report Diesen Beitrag melden

    Eurobonds

    Davon träumt er. Deutsche Zahlungsmoral (ich meine den Staat!) und griechische Zinsen.

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