Unlautere Werbung

29. September 2011 15:52; Akt: 29.09.2011 19:16 Print

Was ist sexy und was sexistisch?Was ist sexy und was sexistisch?

von Hans Peter Arnold - Die Grenzen zwischen Sexismus und Erotik sind nicht immer klar. Bei der Werbung kann dies heikel werden. Zum Beispiel, wenn ein Zürcher Metzger mit nackter Haut für sein Fleisch wirbt.

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Mit diesem Sujet auf einem Lieferwagen wirbt die Zürcher Metzgerei Keller. Der Slogan dazu: «Best meat in town» - das beste Fleisch der Stadt. Einer Privatperson war dies zu anzüglich und klagte bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission. Diese Kommission entschied: Die Werbung sei sexistisch, weil nackte Beine mit Fleisch nichts zu tun hätten. Weitere Beispiele sehen Sie auf den folgenden Seiten. Diese Werbung mit Ex-Miss Schweiz, Christa Rigozzi ist gemäss Lauterkeitskommission nicht geschlechterdiskriminierend. Die Darstellung habe einen notwendigen Bezug zum Produkt durch den Produktnamen «Angel». Dem Produkt soll eine weibliche Note vermittelt werden. Die Frau diene nicht nur als reiner Blickfang. Darüber hinaus seien keine stereotypen Eigenschaften oder Anzeichen von Unterwerfung oder Ausbeutung erkennbar. Es liege auch keine unangemessene Darstellung von Sexualität vor. «Suche Frau für aufrichtige Freundschaft»: Dieses Plakat zur Bewerbung von Kontaktanzeigen im Internet wurde von der Lauterkeitskommission als nicht sexistisch oder diskriminierend beurteilt. Für Durchschnittsadressaten ergebe sich aus dem fraglichen Sujet eine ersichtlich überzeichnete ironische Darstellung der Tatsache, dass in Kontaktanzeigen eine «aufrichtige Freundschaft» gesucht wird, in Realität aber auch sexuelle Absichten bestehen würden. Es sei kein diskriminierender Charakter erkennbar. In der Innenstadt von Luzern wurden im Mai 2003 viele Werbeplakate mit halb nackten Frauen von H&M mit Sprayereien bedeckt. Auch in der Westschweiz namentlich in Lausanne, Neuenburg und an verschiedenen Orten im Wallis wurden jene Plakate verunstaltet. Die Unterwäsche-Marke Sloggi von Triumph International wirbt mit viel nackter Haut. Allerdings stehen diese Kampagnen in einem engen Zusammenhang mit der sexy Unterwäsche. Im Jahr 2003 wurden die Sloggi-Plakate in mehreren Schweizer Städte in einer Nacht-und-Nebelaktion übermalt. Provozierend oder aufklärend? Die Modemarke Benetton erregte in den 80er und 90er Jahre mit ihren Werbekampangen die Gemüter. Politiker werden immer wieder für Werbezwecke missbraucht. Die CDU-Politikerin Vera Lengsfeld hatte im Jahr 2009 den Wahlkampf um eine pikante Note erweitert und damit für erhebliche Aufregung gesorgt: In ihrem Berliner Wahlkreis wirbt die 57-Jährige auf Plakaten mit tief ausgeschnittenem Decolleté. Neben das Lengsfeld-Foto wurde das Bild von Kanzlerin Angela Merkel montiert, das sie 2008 bei der Eröffnung der Osloer Oper mit tief ausgeschnittenem Abendkleid zeigte. Erotische Modeschau des Labels Victoria's Secret. Anstössig findet das kaum jemand. «Konzentriere Dich auf den Strassenverkehr»: Werbeplakate von Sloggi/Triumph in Beirut (Libanon). Muslimische und christliche Priester machten im Jahr 2004 bei den Behörden Druck, die Kampagne zu verbieten. Ein Werbeplakat wirbt für eine Erotikmesse: Die Art und Weise der Darstellung ist für diesen Event angemessen - falls die Plakate nicht neben einem Kindergarten kleben.

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Mit nackten Tatsachen für Mode, Fleisch oder Party-Getränke werben - ist das in Ordnung? Das fragen sich nicht nur Konsumentinnen und Konsumenten angesichts gewagter Plakate und Spots, welche die Schmerzgrenze strapazieren.

Zwar gibt es in der Schweiz kein nationales Gesetz, das sexistische Werbung verbietet. Hingegen beschäftigt sich die Lauterkeitskommission als Selbstregulierungsorganisation mit unlauterer Werbung, zu der auch sexistische Werbung gehört. Personen können sich an die Lauterkeitskommission wenden, wenn sie mit anstössigen Werbekampagnen konfrontiert werden. Das Selbstkontroll-Organ der Werbebranche kann dann, wie im Falle eines Zürcher Metzgers, eine Werbung als sexistisch tadeln.

Darf nicht Würde von Mann oder Frau verletzen

Die Beurteilung ist allerdings gerade deshalb heikel, weil Erotik in vielen Kampagnen immer bedeutender wird. Kommt hinzu, dass sich die subjektiven Einschätzungen über den guten Geschmack stark unterscheiden und ferner vom kulturellen Hintergrund abhängen.

Für die Lauterkeitskommission ist die Werbung dann sexistisch bzw. geschlechterdiskriminierend, wenn sie die Würde von Frau oder Mann verletzt. Geschlechterdiskriminierende Werbung liegt insbesondere dann vor, wenn die dargestellte Person als Objekt von Unterwerfung oder Ausbeutung sexistisch herabwürdigt wird. Sexistische Beeinträchtigung ist vor allem dann gegeben, wenn zwischen der das Geschlecht verkörpernden Person und dem Produkt kein natürlicher Zusammenhang besteht oder die Person in rein dekorativer Funktion als Blickfang dargestellt wird. Generell sei eine «unangemessene Darstellung von Sexualität» geschlechterdiskriminierend bzw. sexistisch. Einen solchen Fall sehen die brasilianischen Behörden im aktuellen Werbespot von Supermodell Gisele Bündchen.

Die Bildstrecke (oben) zeigt Beispiele, die in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren heiss diskutiert wurden. Klar ist dabei einzig: Die Grenze zwischen sexy und sexistisch ist nicht immer scharf.

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  • martin zehnder am 30.09.2011 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    aber hallo...

    na dann sind die alten coke light werbungen mit dem halbnacktem typen auch sexistisch oder nicht??

  • Daniel Münger am 29.09.2011 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nur auf potthässliche Frauen...

    wirken solche Bilder sexistisch! Ich finde sie erotisch und absolut passend zu -> Fleisch!

  • Steff am 29.09.2011 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen halt...

    Im Text steht folgendes fett gedruckt "Darf nicht Würde von Mann oder Frau verletzen". Ich frage mich aber wieso immer nur ein Zirkus gemacht wird wenn es sich um weibliche Models handelt?

    • Nena Mila am 18.10.2011 21:21 Report Diesen Beitrag melden

      weil Frauen ein Sexobjekt sind

      Weil es kaum Plakate gibt auf denen Männer so dargestellt werden. Oder kennst du solche Beispiele? Mir kommt jetzt spontan keins in den Sinn. Auf 90% der sexistischen Plakaten sind Frauen die Sujets, nicht Männer.

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