Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Zuppigers Rückzug
08. Dezember 2011 13:02; Akt: 09.12.2011 10:19 Print
«Jetzt bin ich für sie nicht mehr so interessant»
von Jessica Pfister - SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger steigt aus dem Rennen um einen Bundesratssitz aus. Die Parteileitung gibt zumindest zu, die Situation etwas blauäugig eingeschätzt zu haben.

Ein sichtliche geknickter Bruno Zuppiger verlässt frühzeitig die Medienkonferenz am Donnerstag, an der er seinen Rückzug bekannt gegeben hat. (Bild: Keystone)
Der Traum vom Bundesrat für SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger
Bruno
Zuppiger
SVP, ZH
NationalratVerbunden mit
PGMM Schweiz AG, Winterthur
weitere Verbindungen anzeigen ist zu Ende. «Um meine Partei nicht weiter zu belasten, habe ich mich heute Morgen entschieden, meine Kandidatur zurückzuziehen», sagte Zuppiger am Donnerstagnachmittag vor den Medien in Bern. Er bedankte sich bei der SVP für das Vertrauen und erklärte, dass er sich weiterhin von der Fraktion getragen fühle. Für Fragen stand Zuppiger nicht zur Verfügung, sondern verliess sichtlich gekränkt die Medienkonferenz vorzeitig. «Ich habe gesagt, was ich sagen musste. Jetzt bin ich für sie nicht mehr so interessant», waren seine Worte.
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich prüft, ob allenfalls eine Strafuntersuchung gegen SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger zu eröffnen ist, wie Sprecherin Corinne Bouvard auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Behörde habe vor Erscheinen der Meldung in der «Weltwoche» keine Kenntnisse der im Artikel beschriebenen Vorfälle gehabt. So schnell werde es aber kein Resultat geben, sagte Bouvard weiter. Auf Immunität dürfte Zuppiger nicht hoffen: Diese geniessen Mitglieder der eidgenössischen Räte nur für Äusserungen und Taten im Zusammenhang mit ihrem Amt. (sda)
Fraktionschef Caspar Baader
Caspar
Baader
SVP, BL
NationalratVerbunden mit
August Holinger AG, Liestal
weitere Verbindungen anzeigen räumte vor den Medien ein, dass die Lagebeurteilung aufgrund der vorgelegten Unterlagen wahrscheinlich falsch war. «Wir haben die Situation vielleicht zu blauäugig eingeschätzt», sagte Baader. Die Parteileitung habe nicht alle Details gekannt, wie sie der Artikel in der Weltwoche publik gemacht hatte. Laut Parteipräsident Toni Brunner
Toni
Brunner
SVP, SG
NationalratVerbunden mit
Verband Stahl-, Metall- und Papier-Recycling (VSMR) Schweiz
weitere Verbindungen anzeigen sei neu gewesen, dass Zuppiger ein Dokument unterschrieben habe, dass die Überweisung auf sein eigenes Konto veranlasst habe. Die falsche Lagebeurteilung sei passiert, weil nicht alle Fakten bekannt gewesen waren. «Hätten wir gewusst, dass Bruno Zuppiger die Überweisung selber unterschrieben hat, hätten wir ihm von einer Kandidatur abgeraten», sagte Brunner.
Brunner und Blocher haben entschieden
Fraktionschef Baader habe am 30. November, am Tag vor der Nomination, einen Tipp von einer Person ausserhalb der Fraktion erhalten, dass Vorwürfe gegen Zuppiger auftauchen könnten. Er habe daraufhin Parteipräsident Brunner und Vizepräsident Blocher informiert und bei der Anwältin der Gegenseite Informationen eingeholt. Brunner und Blocher haben daraufhin wenige Stunden vor der Nomination durch die Fraktion mit Zuppiger gesprochen und entschieden, dass der Vorfall kein Hindernis für eine Kandidatur sei.
Deshalb halte man es nach wie vor für richtig, die Fraktion nicht informiert zu haben. Die Notwendigkeit für personelle Konsequenzen sieht Baader nicht - weder bei der Parteileitung, noch bei Zuppiger. «Bruno Zuppiger muss selber entscheiden, ob er aus dem Nationalrat zurücktreten will oder nicht», sagte der Fraktionschef. Die Parteispitze habe ihn nicht dazu aufgefordert.
«Niemand aus der Partei dahinter»
Der Rückzug von Zuppiger erstaunt nicht angesichts der schweren Vorwürfe, die die «Weltwoche» gestern publik gemacht hatte. Der Zürcher Nationalrat soll in einer Erbschaftsangelegenheit 100 000 Franken veruntreut haben - und die Parteileitung nominierte den Zürcher für die Landesregierung, obwohl sie davon wusste. Als dies bekannt wurde, brodelte es bei der SVP: Parteimitglieder warfen der Führungsspitze Naivität vor und Gerüchte wurden laut, dass hinter den Enthüllungen der SVP-freundlichen «Weltwoche» gar eigene Partei-Vertreter stecken würden. Bruno Zuppiger ist hingegen überzeugt, dass niemand aus der Partei damit zu tun hatte, wie er vor den Medien bekräftigte. «Diese Unterlagen können nur aus den involvierten Anwaltskanzleien stammen.»
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 152 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt




Auf Nummer sicher
Also, die eher SVP-freundliche Weltwoche schiesst den SVP-Bundesratskandidaten mit den vermutlich besten Wahlchancen ab! Ziemlich eigenartig! Was R. Köppel bewogen haben mag diesen Artikel rauszulassen? Wer geht hier auf Nummer sicher?
Transparenzpartei
Die Transparenz-Partei. Christoph Blocher will, dass der Bundesrat öffentlich tagt, aber 4 Personen quasi küren den BR-Kadidaten. Hier zeigt sich, dass die Partei ein riesiges Problem an selbstdenkenden Parlamentariern hat. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn keine Persönlichkeit aufgestellt werden können. Das "geheime" Vorgehen von Blocher bei der Basler Zeitung zeigt, wie tranparent die Partei wirklich ist.
Soviel Dreck am Stecken
Der Beste Kommentar aus der Presse ist der von Ueli Leuenberger: «Jeden Ausländer, der ein Velo klaut, will diese Partei ausschaffen. Aber einen, der soviel Dreck am Stecken hat, wollte diese Nulltoleranz-Partei zum Bundesrat machen!»