25. November 2007 12:03; Akt: 25.11.2007 23:50 Print

Diener sticht Maurer deutlich ausDiener sticht Maurer deutlich aus

Die grünliberale Verena Diener ist neue Zürcher Ständerätin. Sie schlug im zweiten Wahlgang ihren Konkurrenten, SVP-Mann Ueli Maurer, deutlich um 29 513 Stimmen. Die ehemalige Regierungsrätin zeigte sich überrascht über die Deutlichkeit ihres Sieges.

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Ständeratskandidaten Verena Diener und Ueli Maurer am 8. November während eines TV-Rededuells in Winterthur. (Bild: Keystone)

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Insgesamt votierten 199 594 Zürcher Stimmberechtigte für die ehemalige Gesundheitsdirektorin, was 53 Prozent der gültigen Stimmen entspricht. Maurer kam auf 45 Prozent (170 081 Stimmen). 1,5 Prozent stimmten für die nicht kandidierende SP-Frau Chantal Galladé, die restlichen 0,5 Prozent kamen Vereinzelten zu Gute. Mehrheitlich für Diener stimmten nicht nur die grossen Städte und einige Agglomerationsgemeinden, sondern auch etliche Landgemeinden im ganzen Kanton. Die Stimmbeteiligung betrug 44,8 Prozent.

Beim ersten Wahlgang vom 21. Oktober hatte nur der freisinnige Felix Gutzwiller das absolute Mehr knapp erreicht. Am zweitmeisten Stimmen holte damals Maurer mit rund 150 000 Stimmen vor der SP-Kandidatin Chantal Galladé mit 110 000 Stimmen und Diener mit 100 000 Stimmen.

«Absolut nicht erwartet»

Sie habe absolut nicht erwartet, dass sie «in diesem Ausmass» ihren SVP-Konkurrenten Ueli Maurer überflügeln würde, sagte die grünliberale Verena Diener. Offensichtlich habe die grosse Koalition der Vernunft funktioniert. Sie hoffe, dass dieses Zusammenspannen auch künftig spiele, wenn es um wichtige politische Probleme gehe.

GLP-Co-Präsident Martin Bäumle freute sich besonders darüber, dass offenbar auch viele Freisinnige für die ehemalige Regierungsrätin gestimmt hätten.

Gerade dies ärgerte wiederum den unterlegenen SVP-Kandidaten Ueli Maurer. Umso mehr, als umgekehrt die SVP jeweils hinter der FDP stehe, wenn es drauf an komme. Dass er eine Niederlage würde einstecken müssen, habe er seit einiger Zeit erwartet: Ein Zeichen dafür sei gewesen, dass er immer wieder auf der Strasse angepöbelt worden sei und böse Briefe erhalten habe.

«Zürich hat verloren», bedauerte SVP-Kantonlpräsident Hansjörg Frei. Er ortete einen «Neider»-Effekt: Angesichts des diesjährigen guten Abschneidens der SVP bei Wahlen hätten wohl viele bürgerlich Wählende gedacht, nun sei es zuviel.

Die FDP-Spitze hatte sich klar hinter Maurer gestellt. Nach dessen Niederlage und angesichts der Verluste der Partei bei den Nationalratswahlen kündigte FDP-Kantonalpräsidentin Doris Fiala an, sie erwäge ihren Rücktritt.

SP und Grüne bezeichneten das Wahlergebnis als Vernunftentscheid. Einmal mehr habe sich gezeigt, dass polarisierende Figuren in einer Majorz-Wahl keine Chance hätten, sagte SP-Kantonalpräsident Martin Naef.

Laut Balthasar Glättli, Co-Präsident der Grünen, haben die Grünen gemerkt, dass die Wahl der falsche Ort wäre, um Ressentiments im Zusammenhang mit der Abspaltung der Grünliberalen aufleben zu lassen.

CVP-Präsident Markus Arnold lobte Diener als «würdige Vertreterin» des Kantons Zürich im Ständerat, die für eine sozial- liberale Politik eintrete. Mit Diener werde das soziale und ökologische Zürich im Ständerat angemessen vertreten, betonte die EVP.

FDP-Basis zum Teil für Diener

Seit 1998 war die Zürcher Vertretung in der kleinen Kammer rein bürgerlich. Die SVP muss nun ihren Sitz abgeben, den Hans Hofmann damals nach dem Rücktritt von Monika Weber (LdU) gewonnen hatte.

Im ersten Wahlgang vom 21. Oktober wurde nur FDP-Fraktionschef Felix Gutzwiller gewählt. Er erreichte als einziger der 12 Kandidierenden das absolute Mehr - allerdings nur sehr knapp. Die 58-jährige Diener landete - hinter Maurer und Galladé (SP) - bloss auf dem vierten Platz.

Dank der Unterstützung durch SP, Grüne, EVP und CVP gelang es der Vertreterin der erst 2004 gegründeten Kleinpartei, den 57- jährigen SVP-Spitzenmann zu distanzieren. Die FDP-Basis war offenbar der Wahlempfehlung ihrer Partei nur zum Teil gefolgt.

Gezerre um Mitte-links-Kandidatur

Nach dem ersten Wahlgang kam es zwischen SP und GLP zum Streit, wer die besseren Chancen habe, Maurer zu schlagen. Grüne, EVP und CVP verlangten von den beiden Parteien, sich auf eine Kandidatur zu einigen. Dies gelang jedoch zunächst nicht.

Da Galladé im ersten Wahlgang 10 000 Stimmen mehr als Diener machte, fand die SP, ihre Nationalrätin solle als Vertreterin von Mitte-Links in den Kampf steigen. Die 34-Jährige gab dann auch als erste ihre Kandidatur bekannt.

Diener blieb aber hart und erklärte, sie trete auch wieder an. Sie begründete dies damit, dass sie für Wählerinnen und Wähler bis weit ins bürgerliche Lager hinein wählbar sei. Die SP-Kandidatin zog darauf ihre Kandidatur «im Dienste der Sache», wie sie betonte, zurück. Sie empfahl, Diener zu unterstützen.

Fünfte Zürcher Frau im Stöckli

Diener ist nach Emilie Lieberherr (1978-1983, SP), Monika Weber (1987-1998, LdU), Vreni Spoerry (1996-2003, FDP) und Trix Heberlein (2003-2007, FDP) die fünfte Frau, die den Kanton Zürich im Ständerat vertritt. Sie gehörte von 1987 bis 1998 als Vertreterin der Grünen dem Nationalrat an. Von 1992 bis 1995 war sie Präsidentin der Grünen der Schweiz.

Im Sommer 2004 trat sie aus der Partei aus und gründete im Kanton Zürich die Grünliberale Partei. Bei den Nationalratswahlen gelang es der Partei, drei Sitze zu holen. Diener wurde in den Nationalrat gewählt, obwohl sie auf dem letzten Listenplatz antrat. In die grosse Kammer rückt nun Thomas Weibel (Horgen), Co-Präsident der GLP des Kantons Zürich, nach.

(sda)

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