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10. April 2017 14:33; Akt: 13.04.2017 10:43 Print

«Beim Lohn nicht ehrlich zu sein, ist riskant»

Mehr Geld nach dem Stellenwechsel: Die Frage nach dem letzten Salär ist entscheidend – und muss geschickt beantwortet werden. Ein Profi sagt wie.

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Die Bandbreite bei den Löhnen in der KV-Branche ist hoch. So verdient etwa ein Callcenter-Mitarbeiter zwischen 47'750 und 58'000 Franken pro Jahr, ein Personalsachbearbeiter hingegen zwischen 62'000 und 71'750 Franken. Das zeigt eine Gehaltsübersicht von Robert Half. Das Lohnbuch 2016 zeigt die Löhne in weiteren Branchen: : Der Mindestlohn für Automechaniker in der Schweiz beträgt laut GAV 4450 Franken. Letztes Jahr waren es 4400 Franken. Sie verdienen gemäss Lohnbuch 7436 Franken. Das Salär eines Chefarztes beträgt laut Lohnbuch 12'824 Franken. Die Mediziner kommen in den Genuss von 13 Monatslöhnen. Laut GAV für das Coiffeurgewerbe sollen Coiffeure mindestens 3712 Franken verdienen. Das sind genau 12 Franken mehr als 2015. : Die Zahnarztgehilfinnen verdienen mindestens 3700 Franken. Diplomaten verdienen als Missionschef 13'474 Franken pro Monat. Im Bild Ex-Botschafter Tim Guldimann, der heute als Nationalrat für die SP in Bern politisiert. : Ein Elektromonteur verdient laut GAV ab dem 2. Berufsjahr mindestens 4550 Franken pro Monat. In diesem Beruf verdient man ab dem 2. Berufsjahr 3500 Franken im Monat (Brutto-Mindestlohn für Gelernte mit Berufslehre). Laut dem Lohnbuch verdienen Flugverkehrsleiter ab dem 15. Lizenzjahr 13'106 Franken. : Mitarbeiter mit Berufslehre erhalten laut GAV 4108 Franken. : Köche verdienen 4108 Franken ab dem 1. Berufsjahr. : Mindestens 3186 Franken gibt es für den Job. : Verkäufer an Kiosken verdienen laut Lohnbuch 2016 3712 Franken für ein 100-Prozent-Pensum. : Lastwagenchauffeure verdienen 4500 Franken laut Astag-Vereinbarung. Lehrerinnen und Lehrer für die 1. bis 3. Klasse verdienen im Kanton Zürich laut dem Lohnbuch mindestens 6981 Franken. Ein Pensum beinhaltet 29 Wochenlektionen. Ein Captain verdient bei der Swiss auf der Langstrecke mindestens 8898 Franken. : Ein Polizeigefreiter verdient 5512 Franken pro Monat (Mindestansatz ab Beförderung zum Gefreiten). verdienen 3855 Franken pro Monat. Die Mindestlohnempfehlung für Sozialarbeiter beträgt für Leiter eines dreiköpfigen Teams 7285 Franken. Auf dem Bild von 2003: Der blinde Beat Herren kontrolliert mit seinen Fingerspitzen Braillezeilen, die er am PC mit dem Screenreader als Hilfsmittel geschrieben hat. Herren arbeitet als Sozialarbeiter im Haus Felsenau in Bern. : Detailhandelsangestellte verdienen bei Coop und Migros ungefähr 4000 Franken im Monat. Die Einstiegslöhne liegen allerdings leicht darunter. : Sie verdienen als Brutto-Mindestlohn 3686 Schweizer Franken.

Fehler gesehen?

Herr Locher, was soll man sagen, wenn im Bewerbungsgespräch die obligate Frage nach der Lohnvorstellung gestellt wird?
Das kommt auf die Situation an. Für eine erfolgreiche Lohnverhandlung muss man sich gut vorbereiten.

In der Regel will man mehr verdienen als zuvor. Reicht es nicht, den Wunschlohn zu nennen?
So einfach ist es nicht. Zuerst muss man wissen, wo man steht im Vergleich zu branchenüblichen Löhnen. Dafür gibt es im Netz Lohnrechner, Empfehlungen von Branchenverbänden, Lohn-Ratings etc. Je nachdem, ob man unter dem Durchschnitt, in der Mitte oder darüber liegt, geht man anders in die Verhandlung.

Was tun, wenn man darunter liegt?
Wenn im neuen Job marktübliche Löhne bezahlt werden, dann sollte es keine Probleme geben mit einer Verbesserung des Salärs.

Also den Wunschlohn nennen?
Das ist eine Option, wenn dieser im Mittelfeld liegt. Oder man fragt zurück, was das Angebot ist. Vielleicht liegt es gar über dem eigenen Wunsch. Das ist zwar nicht oft der Fall, kürzlich haben wir das aber erlebt bei einer Firma, die deutlich mehr zahlte, als es sich der Bewerber vorgestellt hatte.

Und wenn man im Mittelfeld liegt?
Eine Zahl nennen – und Argumente parat haben, weshalb man dieses Salär verdient hat: zum Beispiel die eigene Erfahrung, das anspruchsvolle Jobprofil, die neue Verantwortung. Die Lohnverhandlung ist schnell sehr individuell. Hat man einen ungekündigten Job und testet den Markt, kann man härter verhandeln. Wird man demnächst entlassen oder ist arbeitslos, kann man nicht immer aufs Ganze gehen.

Wie ehrlich soll man sein, wenn die Frage nach dem bisherigen Lohn gestellt wird?
Wenn man nicht ehrlich ist, riskiert man viel.

Darf der alte Arbeitgeber dem neuen den Lohn nennen?
Nein, darf er nicht.

Wo liegt dann das Risiko?
Man kann fast alles herausfinden, auch den Lohn. In vielen Branchen ist man verbandelt, redet beim Bier über Kandidaten oder hat sonst Beziehungen, um Auskünfte einzuholen.

Das wird gemacht, auch wenn es gegen die Vorschriften ist?
Es beginnt bereits damit, dass man bei der Suche nach einem neuen Mitarbeiter Bekannte fragt, ob sie jemanden kennen, was sie von dieser oder jener Person halten. Das ist normal. Streng genommen werden aber oft Auskünfte eingeholt, die ohne Erlaubnis des Betroffenen nicht erteilt werden dürften. Kennt man sich, kann auch der Lohn thematisiert werden, obwohl das verboten ist. Nennt man eine falsche Zahl und es kommt aus, ist man aus dem Rennen.

Will man überhaupt einen Arbeitgeber, der mit solchen Mitteln arbeitet?
Das ist eine andere Frage, die jeder selbst beantworten muss. Es ist alles andere als korrekt, wird aber praktiziert. Menschen sind miteinander verbandelt, vor allem auch im Arbeitsleben.

Wenn man Bedenken hat, den alten Lohn zu nennen, was kann man antworten?
Man kann eine Grössenordnung nennen anstatt eines exakten Betrags, zum Beispiel «um die 75’000 im Jahr».

Wenn man sehr gut verdient, aber sich trotzdem verbessern will, wie soll man da vorgehen?
Ich rate dazu, keine konkrete Zahl zu nennen, sondern zu sagen, was einem neben dem Lohn wichtig ist: zum Beispiel die Aufgaben und Kompetenzen, das Arbeitsumfeld, die Aufstiegschancen, die Firma oder das Team. Dann kann man den Ball zurückspielen und fragen, wie das Budget aussieht.

Und wenn es viel tiefer ist als die eigene Vorstellung?
Dann wird es schwierig. Offenheit zahlt sich aus. Wenn das Angebot 70’000 ist und man jetzt 90’000 verdient, dann ist das ein grosser Unterschied. Das würde ich offenlegen. Gibt es eine Möglichkeit, das Angebot zu verändern? Gibts andere Benefits? Wichtig ist auf jeden Fall, vorgängig die eigene Schmerzgrenze zu definieren. Man sollte sich auch fragen, ob man eine Stelle unbedingt will oder nicht.

Deutliche Lohneinbussen nimmt man wohl nur in Kauf, wenn man nicht anders kann.
Nicht unbedingt. Viele stehen auf grosse Firmen, bekannte Brands. Sie wollen unbedingt einmal für einen Weltkonzern arbeiten. Dort sind die Löhne oft sehr gut, aber nicht immer. Trotzdem reissen sich die Leute darum. Oder der Anfangslohn ist okay, sie bekommen bald mehr Verantwortung – aber kein höheres Salär.

Löhne bestehen nicht nur aus Geld, das auf dem Konto landet. Wo geht es 2017 mit den Salären hin, nehmen zusätzliche Leistungen wie mehr Ferien, Weiterbildung, Leistungslohn etc. zu?
Ja, der variable Anteil steigt immer mehr. Wir fragen alle Stellensuchenden, wie hoch ihr fixer und variabler Anteil ist, wie sich diese Lohnbestandteile entwickeln sollen und wo ihre Schmerzgrenze liegt. Manchmal machen bereits Dinge wie ein Parkplatz, Homeoffice, flexible Arbeitszeit oder mehr Ferien einen Unterschied.

Ein Parkplatz?
Ja, das ist für viele wichtig. Bei KMU kann man über solche Dinge oft einfacher verhandeln als etwa bei einer Grossbank. Die haben eine fixe Struktur, was die Gehaltsnebenleistungen für die Mitarbeiter betrifft. Die ist für alle gleich. Sitzt man den Entscheidern gegenüber, etwa dem Inhaber oder Geschäftsführer, ist mehr möglich.

Ist es ein guter Weg, allenfalls mit einem Lohn unter der Schmerzgrenze einverstanden zu sein, aber bereits vor Stellenantritt eine Steigerung nach der Probezeit oder einem Jahr anzusprechen?
Das kann man, wenn man die Stelle unbedingt will. Auch eine Weiterbildung kann ein Thema sein. Allerdings sehen das Arbeitgeber durch die Abwesenheiten und die Doppelbelastung oft auch kritisch.

Wann wird der Lohn thematisiert?
Üblicherweise fragen Profis im ersten Gespräch, sogar bereits am Telefon bei der Terminvereinbarung, nach den Lohnvorstellungen. Niemand will erst im dritten Gespräch herausfinden, dass die Vorstellungen unvereinbar weit auseinanderliegen.

Diesen Beitrag hat Commercial Publishing Tamedia in Zusammenarbeit mit Jobs.ch, der führenden Schweizer Jobbörse, erstellt.

(CP/ep)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • IT Freak am 10.04.2017 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlichketin kann sich auszahlen

    Habe erst gerade gewechselt: Bei der Frag nach dem Lohn sagte ich ganz genau was ich verdiene aber auch das dies mit zu 90% der Grund des Wechsels ist. Und bei der Frage was ich den verdienen möchte, führte ich meine Abschlüsse und Erfahrung und den Median der im Gewerbe üblich ist als Minimum an. Ich stellte klar das ich dafür kommen würde, natürlich aber lieber noch mehr hätte als Anreiz. Mein neuer Chef bot mir dann auch entsprechend mehr, mit der Begründung er möge Ehrlichkeit und wenn jemand wisse was er wolle! Wen ihr wisst was ihr wert seit, verlangt dies aber nicht übertreiben!

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  • Ralfg B am 10.04.2017 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Leben

    Ich habe duie Stelle gewechselt verdiene nun 30% weniger dafür hab ich auch mal Freizeit. Das lustige dabei ist ich spare mehr weil ich keine Frustkäufe mehr brauche

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  • Heinz am 10.04.2017 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach mal sanft probieren

    Bei einer Beförderung hatte ich mal ein lustiges Erlebnis. Ich hatte KEINE Ahnung, was ich für einen Lohn erhalten würde, freute mich einfach riesig über die Beförderung zum Abteilungsleiter mit gerade mal 30 Jahren. Ich hatte damals um die 80'000.-. Dann sagte der Chef, was ich denn von 100'000 halten würde. Ich bekam ein nervöses Kribbeln im Magen, blieb aber cool und erwähnte dann Verantwortung, Ausbildung, etc. und sagte, dass ich mir so ca. 110'000.- vorgestellt hätte (was gar nicht stimmte, ich hatte mich gar nicht vorbereitet). Und siehe da, er fand es fair und hat es oben durchgebracht

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Die neusten Leser-Kommentare

  • noname am 12.04.2017 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    niemals

    verkauf 4000??? was ich nicht lache. ich verdiene im verkauf jetzt 80 % 2800 und bei coop waren es 2900 mit 80 % ausbezahlt. vieleicht verdient ein abteilungsleiter da 4000...

  • EinLeser am 11.04.2017 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kennt ihr das?

    Man macht einen Lohnvorschlag (der eigentlich schon sehr gut wäre) und der neue Arbeitgeber antwortet wie aus der Pistole "Aber klar natürlich machen wir!", passiert mir leider oft, dann höre ich beim ersten Feierabendbier, was die anderen verdienen und könnte mich hauen.

  • Zynismus-Opfer am 11.04.2017 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Realität

    Wer mit 58 Jahren die Kündigung erhält und dann auf Stellensuche gehen muss, wird wohl weder Wunschlohn noch irgendwelche Sonderwünsche nach Benefits äussern, sondern einfach nur noch froh sein, es irgendwie über die Runden zu schaffen. Doch zuerst geht es in die demütigende Tretmühle des RAV, dann kommt die Sozialhilfe, und wer dann noch Mut zum Leben hat, dem sei gratuliert! DAS ist auch die Schweizer Realität, meine Lieben!

  • Andi Fire am 11.04.2017 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohnvorstellung

    Man muss wissen,weshalb man den Lohn verlangt. Argumente weshalb man diesen Lohn wert ist. Tip:Ein Grundlohn verlangen,mit welchem man zufrieden ist und einen Bonus für gute Jahre in den Verteag nehmen. Fixe Lohnkosten sind für kleine Unternehmungen heikel. Aber mit Bonus kann der Unternehmer noch Steuern sparen.Lieber den Gewinn an gute MA geben als dem Fiskus(der provitiert ja trotzdem).

  • wie blöd sind wir arbeitnehmer? am 11.04.2017 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    schon kosmisch

    ich wurde noch nie gefragt was ich vorher verdient habe und warum soll das auch ein neuer arbeitgeber wissen, damit er mir nicht zuviel bezahlt? aber gerade deswegen habe ich doch immer einen neuen job angenommen! und heute verdiene ich 4000.- mehr als noch vor 5 jahren, alles nur immer durchs wechseln und erfahrungen sammeln, ohne je eine weiterbildung gemacht zuhaben!