Sponsored

08. Oktober 2017 20:46; Akt: 31.10.2017 15:05 Print

Wie Sie Entscheidungen besser treffen können

Internet sei Dank: Oft sammelt man so viele Informationen, bis man nicht mehr entscheiden kann. Das hat zwar System – doch weniger wäre oft mehr.

storybild

Illustration: Marcel Reich

Fehler gesehen?

Wie hat man sich eigentlich in der Zeit vor dem Internet einen neuen Fernseher gekauft? Fast nicht mehr vorstellbar, dass man früher in ein Fachgeschäft ging, sich beraten liess und sich dann vor Ort aufgrund der Informationen des Händlers entschieden hat. Heute gibt es nicht nur eine kaum überschaubare Menge an Geräten, sondern auch eine noch grössere Zahl an Kaufhilfen. Hier ein Vergleichsportal, dort ein Blog, dazu Kundenbewertungen auf allen Kanälen.

Kein Wunder kann einem die Lust vergehen. Tagelang hat man sich durchs Netz geklickt, Expertisen gelesen und Fakten verglichen. Doch am Ende hat man so viele Informationen gesammelt, dass man sich schlicht nicht mehr entscheiden kann. OLED oder LED, Curved oder doch besser Flachbildschirm? Jeder weiss es am besten. Und den überforderten Kunden in der schönen neuen Technik-Welt raucht der Kopf.

Verloren im Overkill

Dabei ist das übertriebene Sammeln von möglichst viel Information nachvollziehbar. Gerade weil Hinweise heute in Hülle und Fülle schnell und einfach verfügbar sind, wollen wir sie nutzen. Wir gehen davon aus, dass neue Fakten wertvoller sind als vorhandene. Schliesslich wollen wir eine möglichst breite Grundlage für einen Entscheid schaffen.

Doch der Drang nach immer noch mehr Informationen endet im Overkill. Denn wir können die Fakten nicht mehr verarbeiten und fühlen uns in der Informationsflut verloren. «Information Bias», die Mehrfach-Information, wie es Verhaltensforscher nennen, verleitet dazu, dauernd neue Fakten zu sammeln und die vorliegenden nicht mehr richtig zu nutzen.

Gezielt in die Irre geführt

Opfer sind wir alle. Denn im Informationszeitalter ist die Frage weniger, wie man an Fakten herankommt, sondern wie man sie filtert. E-Mails, Websites, Blogs, Feeds, Twitter, Facebook – alles kommt durch, nichts kommt an. Unser «Immunsystem gegen Informationen» funktioniere nicht mehr, schrieb US-Medienkritiker Neil Postman bereits in den 90er Jahren. Und der verstorbene «Spiegel»-Gründer Rudolf Augstein bemerkte: «Die Zahl derer, die durch zu viele Informationen nicht mehr informiert sind, wächst».

Wie bei jeder Entwicklung gibt es Nutzniesser. Wenn Juristen sich bei eigentlich einfachen Fällen mit immer noch umfangreicheren Dossiers übertrumpfen, ist das nichts anderes als ein Manöver der Missinformation. Auch im Gespräch mit dem Bankberater kann einem der Kopf rauchen. Immerhin wird der einem – meist nicht ganz uneigennützig – gerne weiterhelfen. Und wenn Politiker oder Richter Gremien einberufen oder neue Gutachten anfordern, versteckt sich auch dahinter nur allzu oft die Angst vor dem Entscheid.

Die Kraft der Reduktion

Diese Fluchthandlungen sind kontraproduktiv. Je mehr Informationen auf uns einprasseln, desto mehr entscheiden wir aus dem Bauch heraus. Der Griff zu vereinfachenden Faustregeln nennt die Wissenschaft Heuristik. Mit wenig Aufwand kann man ein gutes, aber nicht optimales Resultat erreichen. Man verlässt sich auf Erfahrung, Gefühl oder Vertrautheit.

Das muss nicht per se schlecht sein. Doch ein faktenbasiertes Urteil sieht anders aus. Genau so wenig gibt es jedoch ein allgemein gültiges Rezept, wann wie viele Informationen sinnvoll sind. Jeder muss selbst wissen, wann er den besten Durchblick hat – und wann dieser ihm wegen seinem rauchenden Kopf abhanden gekommen ist.

Die kürzlich gescheiterte Altersreform 2020 ist ein gutes Beispiel. Eine repräsentative Umfrage der Axa Investment Managers, durchgeführt vom Institut gfs Zürich, hat gezeigt, dass das Interesse in der Bevölkerung am Thema kurz vor der Abstimmung gesunken war. Als mögliche Erklärung führte der Leiter gegenüber der «AZ» ein «Überangebot an Informationen, das zu einem Overkill geführt hat» ins Feld.

Dabei wäre es besonders beim Thema Vorsorge wichtig, dass man mit den richtigen – und nicht mit möglichst vielen – Informationen entscheiden kann. Denn die Rente ist kein Fernseher. Man kann nicht einfach eine Neue kaufen.

Wie wehren Sie sich gegen zu viel Information? Wann ist gut, wann genug?



Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Napfkuchen am 04.10.2017 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    So gehts am besten

    Die schönsten und glücklichsten Tage erlebe ich wenn ich weder Zeitungen lese noch TV schaue. Bei dem ganzen geistigen Durchfall was bei uns durch die Medien flimmert, behauptet und prophezeit wird kein wunder! Die Medien sind schon lange nicht mehr als Informatiosquelle gedacht sondern haben sich zu einer Meinungslenkung entwickelt die viel zuviele von uns das Falsche glauben lässt. (Bin dann wieder Offline)

    einklappen einklappen
  • Kritischer Leser am 04.10.2017 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoller Artikel. Respekt.

    Wow. Wer hätte das gedacht. Diesen Artikel finde ich wirklich sinnvoll. Endlich mal eine Information die wirklich wertvoll ist. Leider sind tatsächlich sämtliche Mainstream Medien gleichgeschaltet aber der Hinweis auf zu viel Information ist super. Jeder sollte seine Quellen kritisch hinterfragen. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom(Mainstream).

    einklappen einklappen
  • Walter Portmann am 04.10.2017 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    That's the way to do it

    Ganz einfach, TV-Infosendungen auf verschiedenen Kanälen, Zeitungen physisch und online und mit Kollegen/Freunden diskutieren. Social Media meide ich, d.h. ich bin bei keiner dabei, auch keine Blogs, etc. Da ich kein Handy habe, werde ich auch nicht laufend gestört.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 10.10.2017 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Intelligenz und Bauchgefühl sind auch sehr nützlich bei Entscheidungen. Und wer diese nicht hat, klickt sich halt durchs Netz.

  • Makario am 09.10.2017 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Entspannen

    Entspannen, meditieren und keine Nachrichten schauen wird sicher helfen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

  • walter45 am 09.10.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    gibt es heute die Möglichkeit, sich anderweitig zu informieren, denn die Mainstreammedien bringen oder unterdrücken Informationen, wie es die Konzernleitungen bestimmen.

  • Roger am 09.10.2017 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    endlos geistlos

    Ja, das kann ich oft an den Kommentaren bemerken

  • Samsi am 09.10.2017 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    stimmt!

    Stimmt genau. Man muss halt die Quelle der entsprechenden Information gut überprüfen auf Seriosität, eigene Interessen etc. Frappant ist der Info-Überflusseffekt auch bei den Krankheitssymptomen. Man muss nicht sehr lange suchen, ist man bereits sterbenskrank ;-)