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Kubanische Dissidenten
19. März 2010 11:15; Akt: 19.03.2010 11:22 Print
«Damen in Weiss» auf der Strasse in Havanna
Seit Tagen demonstrieren Mütter und Ehefrauen von kubanischen Dissidenten in Havanna. Die Kritik an Kubas Menschenrechtspolitik verschärft sich.

Laura Pollán (Mitte), die Anführerin der «Damas de Blanco». (Bild: Keystone/Javier Galeano)
Den dritten Tag in Folge haben Anhänger der kubanischen Regierung am Donnerstag in Havanna etwa 30 sogenannte Damen in Weiss niedergeschrien, die für ihre als Regierungsgegner inhaftierten Söhne oder Ehemänner demonstrierten. Nachdem die weissgekleideten Frauen im Anschluss an einen Gottesdienst eine Kirche in der Altstadt verliessen, wurden sie von mehr als 200 Gegendemonstranten eingekesselt.
Nach 42 Jahren schuldigIn New York hat sich ein Mann 42 Jahre nach der Tat zu einer Flugzeugentführung bekannt. Der heute 67-Jährige räumte vor Gericht ein, im November 1968 ein in New York gestartetes Flugzeug nach Kuba umgelenkt zu haben. Ursprünglich sollte die Maschine mit 96 Passagieren und 7 Besatzungsmitgliedern nach Puerto Rico fliegen. Der Angeklagte und seine zwei Komplizen hatten die Besatzung mit Pistolen und Messern bedroht, die sie in einer Windeltasche an Bord geschmuggelt hatten. Der Mann hatte sich mehr als vier Jahrzehnte in Kuba versteckt gehalten und galt in den USA als einer der am längsten gesuchten Verbrecher.
Die Maschine wurde von kubanischen Jägern zur Landung eskortiert und später den USA zurückgegeben. Im Herbst vergangenen Jahres war der Angeklagte freiwillig nach New York zurückgekehrt - auf denselben Flughafen, auf dem 41 Jahre zuvor alles angefangen hatte. Der US-Amerikaner gab an, dass er noch einmal seine Frau und andere Familienmitglieder sehen wolle, die auf Puerto Rico und in Florida wohnen. Seine beiden Komplizen waren bereits vor Jahrzehnten zurückgekehrt und Mitte der 70er Jahre zu 15 und 12 Jahren Haft verurteilt worden. (sda)
Die Kundgebung der «Damas de Blanco» wurde von Laura Pollán angeführt, die ungeachtet des Drucks der Regierung eine Fortsetzung der Demonstrationen ankündigte. Unter den Frauen befand sich auch Reyna Luisa Tamayo, deren inhaftierter Sohn Orlando Zapata am 23. Februar an den Folgen eines 83-tägigen Hungerstreiks gestorben war. Ein Dutzend Polizisten schirmte die Demonstrantinnen ab, die ihre Kundgebung ohne weitere Zwischenfälle beendeten.
In den vergangenen Tagen hatten sich in Havanna ähnliche Szenen abgespielt. Am Mittwoch hatten Polizistinnen etwa 30 Damen in Weiss in zwei Polizeibusse gedrängt, zu Polláns Haus gebracht und der Demonstration so ein Ende gesetzt. Die Gruppierung erinnert mit ihren Demonstrationen seit Montag an die Inhaftierung von 75 Regierungsgegnern vor sieben Jahren im Frühling 2003. Von ihnen sind 53 noch immer in Haft.
Gespannte Atmosphäre
Die von den Damen in Weiss ausgerufene Aktionswoche findet in einer gespannten Atmosphäre statt. Einen Tag nach Zapatas Tod, war ein weiterer Regierungsgegner, Guillermo Fariñas, in seinem Haus in der zentralkubanischen Stadt Santa Clara ebenfalls in den Hungerstreik getreten.
Der mittlerweile in einem Spital intravenös ernährte Psychologe und Internet-Blogger Fariñas fordert die Freilassung von 26 erkrankten «politischen Gefangenen». Die kubanische Führung bestreitet deren Existenz und spricht stattdessen von «Söldnern im Dienst der USA». Washington hält seit fast 50 Jahren eine Blockade gegen den von der Kommunistischen Partei regierten Karibikstaat aufrecht.
Kritik aus Mexiko und Chile
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte Kuba zur Aufhebung seiner «repressiven» Gesetze und zur Freilassung inhaftierter Regierungskritiker auf. Kerrie Howard, stellvertretende Amnesty-Direktorin in den USA, kritisierte die Einschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Kuba. Sie nannte die lange Inhaftierung von Menschen «nur wegen der friedlichen Ausübung ihrer Rechte» eine Tragödie.
Auch die Kritik in Lateinamerika an Kuba verschärft sich. So hat Mexiko erstmals Havanna aufgefordert, die Würde und Gesundheit der Gefangenen in Kuba zu schützen. Die chilenischen Sozialisten haben die kubanische Regierung sogar zur «sofortigen und bedingungslosen» Freilassung aller mehr als 200 Dissidenten aufgefordert. Dieser Kritik kommt besondere Bedeutung zu, weil die Partei dem Castro-Regime traditionell wohl gesonnen ist. Mehrere ihrer führenden Mitglieder hatten während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) eine militärische Ausbildung in Kuba erhalten.
(pbl/sda)



























