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12. Mai 2006 12:58; Akt: 13.05.2006 13:20 Print
Hassmorde: Das blonde Mädchen «hatte Pech»
Der Rassist, der in Antwerpen willkürlich Ausländer niedergestreckt hat, tötete auch ein blondgelocktes Mädchen. Diese sei laut Aussagen des Täters zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.
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EU-Parlamentspräsident verurteilt rassistische Bluttat
Bei seinem kaltblütigen Todeszug erschoss der 18-jährige Hans Van Themsche eine junge Frau aus Mali, die als Aupair arbeitete, und ein zweijähriges blondgelocktes Kind, das von der Frau gehütet wurde. Der Täter sagte bei seiner ersten Vernehmung aus, das zweijährige Mädchen heller Hautfarbe habe einfach Pech gehabt. Er habe das Kind erschossen, weil es «zur falschen Zeit am falschen Ort» gewesen sei. Das Aupair hinterlässt eine sechsjährige Tochter. Zuvor hatte der Täter eine Frau türkischer Abstammung niedergeschossen, die lesend an der Sonne sass. Nur die Türkin überlebte.
(Bild: Keystone)
Vom diesem Waffenhändler kaufte der Täter eine Winchester. Er hatte sich zuvor sich erkundigt, für welches Gewehr er keinen Waffenschein brauche.(Bild: Keystone/Dirk Waem)
Belgier bekunden Trauer nach der Horrortat.(Bild: Keystone/AP)
Angehörige der getöteten Frau auf einem Schweigemarsch.(Bild: Keystone)
Tat geplant
Hans Van Themsche hatte seinen ausländerfeindlichen Mordzug offenbar geplant. In der Wohnung des Rassisten fand die belgische Polizei einen Brief. Darin kündigt er seine Tat im Detail an.
Der Jugendliche kaufte sich am Morgen der Tat eine Winchester und Munition. Auf seinem Tötungstrip in Antwerpen machte er vor nichts Halt - nur mit einem Bauchschuss konnte er gestoppt werden. Ein Polizist reagierte während seiner Mittagspause schnell, als er den Jugendlichen vorbeiziehen sah - die Jagdwaffe lässig auf die Schulter gelegt. Der Beamte fordert ihn dreimal auf, die Waffe fallen zu lassen - ohne Erfolg. Er schiesst und stoppt endlich den kaltblütigen Mörder.
Verschärfung des Waffengesetzes verlangt
Nach dem rassistisch motivierten Doppelmord wird der Ruf nach einer Verschärfung des Waffengesetzes in Belgien immer lauter. Für solche Jagdgewehre ist bislang kein Waffenschein nötig. Laut der heutigen «Tages-Anzeiger»-Ausgabe scheint das entsprechende Gesetz in langwierigen Abstimmungsprozessen verloren gegangen zu sein. Am Dienstag soll der Justizausschuss des Parlaments die vor Jahren begonnenen Beratungen mit höchster Dringlichkeit wieder aufnehmen.
Vor einigen Wochen hatte der Rechtsextremist Paul Belien verlangt, die Belgier sollten sich bewaffnen können, um sich gegen Ausländer verteidigen zu können. Der Abgeordnete der rassistischen Partei Vlaams Belang bezeichnete Ausländer als «Raubtiere, die Messer» tragen.
Bürger und Politiker haben auf die tödlichen Schüsse des rassistischen Gewalttäters mit grosser Betroffenheit reagiert. «Ich bin zutiefst schockiert», sagte Premierminister Guy Verhofstadt.
Mehrere hundert Personen nahmen gestern Mittag an einem Schweigemarsch teil, um damit ein Zeichen gegen die blinde Gewalt zu setzen. Am Donnerstag waren ein Au-pair afrikanischer Abstammung und ein zweijähriges Mädchen getötet sowie eine 46-jährige Türkin schwer verletzt worden.
«Die Regierung verurteilt die rassistischen Morde in Antwerpen scharf», betonte Verhofstadt und rief zur Besonnenheit auf. Die Bluttat zeige, «welch schleichendes Gift Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft geworden sind», sagte der Vorsitzende der flämischen Liberalen, Bart Somers.
Gezielt gegen Ausländerinnen
Gemäss Medienberichten gab der Todesschütze zu, er habe gezielt Menschen fremder Herkunft töten wollen. Hans Van Themsche stammt aus einer Familie mit rechtsradikalem Hintergrund und Mitgliedern des nationalistischen Vlaams Belang.
«Dass der Täter VB-Aufkleber in der Tasche gehabt haben soll, darf nicht dazu führen, dass unsere Partei stigmatisiert wird», sagte der VB-Vorsitzende Frank Vanhecke nach Angaben der Zeitung «De Morgen».
Nationalistische Hochburg
In Antwerpen, der zweitgrössten Stadt Belgiens, leben zahlreiche Einwanderer aus der Türkei, Afrika und Asien. Die Stadt gilt gleichzeitig als Hochburg des Vlaams Belang.
Die belgische Presse äusserte sich derweil besorgt über den zunehmenden Rassismus. Am Mittwoch war in Antwerpen die Leiche eines jungen Marokkaners gefunden worden, der nach einem Streit in einer Diskothek verschwunden war. In Brügge wurde am vergangenen Wochenende ein dunkelhäutiger Franzose von Skinheads überfallen und schwer verletzt.
(sda)

























