Frankfurter Buchmesse

17. Oktober 2009 17:24; Akt: 17.10.2009 17:33 Print

Flashmob für MeinungsfreiheitFlashmob für Meinungsfreiheit

Wie aus dem Nichts tauchen am Samstag rund 20 Demonstranten aus dem Gewühl zwischen den Ständen der Frankfurter Buchmesse auf. Vor der Präsentation eines iranischen Instituts stellen sie sich in einer Reihe auf, ihre Münder mit schwarzem Klebestreifen verklebt.

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Kurz darauf kommen weitere 30 Aktivisten, alle in grün gekleidet. Auch sie bleiben stumm, doch mit Schildern und Plakaten richten sie klare Forderungen an die iranische Regierung: Meinungsfreiheit, keine Folter und Freiheit für politische Häftlinge.

Einmal mehr erweist sich die Frankfurter Buchmesse als Bühne nicht nur für das Literaturgeschäft, sondern auch für politische Gruppen, die internationale Aufmerksamkeit wollen. Die Mitarbeiter der iranischen Aussteller sind zunächst verwirrt, offenbar hat niemand von der Aktion gewusst. Erste Sicherheitsbeamte sind sofort zur Stelle und fordern Verstärkung an. Bald sind die Aktivisten umstellt. Doch alles bleibt ruhig. Viele Messebesucher bleiben kurz stehen, schauen dem Schauspiel eine Weile zu und machen Fotos. Einige solidarisieren sich mit den Demonstranten oder sprechen ihnen Mut zu.

Zu der Aktion aufgerufen hatte eine Gruppe namens «United4Iran». «Wir wollen zeigen, dass der Widerstand gegen die Machthaber im Iran noch in Bewegung ist, auch wenn in den Medien kaum noch darüber berichtet wird», sagt ein junger Aktivist, der anonym bleiben möchte. Die Buchmesse sei dafür ein idealer Ort, schliesslich stehe sie wie kaum eine andere Veranstaltung für Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit. Und die Aktion solle daran erinnern, dass es genau das in Ländern wie Iran eben nicht gebe. Sogenannte Flashmobs sind Aktion zumeist wildfremder Menschen, die sich oft online oder per SMS-Ketten verabreden und scheinbar spontan das Gleiche tun.

Vor allem an Ehrengast China entzündet sich Kritik

Auch China wurde in den vergangenen Tagen immer wieder zum Ziel von Protesten: Vor dem Haupteingang stehen seit dem ersten Messetag Aktivisten von Menschenrechtsorganisationen, um gegen die chinesische Besatzung Tibets zu protestieren. Am Donnerstag hatten sowohl die Organisation Reporter ohne Grenzen als auch das deutsche PEN-Zentrum Zensur und Einschränkungen der Meinungsfreiheit beim diesjährigen Ehrengast der Buchmesse kritisiert.

(dapd)