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Armenien-Türkei
18. März 2010 18:20; Akt: 18.03.2010 23:36 Print
«So begann der Völkermord»
Armenien hat dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Streit um neue Völkermord-Resolutionen politische Brandstiftung vorgeworfen. Erdogans Drohung, 100 000 illegal in der Türkei lebende Armenier auszuweisen, gefährde die Wiederannäherung beider Völker.

In Zürich hatten die Aussenminister Armeniens, Edouard Nalbandian (links), und der Türkei, Ahmet Davutoglu (rechts), Protokolle unterzeichnet zur Normalisierung der historisch belasteten Beziehung (10. Oktober 2009). Unter den Augen der Aussenminister der EU, Frankreichs der USA sowie Russlands (nicht im Bild).
«Mit solchen Erklärungen begannen jene Ereignisse, die zum Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915 führten», sagte der armenische Aussenminister Edward Nalbandjan am Donnerstag nach Angaben der Agentur Arminfo. Der Stockholmer Reichstag und der Auswärtige Ausschuss im US-Repräsentantenhaus hatten die Verfolgung der Armenier in den Jahren 1915 und 1916 im Osmanischen Reich unlängst als Genozid bewertet und damit das Verhältnis zur Türkei belastet.
Unmittelbar vor dem Besuch des türkischen Aussenministers Ahmet Davutoglu in Bulgarien brachte dort am Donnerstag eine kleine Oppositionspartei eine Völkermord-Erklärung gegen die Türkei im Parlament in Sofia ein.
Die bulgarische Anti-Korruptionspartei RSS rief zudem die bürgerliche Regierung in Sofia auf, ihre Haltung zum EU-Beitritt der Türkei davon abhängig zu machen, ob Ankara den Völkermord der Armenier im Osmanischen Reich anerkenne. Der bulgarische Regierungschef Bojko Borissow hatte erst Anfang Februar nach einem Antrittsbesuch in der Türkei Reformen in dem Nachbarland gefordert, um den von der Türkei angestrebten EU-Beitritt zu unterstützen.
Türkei leugnet Genozid und droht Armenien
Erdogan hatte am Mittwoch in einem Radiointerview erklärt, dass diese Resolutionen vor allem Armenien selbst schaden würden. Er drohte damit, die illegal im Land lebenden Armenier auszuweisen. Nalbandjan betonte, dass Armenien weiter an der Normalisierung der Beziehungen zur Türkei arbeiten wolle.
Kritiker der Resolutionen haben gewarnt, dass diese den Versöhnungsprozess zwischen Türken und Armeniern stoppen könnten. Gemäss unabhängigen Historikern ist es erwiesen, dass 1915/16 über eine Million Armenier und mehrere hundertausend Aramäer und Pontos-Griechen im Osmanischen Reich systematisch ermordet wurden. Die Türkei leugnet den Genozid vehement und droht allen andern Staaten, die das Wort «Völkermord» in den Mund nehmen mit massiven Konsequenzen.
Die blutigen Massendeportationen, Massaker und Konzentrationslager werden von der Türkei damit gerechtfertigt, die christlichen Armenier hätten an der Seite des Kriegsgegners Russland gestanden.
(rub/sda)


























