TV-Serie

14. März 2010 19:48; Akt: 14.03.2010 21:30 Print

Die 638 Leben des FidelDie 638 Leben des Fidel

Das kubanische Staatsfernsehen zeigt derzeit eine aufwändige Serie über die vielen Attentatsversuche gegen Revolutionsführer Fidel Castro. In acht Folgen werden die 638 Anschläge minutiös aufgearbeitet.

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Eine kubanische Familie schaut die erste Folge der Serie «Einer, der leben muss». (Bild: Keystone/str)

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Die Produktion trägt den Titel «Einer, der leben muss». Die Dreharbeiten absorbierten drei Jahre, 243 Schauspieler und 800 Statisten und «einen beträchtlichen Teil des bescheidenen Filmbudgets des kubanischen Fernsehens», wie der «Guardian» mutmasst. Tatsächlich handelt es sich bei dem Dokudrama mit Spielszenen und Archivaufnahmen um eine für kubanische Verhältnisse überaus aufwändige Produktion.

«Durch den Genremix können wir den Zuschauern mehr Informationen über die Fakten vermitteln», sagte Regisseur Rafael Ruiz Benitez vor der Ausstrahlung der ersten Folge am letzten Sonntag. Sie umfasst den Zeitraum von 1956, als Fidel Castro in Mexiko weilte, über die Landung auf Kuba bis zum Sturz von Diktator Fulgencio Batista am 1. Januar 1959. Schon damals habe es zahlreiche Versuche gegeben, Fidel zu töten.

Fidel will nicht einfach verschwinden

Der kubanische Geheimdienst zählte 638 Mordversuche auf Fidel Castro, die überwiegend dem US-Geheimdienst CIA zugeschrieben werden. Dazu gehören bekannte Fälle wie eine explodierende Zigarre, eine als Kugelschreiber getarnte Giftspritze oder ein vergifteter Taucheranzug, aber auch weniger bekannte Fälle wie ein bakterienverseuchtes Taschentuch oder eine mit LSD gefüllte Spraydose. Für den amerikanischen Kuba-Experten Dan Erikson ist die Serie ein Indiz dafür, dass der Fidel Castro «nicht einfach verschwinden will».

Seit seiner schweren Erkrankung vor bald vier Jahren ist er nicht mehr öffentlich aufgetreten. Die Regierung wolle den Mythos des Revolutionsführers aufpolieren, der sämtliche Feinde in den USA übertölpelt und überlebt habe. Die Wirkung des Mehrteilers erachtet Erikson angesichts der chronischen Mangelwirtschaft in Kuba als bescheiden, wie er dem «Guardian» erklärte: «Einige ältere Kubaner mögen sich angesprochen fühlen, die jüngere Generation aber wird zur Fernbedienung greifen.»

(pbl)