Waffenruhe

21. Februar 2009 15:36; Akt: 21.02.2009 16:06 Print

Pakistan lässt Taliban gewährenPakistan lässt Taliban gewähren

Beunruhigende Entwicklung in Pakistan: Die Regierung hat sich mit den fundamentalistischen Taliban im Swat-Tal im Norden des Landes auf eine dauerhafte Waffenruhe geeinigt.

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Beide Seiten hätten zugestimmt, sagte Syed Muhammad Javed, Verwaltungschef der Region Malakand, am Samstag vor Journalisten in Mingora. Ein Sprecher der Taliban wollte die Einigung gegenüber der Nachrichtenagentur AP jedoch nicht direkt bestätigen.

Die Taliban könnten und würden für sich selbst sprechen, sagte deren Sprecher im Swat-Tal, Muslim Khan. Die Taliban hatten am Sonntag eine zehntägige Waffenruhe verkündigt, um die Gespräche mit der Regierung zu erleichtern. Pakistan hat den Fundamentalisten bereits eingeräumt, das islamische Recht, die Scharia, in der Region einzuführen, wenn es zu einem permanenten Waffenstillstand kommt.

Die Entscheidung stiess international auf Kritik, zumal befürchtet wird, dass Extremisten von dort aus neue Anschläge im Nachbarland Afghanistan vorbereiten könnten. Die Taliban haben in dem Tal politische Gegner geköpft und zahlreiche Mädchenschulen niedergebrannt. Trotz eines massiven Aufgebots der Streitkräfte gelang es der Zentralregierung nicht, das Gebiet wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Javed sagte, die Regierung habe beschlossen, alle Grundschulen für Mädchen und Jungen wieder zu öffnen. Die Regierung werde deren Sicherheit garantieren. Der Verwaltungschef der Region Malakand, in der das Swat-Tal liegt, appellierte an alle Einwohner in das Gebiet zurückzukehren. Viele der rund 1,5 Millionen Einwohner waren vor den Kämpfen und den Taliban geflohen. Weitere Einzelheiten zu dem Abkommen nannte Javed zunächst nicht.

Grosse Skepsis bei NATO und USA

Die Zugeständnisse Pakistans an die Taliban drohen daher den Bemühungen der neuen US-Regierung um eine geeinte Front gegenüber den militanten Extremisten einen Rückschlag zu versetzen. Vor sieben Jahren von der Macht verjagt, gewinnen die Taliban trotz des Militäreinsatzes der USA und der NATO-Verbündeten in Afghanistan und in Pakistan allmählich wieder an Boden. «Wir sind sehr besorgt wegen Pakistan und der Stabilität dort», räumte der jetzige Sonderbeauftragte Richard Holbrooke bei einem Besuch der Region voriges Wochenende ein.

Deutlichere Worte fand vergangene Woche NATO-Sprecher James Appathurai: Die Waffenruhe zwischen Pakistan und Taliban im Swat-Tal biete «sicherlich Anlass zur Sorge», sagte er in Brüssel. «Wir sollten alle besorgt sein über eine Situation, die Extremisten einen sicheren Zufluchtsort bietet.»

Anschlag auf NATO-Tanklastzug

Die Nachschubroute der NATO-Truppen in Afghanistan über den Khyber-Pass wurde unterdessen erneut Ziel eines Attentats. Bei einem Bombenanschlag auf einen Tanklastzug wurde am Samstag ein Mensch getötet, zwei weitere erlitten Verletzungen, wie ein Behördensprecher erklärte. Der Tanklaster sei für die NATO-Truppen in Afghanistan bestimmt gewesen. Die Bombe bei Landi Kotal sei ferngesteuert gewesen. Der Khyber-Pass ist eine der wichtigsten Nachschubrouten für die NATO-Truppen in Afghanistan. In den vergangenen Monaten gab es dort immer wieder Anschläge auf Nachschubkonvois.

(dapd)