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Senegal
28. Januar 2012 08:17; Akt: 28.01.2012 17:58 Print
Schwere Unruhen wegen Youssou N'Dour
Der weltbekannte Sänger Youssou N'Dour darf nicht für die Präsidentschaftswahl kandidieren – Präsident Absoulaye Wade darf dafür für eine dritte Amtszeit antreten. Das sorgt in Dakar für Empörung.
In der senegalesischen Hauptstadt Dakar ist es in der Nacht zum Samstag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Auslöser war der Entscheid des Verfassungsgerichts, Präsident Abdoulaye Wade zu gestatten, Ende Februar für eine dritte Amtszeit zu kandidieren.
Für Verärgerung sorgte zudem, dass dem Weltmusik-Star Youssou N'Dour nicht erlaubt wurde, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Das Gericht erklärte, der international bekannte Sänger habe nicht die nötigen 10'000 gültigen Unterschriften von Unterstützern erhalten.
Tausende Menschen hatten zunächst friedlich gegen Wades Kandidatur protestiert. Nach dem Entscheid des Verfassungsgerichts kam es jedoch zu heftigen Zusammenstössen zwischen der Polizei und überwiegend jugendlichen Oppositionsanhängern, die Barrikaden errichteten, Autoreifen in Brand setzten und Polizisten mit Steinen bewarfen.
Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Demonstranten zurückzudrängen. Nach Angaben von Polizeichef Arona Sy wurde bei den Zusammenstössen ein Polizist getötet.
Präsident Wade forderte ein Ende der Proteste. Die Menschen gingen aus einer Laune heraus auf die Strasse, die Demonstrationen führten zu nichts, sagte er im Staatsfernsehen. Seinen Gegnern warf er vor, nur «fadenscheinige» Argumente gegen seine Kandidatur vorzubringen.
N'Dour: Politischer Entscheid
N'Dour sagte im Fernsehsender France 3, der Entscheid des Verfassungsgerichts werde zu neuen «Spannungen» führen. Wade werde mit seinem «Gewaltstreich» nicht durchkommen. «Wir werden niemals zulassen, dass Abdoulaye Wade an der Wahl teilnimmt», sagte N'Dour.
«Der Entscheid, mich nicht mitmachen zu lassen, hatte nichts mit dem Gesetz zu tun. Es war ein politischer Entscheid.» N'Dour reichte am Samstag Widerspruch gegen die Entscheidung des Verfassungsgerichts ein, wie sein Sprecher Doudou Sarr sagte. N'Dour werde «bis zum Ende» gegen Wade kämpfen und dazu einen Aktionsplan erarbeiten.
In Senegal schwelt schon seit geraumer Zeit ein Streit um die Zulässigkeit einer erneuten Kandidatur Wades. Der 85-Jährige war im Jahr 2000 für sieben und im Jahr 2007 nach einer Verfassungsänderung für fünf Jahre gewählt worden.
Da die Verfassung seit 2001 nur zwei Amtszeiten vorsieht, dürfte Wade eigentlich nicht mehr antreten. Wade hatte jedoch argumentiert, seine erste Amtszeit habe ein Jahr vor der Verfassungsänderung begonnen und dürfe deshalb nicht mitgezählt werden. Neben Wade akzeptierte das Gericht 13 weitere Bewerber für das Amt des Staatschefs.
Kritik an Regierungspartei
Der Sänger N'Dour hatte am Mittwoch seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl offiziell eingereicht. Der 52-Jährige ist in Europa einer der bekanntesten afrikanischen Musiker. In seiner Heimat ist N'Dour, ein Grenzgänger zwischen afrikanischer Tradition und westlicher Popmusik, seit langem ein gefeierter Star.
Bereits in der Vergangenheit hatte N'Dour scharfe Kritik an der Regierungspartei geübt. Der Grammy-Gewinner besitzt einen Radiosender und eine Zeitung. Diese Medien berichten regelmässig über Korruption und Vetternwirtschaft der amtierenden Regierung und des Präsidenten.
(sda)
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Alle 5 Kommentare





























casamance
@youssou n'dour: "my hope is in you".
WADE
Die Verfassung wurde im 2001 angepasst genau bezüglich diesen Streitpunkt. Die Opposition meint Wade sollte sich nicht mehr Kandadieren. Er habe die Seine ämten bereit erfüllt. Wade sagt nein. Sein erstes Amt war für 5 Jahre mit der Verfassung von 1963 und nicht mit der vom 2001. Es ist also eine jüristische Interpretation. Jeder hat seine Meinung. Nun ist seine Kanditatur als gültig erklärt, man sollte zeigen, dass er keine Wähler mehr hat und ihn schlagen. Das können senegalesen. Youssou Ndour hat keine chance, er hat mit dem Verfassungsgericht gespielt. Er hat nur 8000 wählern!
Der nächste Krisenherd...!
Ein 85-jähriger Greis klammert sich an die Macht...und wird das Land zerrütten... gibt das die nächste Flüchtlingswelle?