Frankreich

12. Januar 2009 22:40; Akt: 13.01.2009 10:19 Print

Molotow-Attacken auf SynagogenMolotow-Attacken auf Synagogen

In Frankreich haben Unbekannte abermals Synagogen mit Brandsätzen angegriffen. Nach Behördenangaben wurden Molotow-Cocktails auf jüdische Gebetshäuser im Pariser Vorort Saint-Denis sowie in Schiltigheim bei Strassburg geworfen.

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Die Molotow-Cocktails hinterliessen Brandspuren, Menschen kamen nicht zu Schaden. Präsident Nicolas Sarkozy verurteilte die Taten scharf. Die Täter nutzen den Nahost-Konflikt als Ausrede für Gewalt gegen Menschen, Privateigentum und religiöse Gebäude. Die Angriffe blieben nicht ungestraft, warnte er.

Innenministerin Michèle Alliot-Marie sprach nach dem Anschlag in Saint-Denis, bei dem neun Brandsätze geschleudert worden waren, von einer «feigen und untragbaren» Tat.

Es müsse alles getan werden, damit die Urheber vor Gericht kämen, forderte die Politikerin. Sie hatte sich bereits vergangene Woche nach einem Brandanschlag auf eine Synagoge mit Vertretern von Juden und Muslimen getroffen.

Gemeinsam gegen Gewalt

Der Strassburger Vertreter des Zentralrats der französischen Juden, Pierre Lévy, bedauerte, ein ökumenischer Aufruf sei offenbar nicht verstanden worden.

Vertreter der katholischen und protestantischen Kirche, sowie der jüdischen und muslimischen Gemeinden im Elsass hatten am Freitag nachdrücklich vor fremdenfeindlichen Taten und Äusserungen gegenüber bestimmter Glaubensgemeinschaften gewarnt.

Oberrabbiner fühlt mit Palästinensern

Frankreichs Oberrabbiner Gilles Bernheim sprach derweil den Palästinensern mit Blick auf die israelische Offensive im Gazastreifen sein Mitgefühl aus.

Der Tageszeitung «Le Figaro» sagte er, in Anbetracht des seit mehr als zwei Wochen andauernden israelischen Militäreinsatzes gegen die radikal-islamische Hamas gelte sein Mitgefühl der palästinensischen Bevölkerung.

Er bedauere es, dass die Hamas einem «kriegerischen Wahnsinn» verfallen sei, sagte Bernheim. Aus Solidarität mit den Palästinensern hatten am Samstag in französischen Städten über 120 000 Menschen gegen den israelischen Armeeeinsatz protestiert.

Anfang vergangener Woche hatten Unbekannte einen Brandanschlag auf eine Synagoge in Südfrankreich verübt, bei dem leichter Sachschaden entstand. Sarkozy sagte darauf, er werde nicht dulden, dass sich die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern auf Muslime und Juden in Frankreich ausweiteten.

In Frankreich lebt mit fünf Millionen Muslimen die grösste muslimische Gemeinde Europas; gleichzeitig gibt es mit 500 000 bis 600 000 Menschen die stärkste jüdische Gemeinde in der EU.

(sda)