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15. März 2008 18:33; Akt: 15.03.2008 18:34 Print
Tibet im eisernen Griff von China
Bei den Protesten in Tibet sind Dutzende Menschen getötet worden. Exiltibetische Quellen sprachen von etwa 100. In Tibets Hauptstadt Lhasa stellte die chinesische Armee laut Augenzeugen mit massiver Präsenz Ruhe her.
Verschiedenen Zeugen zufolge kontrollierten Soldaten sämtliche Zufahrtstrassen und patrouillierten in der wie leergefegten Stadt. Ein deutscher Tourist berichtete, die Strassen wimmelten von Polizisten, Soldaten, Panzern und Patrouillenfahrzeugen. Alle Strassen seien abgesperrt, die Soldaten durchsuchten sämtliche Autos.
Chinas Fernsehen zeigt erstmals Bilder der Unruhen in LhasaDas chinesische Staatsfernsehen hat am Samstag erstmals Bilder von den schweren Ausschreitungen vom Vortag in der tibetischen Hauptstadt Lhasa gezeigt.
Die Aufnahmen zeigten randalierende Tibeter, die Autos umstürzten, Geschäfte angriffen oder versuchten, heruntergelassene Läden oder Gitter aufzubrechen. Von mehreren Bränden hing Rauch über Lhasa.
Die Nachrichtensprecherin verlas einen Text der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Darin hiess es, dass es durch «eine kleine Gruppe von Leuten in Lhasa» zu Zerstörungen, Schlägereien und Plünderungen gekommen sei.
Sie hätten die öffentliche Ordnung gestört und die Sicherheit der Menschen gefährdet. «Wir haben genug Beweise, dass diese Aktion eine politische Verschwörung ist, die von der Clique des Dalai Lamas geplant worden ist», las die Sprecherin weiter vor.
(SDA)
Peking: Kein Kriegsrecht
Ein chinesischer Geschäftsmann sagte telefonisch, die Lage «sieht aus wie unter dem Kriegsrecht». Die chinesischen Behörden wiesen Berichte zurück, wonach das Kriegsrecht verhängt worden sei.
Wie viele Menschen bei den Ausschreitungen am Freitag getötet wurden, war am Samstag weiterhin umstritten. Die tibetische Exilregierung in der indischen Stadt Dharamshala erklärte am Samstag, aufgrund von Informationen Angehöriger könne sie mit Gewissheit sagen, dass dreissig Menschen getötet worden seien. Es werde jedoch befürchtet, dass etwa hundert Menschen getötet wurden.
Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua sprach ihrerseits von zehn Toten. Ein Sprecher der Regionalregierung Tibets sagte: «Alle Opfer sind unschuldige Zivilisten und sind verbrannt.» Die tibetischen Behörden versprachen allen Demonstranten Milde, die sich bis Montag von selbst stellen.
Ultimatum und «Milde»
Die Demonstranten hatten verschiedenen Berichten zufolge chinesische Geschäfte zerstört und Autos in Brand gesteckt. Amtlichen chinesischen Angaben zufolge gab es 160 Brände in Lhasa, davon 45 Grossfeuer. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder, auf denen grosse Gruppen von Demonstranten zu sehen waren, die Geschäfte überfielen, plünderten und in Brand steckten.
Die Exilregierung forderte die UNO auf, Beobachter nach Tibet zu entsenden, um über die dortigen Menschenrechtsverletzungen zu ermitteln.
Anlass der Proteste war der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa, der von China niedergeschlagen wurde und zur Flucht des Dalai Lama, des geistlichen Oberhauptes der Tibeter, nach Indien führte.
China sieht Schuld bei Dalai Lama
China machte den Dalai Lama für die Unruhen verantwortlich. Ein Sprecher des Dalai Lama wies die Anschuldigungen zurück. In einer am Sitz der tibetischen Exilregierung in Indien veröffentlichten Erklärung, äusserte der Dalai Lama seine tiefe Besorgnis und rief die Behörden dazu auf, auf Gewalt gegen die Demonstranten zu verzichten.
«Diese Proteste sind ein Zeichen der tiefsitzenden Ablehnung des tibetischen Volkes gegen ihre gegenwärtige Regierung», hiess es in der Erklärung.
China beherrscht das Gebiet im Himalaya seit 1950, als seine Truppen dort einmarschierten.
Proteste weltweit
In mehreren Städten weltweit protestierten am Samstag Menschen gegen die Gewalt in Tibet. Etwa 2000 demonstrierten vor dem chinesischen Konsulat in Zürich.
Auch verschiedene Regierungen richteten deutliche Worte an die Adresse Pekings, darunter die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Aussenministerium in Bern forderte die Einhaltung der Menschenrechte und rief die chinesischen Behörden auf, auf den Einsatz unverhältnismässiger Gewalt zu verzichten.

























