15. März 2008 18:33; Akt: 15.03.2008 18:34 Print

Tibet im eisernen Griff von ChinaTibet im eisernen Griff von China

Bei den Protesten in Tibet sind Dutzende Menschen getötet worden. Exiltibetische Quellen sprachen von etwa 100. In Tibets Hauptstadt Lhasa stellte die chinesische Armee laut Augenzeugen mit massiver Präsenz Ruhe her.

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Chinesische Sicherheitskräfte haben Mitte April 2011 das Kloster Kirti in Südwestchina nach Zusammenstössen abgeriegelt. Augenzeugen berichteten von einem Truppeneinmarsch in der Provinz Sichuan. Mehr als 2000 buddhistische Mönche seien von der Aussenwelt abgeschnitten. Von der «Repressionswelle» seien auch umliegende Dörfer betroffen. Chinesische Sicherheitskräfte hätten am Dienstag versucht, in das Kloster einzudringen, um Mönche zwischen 18 und 40 Jahren zur «patriotischen Umerziehung» abzuholen... ...als sich die Bevölkerung dagegen wehrte, reagierte das chinesische Militär mit Gewalt. Chinesische Sicherheitskräfte haben am 12. April versucht, in das Kloster einzudringen, um Mönche zwischen 18 und 40 Jahren zur «patriotischen Umerziehung» abzuholen. Schon im März 2011 hatte es Zusammenstösse gegeben, als es nach der Selbstverbrennung eines Mönches aus Kirti am 16. März zu Unruhen gekommen war. Besonders heftig sind die Zusammenstösse zwischen Tibetern und Chinesen seit dem Frühling 2008. Ein Militärkonvoi in Lhasa am 16.3.08. Chinesische Truppen im Anmarsch am 16.3.08. Polizei in Nepal nimmt eine junge Tibeterin fest in Katmandu am 17.3.08. Nepalesische Polizei geht in Katmandu gegen Demonstranten vor. Lhasa brennt. (Bild: REUTERS/CCTV via REUTERS TV) Ein während der Proteste verwundeter Mann auf einer Strasse in Lhasa. Ein Bild der Verwüstung in Lhasa. (Bild: REUTERS/Xinhua/Yang Guang (CHINA)) Putzen in Lhasa am 16.3.08. (Bild: REUTERS/Xinhua/Soinam Norbu) Auch ausserhalb Tibets kommt es immer wieder zu Protesten: In Indien, wo die meisten Exil-Tibeter leben, stossen regelmässig Demonstranten mit Sicherheitskräften zusammen.Bild: Keystone

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Verschiedenen Zeugen zufolge kontrollierten Soldaten sämtliche Zufahrtstrassen und patrouillierten in der wie leergefegten Stadt. Ein deutscher Tourist berichtete, die Strassen wimmelten von Polizisten, Soldaten, Panzern und Patrouillenfahrzeugen. Alle Strassen seien abgesperrt, die Soldaten durchsuchten sämtliche Autos.

Peking: Kein Kriegsrecht

Ein chinesischer Geschäftsmann sagte telefonisch, die Lage «sieht aus wie unter dem Kriegsrecht». Die chinesischen Behörden wiesen Berichte zurück, wonach das Kriegsrecht verhängt worden sei.

Wie viele Menschen bei den Ausschreitungen am Freitag getötet wurden, war am Samstag weiterhin umstritten. Die tibetische Exilregierung in der indischen Stadt Dharamshala erklärte am Samstag, aufgrund von Informationen Angehöriger könne sie mit Gewissheit sagen, dass dreissig Menschen getötet worden seien. Es werde jedoch befürchtet, dass etwa hundert Menschen getötet wurden.

Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua sprach ihrerseits von zehn Toten. Ein Sprecher der Regionalregierung Tibets sagte: «Alle Opfer sind unschuldige Zivilisten und sind verbrannt.» Die tibetischen Behörden versprachen allen Demonstranten Milde, die sich bis Montag von selbst stellen.

Ultimatum und «Milde»

Die Demonstranten hatten verschiedenen Berichten zufolge chinesische Geschäfte zerstört und Autos in Brand gesteckt. Amtlichen chinesischen Angaben zufolge gab es 160 Brände in Lhasa, davon 45 Grossfeuer. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder, auf denen grosse Gruppen von Demonstranten zu sehen waren, die Geschäfte überfielen, plünderten und in Brand steckten.

Die Exilregierung forderte die UNO auf, Beobachter nach Tibet zu entsenden, um über die dortigen Menschenrechtsverletzungen zu ermitteln.

Anlass der Proteste war der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa, der von China niedergeschlagen wurde und zur Flucht des Dalai Lama, des geistlichen Oberhauptes der Tibeter, nach Indien führte.

China sieht Schuld bei Dalai Lama

China machte den Dalai Lama für die Unruhen verantwortlich. Ein Sprecher des Dalai Lama wies die Anschuldigungen zurück. In einer am Sitz der tibetischen Exilregierung in Indien veröffentlichten Erklärung, äusserte der Dalai Lama seine tiefe Besorgnis und rief die Behörden dazu auf, auf Gewalt gegen die Demonstranten zu verzichten.

«Diese Proteste sind ein Zeichen der tiefsitzenden Ablehnung des tibetischen Volkes gegen ihre gegenwärtige Regierung», hiess es in der Erklärung.

China beherrscht das Gebiet im Himalaya seit 1950, als seine Truppen dort einmarschierten.

Proteste weltweit

In mehreren Städten weltweit protestierten am Samstag Menschen gegen die Gewalt in Tibet. Etwa 2000 demonstrierten vor dem chinesischen Konsulat in Zürich.

Auch verschiedene Regierungen richteten deutliche Worte an die Adresse Pekings, darunter die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Aussenministerium in Bern forderte die Einhaltung der Menschenrechte und rief die chinesischen Behörden auf, auf den Einsatz unverhältnismässiger Gewalt zu verzichten.