17. März 2008 06:22; Akt: 17.03.2008 13:11 Print

Mehrere hundert Tote in Tibet?Mehrere hundert Tote in Tibet?

Bei anti-chinesischen Protesten in Tibet sind nach Angaben des tibetischen Exilparlaments mehrere hundert Menschen getötet worden. Bei Razzien wurden zudem Hunderte von Tibetern verhaftet.

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Chinesische Sicherheitskräfte haben Mitte April 2011 das Kloster Kirti in Südwestchina nach Zusammenstössen abgeriegelt. Augenzeugen berichteten von einem Truppeneinmarsch in der Provinz Sichuan. Mehr als 2000 buddhistische Mönche seien von der Aussenwelt abgeschnitten. Von der «Repressionswelle» seien auch umliegende Dörfer betroffen. Chinesische Sicherheitskräfte hätten am Dienstag versucht, in das Kloster einzudringen, um Mönche zwischen 18 und 40 Jahren zur «patriotischen Umerziehung» abzuholen... ...als sich die Bevölkerung dagegen wehrte, reagierte das chinesische Militär mit Gewalt. Chinesische Sicherheitskräfte haben am 12. April versucht, in das Kloster einzudringen, um Mönche zwischen 18 und 40 Jahren zur «patriotischen Umerziehung» abzuholen. Schon im März 2011 hatte es Zusammenstösse gegeben, als es nach der Selbstverbrennung eines Mönches aus Kirti am 16. März zu Unruhen gekommen war. Besonders heftig sind die Zusammenstösse zwischen Tibetern und Chinesen seit dem Frühling 2008. Ein Militärkonvoi in Lhasa am 16.3.08. Chinesische Truppen im Anmarsch am 16.3.08. Polizei in Nepal nimmt eine junge Tibeterin fest in Katmandu am 17.3.08. Nepalesische Polizei geht in Katmandu gegen Demonstranten vor. Lhasa brennt. (Bild: REUTERS/CCTV via REUTERS TV) Ein während der Proteste verwundeter Mann auf einer Strasse in Lhasa. Ein Bild der Verwüstung in Lhasa. (Bild: REUTERS/Xinhua/Yang Guang (CHINA)) Putzen in Lhasa am 16.3.08. (Bild: REUTERS/Xinhua/Soinam Norbu) Auch ausserhalb Tibets kommt es immer wieder zu Protesten: In Indien, wo die meisten Exil-Tibeter leben, stossen regelmässig Demonstranten mit Sicherheitskräften zusammen.Bild: Keystone

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Die Menschen seien in der Hauptstadt Lhasa und in anderen Teilen der von China kontrollierten Himalaya-Region getötet worden, erklärte das Exilparlament am Montag im indischen Dharamsala. Es forderte zugleich die UNO auf, das Blutvergiessen zu untersuchen.

Tibets Regierungschef Qiangba Puncog berichtete von 13 getöteten unschuldigen Bürgern. Wie viele Tote es unter den tibetischen Demonstranten gegeben habe, liess er offen. Er widersprach aber exiltibetischen Angaben über mehrere hundert Tote.

Gewaltsame Razzien gegen Tibeter

Das exiltibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) berichtete zudem von gewaltsamen Razzien. Die Sicherheitskräfte gingen seit Sonntag von Haus zu Haus und nähmen alle verdächtigen Tibeter, insbesondere junge Leute, fest. Dabei würden die Tibeter auch geschlagen.

Die Proteste hatten am Wochenende von Lhasa auch auf andere Orte sowie auf Klöster in anderen Regionen des alten tibetischen Territoriums in den angrenzenden Provinzen Gansu, Sichuan und Qinghai übergegriffen.

Nach einer Demonstration in Aba (Ngaba) in Sichuan seien acht Tote in das Ngaba Kirti Kloster gebracht worden, berichtete das TCHRD-Zentrum. Bewaffnete Sicherheitskräfte hätten «wahllos in die friedlich protestierenden Tibeter geschossen».

Studenten in Aufruhr

Auch in der Provinz Gansu sei es zu weiteren Protesten gekommen, wie erst am Montag bekannt wurde. Rund 500 tibetische Studenten an der North Western Nationality University in der Provinzhauptstadt Lanzhou hätten auf dem Universitätsgelände demonstriert und Flugblätter verteilt, berichtete das exiltibetische Zentrum.

Die chinesische Armee ist laut Augenzeugen mit einem massiven Aufgebot in die Provinz Sichuan eingerückt. Die an Tibet grenzende Provinz war am Wochenende von den anti-chinesischen Protesten erfasst worden. Paramilitärische Polizei sei auf Lastwagen in die Gegend gebracht worden, um Proteste zu unterbinden.

Auch in Nepal ging die Polizei gegen Proteste von Exil-Tibetern vor. In Nepals Hauptstadt Kathmandu wurden am Montag Dutzende Demonstranten festgenommen. Nach Augenzeugenberichten protestierten rund 400 Menschen vor Einrichtungen der Vereinten Nationen gegen das gewaltsame Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte in Tibet.

Ausländer sollen ausreisen

Wegen der schlechten Sicherheitslage nach den blutigen Protesten gegen die chinesische Fremdherrschaft wurden alle Ausländer angewiesen, das tibetische Hochland zu verlassen. Auch dürfen keine Ausländer mehr einreisen. Bis Montagabend mussten zudem alle ausländischen Helfer von Nichtregierungsorganisationen (NGO) das Land verlassen.

Anlass der tibetischen Proteste ist der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa gegen die chinesischen Besatzer. Tibet wird seit dem Einmarsch der chinesischen Armee 1950 von Peking regiert. Nach dem fehlgeschlagenen Aufstand flüchtete der Dalai Lama nach Indien. China lehnt eine Autonomie der Himalaya-Region strikt ab.


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(sda)