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17. März 2008 06:22; Akt: 17.03.2008 13:11 Print
Mehrere hundert Tote in Tibet?
Bei anti-chinesischen Protesten in Tibet sind nach Angaben des tibetischen Exilparlaments mehrere hundert Menschen getötet worden. Bei Razzien wurden zudem Hunderte von Tibetern verhaftet.
Die Menschen seien in der Hauptstadt Lhasa und in anderen Teilen der von China kontrollierten Himalaya-Region getötet worden, erklärte das Exilparlament am Montag im indischen Dharamsala. Es forderte zugleich die UNO auf, das Blutvergiessen zu untersuchen.
Timeline: Tibet — Aufstand auf dem Dach der Welt
Tibets Regierungschef Qiangba Puncog berichtete von 13 getöteten unschuldigen Bürgern. Wie viele Tote es unter den tibetischen Demonstranten gegeben habe, liess er offen. Er widersprach aber exiltibetischen Angaben über mehrere hundert Tote.
Gewaltsame Razzien gegen Tibeter
Das exiltibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) berichtete zudem von gewaltsamen Razzien. Die Sicherheitskräfte gingen seit Sonntag von Haus zu Haus und nähmen alle verdächtigen Tibeter, insbesondere junge Leute, fest. Dabei würden die Tibeter auch geschlagen.
Die Proteste hatten am Wochenende von Lhasa auch auf andere Orte sowie auf Klöster in anderen Regionen des alten tibetischen Territoriums in den angrenzenden Provinzen Gansu, Sichuan und Qinghai übergegriffen.
Nach einer Demonstration in Aba (Ngaba) in Sichuan seien acht Tote in das Ngaba Kirti Kloster gebracht worden, berichtete das TCHRD-Zentrum. Bewaffnete Sicherheitskräfte hätten «wahllos in die friedlich protestierenden Tibeter geschossen».
Studenten in Aufruhr
Auch in der Provinz Gansu sei es zu weiteren Protesten gekommen, wie erst am Montag bekannt wurde. Rund 500 tibetische Studenten an der North Western Nationality University in der Provinzhauptstadt Lanzhou hätten auf dem Universitätsgelände demonstriert und Flugblätter verteilt, berichtete das exiltibetische Zentrum.
Die chinesische Armee ist laut Augenzeugen mit einem massiven Aufgebot in die Provinz Sichuan eingerückt. Die an Tibet grenzende Provinz war am Wochenende von den anti-chinesischen Protesten erfasst worden. Paramilitärische Polizei sei auf Lastwagen in die Gegend gebracht worden, um Proteste zu unterbinden.
Auch in Nepal ging die Polizei gegen Proteste von Exil-Tibetern vor. In Nepals Hauptstadt Kathmandu wurden am Montag Dutzende Demonstranten festgenommen. Nach Augenzeugenberichten protestierten rund 400 Menschen vor Einrichtungen der Vereinten Nationen gegen das gewaltsame Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte in Tibet.
Ausländer sollen ausreisen
Wegen der schlechten Sicherheitslage nach den blutigen Protesten gegen die chinesische Fremdherrschaft wurden alle Ausländer angewiesen, das tibetische Hochland zu verlassen. Auch dürfen keine Ausländer mehr einreisen. Bis Montagabend mussten zudem alle ausländischen Helfer von Nichtregierungsorganisationen (NGO) das Land verlassen.
Anlass der tibetischen Proteste ist der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa gegen die chinesischen Besatzer. Tibet wird seit dem Einmarsch der chinesischen Armee 1950 von Peking regiert. Nach dem fehlgeschlagenen Aufstand flüchtete der Dalai Lama nach Indien. China lehnt eine Autonomie der Himalaya-Region strikt ab.
(sda)


























