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Uranunfall
09. Juli 2008 17:29; Akt: 09.07.2008 17:29 Print
Atomfirma droht Strafe
Nach dem Unfall in der französischen Atomanlage Tricastin sind schwere Vorwürfe gegen die Betreiberfirma erhoben worden. Diese hat sich nach dem Auslaufen radioaktiver Flüssigkeit stundenlang Zeit gelassen, die Atomaufsicht zu informieren.
Die Firma Socatri, eine Tochterfirma des Atomkonzerns Areva, habe sie erst am Dienstagmorgen darüber informiert, dass in der Atomanlage an der Rhone im Südosten Frankreichs Uran ausgetreten sei, erklärte die Aufsichtsbehörde ASN am Mittwoch.
Atomanlage TricastinTricastin nahe Pierrelatte im Rhône-Tal, wo 30.000 Liter einer uranhaltigen Lösung ausgetreten sind, ist eine der grössten Atomanlagen Frankreichs. Neben vier Druckwasserreaktoren des Energieunternehmens EDF mit einer Leistung von je 900 Megawatt betreibt der Atomkonzern Areva auf dem 600 Hektar grossen Gelände eine Fabrik zur Anreicherung von Kernbrennstäben (Eurodif), die einen Grossteil der Stromproduktion Tricastins verbraucht. Bei der Eurodif-Filiale Socatri kam es am Dienstag zu dem Zwischenfall. Dort werden nukleares Material und Installationen demontiert, 250 Mitarbeiter sind zudem mit Wartungsarbeiten sowie der Bearbeitung von atomaren Abfällen beschäftigt. Insgesamt sind in der Atomanlage Tricastin im Département Drôme 6.000 Menschen angestellt.
(AP)
Nach Angaben von Socatri sei der Behälter mit radioaktiver Flüssigkeit aber am Montagabend kurz vor Mitternacht übergelaufen. Die Atomaufsicht werde dies prüfen und «nötigenfalls Strafen verhängen».
75 Kilo Uran in die Umwelt
Der Unfall hatte sich bei Reinigungsarbeiten in dem Werk ereignet, das Atommüll behandelt und Material aus der Urananreicherungsanlage Eurodif aufbereitet.
Dabei waren 30 Kubikmeter Flüssigkeit mit 360 Kilogramm abgereicherten Uran aus einem undichten Kessel entwichen. Ein Teil blieb auf dem Firmengelände, ein anderer Teil lief in die nahen Gewässer Gaffière und Lauzon.
Die Betreiberfirma erklärte, nur 75 Kilogramm Uran seien tatsächlich in die Umwelt gelangt. Dennoch hielten die Behörden des Gebiets Vaucluse beim Fischfang- und Badeverbot für mehreren Gemeinden fest. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, erklärten die Behörden.
Die Atomaufsicht stufte den Unfall in der Skala von null bis sieben auf eins. Die Uranbelastung der Rhône-Zuflüsse Gaffière und Auzon sei zwar 1000 mal so hoch gewesen wie normal, nehme aber wegen der Verdünnung schnell ab. Ein Teil des Urans sei mit dem verseuchten Boden aufgenommen und entfernt worden.
Streit um die Risiken
Die Umweltschutzbewegung Sortir du Nucléaire nannte es dagegen «unmöglich», dass die Bevölkerung nicht gefährdet sei. Wer die Uranpartikel einatme oder mit dem Wasser aufnehme, setze sich einer erheblichen Krebsgefahr aus.
Die Kommission für Unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität (CRIIRAD) erklärte, man könne davon ausgehen, dass die für das Gesamtjahr zulässige Obergrenze um das Hundertfache überschritten worden sei. Das unmittelbare Gesundheitsrisiko sei zwar nicht sehr hoch, doch der Vorfall belege die Unsicherheit der Anlage.
Tricastin ist nach der Wiederaufbereitungsanlage La Hague die grösste französische Atomanlage. Neben vier Kernreaktoren umfasst das Gelände geheime Militäranlagen, das Werk der Eurodif-Tochter Socatri und ein Lager für militärische Atomabfälle.
(sda)

























