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Vor 15 Jahren verschwunden
08. März 2010 13:41; Akt: 08.03.2010 15:23 Print
Vermisster Pantschen Lama lebt in Tibet
Vor 15 Jahren war ein tibetischer Junge nach seiner Ernennung zum Pantschen Lama, dem zweithöchsten geistlichen Oberhaupt der Tibeter, spurlos verschwunden. Jetzt gibt es ein Lebenszeichen.
Schweizer Tibet-Aktivisten mit einem Foto des verschwundenen Pantschen Lama. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)
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Das Dalai-Lama-Quest
Der mittlerweile 20-Jährige geniesse ein «gutes Leben» in Tibet, sagte der neue Gouverneur der Region, Padma Choling, am Sonntag vor den Medien während der diesjährigen Tagung des chinesischen Volkskongresses in Peking. Seine Familie wolle nicht gestört werden. Den Aufenthaltsort oder andere Details nannte der Gouverneur nicht, ausser dass seine Geschwister an der Universität studierten oder normaler Arbeit nachgingen.
Gyaltsen Norbu, der Pantschen Lama von Pekings Gnaden.(Bild: Keystone)
Pantschen Lama
Der Pantschen Lama ist die zweithöchste religiöse Autorität des buddhistischen Tibet und traditionell zuständig für die Anerkennung der Reinkarnation des Dalai Lama und seiner anschliessenden spirituellen Ausbildung. Der Pantschen Lama wird als die Reinkarnation von Panchen Lobsang Choegyen angesehen, einem Klostervorsteher des 15. Jahrhunderts. Der Dalai Lama bestimmt umgekehrt die Reinkarnation des Pantschen Lama. Zwischen den beiden religiösen Autoritäten kam es immer wieder zu Rivalitäten, die von den Nachbarn Tibets (Indien und China) bis in unsere Tage politisch genutzt werden. So arrangierte sich der 1989 verstorbene letzte (10.) Panchen Lama mit Peking, nachdem er während der Kulturrevolution in den 60er Jahren eingesperrt und gefoltert worden war.
Das Schicksal von Gendun Choekyi Nyima, den der Dalai Lama im Mai 1995 gegen den Willen Pekings als Reinkarnation des 1989 an Herzversagen verstorbenen 10. Pantschen Lama ausgerufen hatte, ist bis heute ungeklärt. China hatte die Wahl nicht anerkannt, den damals Fünfjährigen verschwinden lassen und einen anderen Jungen zur Wiedergeburt erkoren. Lange wurde vermutet, Gendun Choekyi Nyima sei nach China verschleppt worden. Menschenrechtler bezeichneten ihn als «jüngsten politischen Gefangenen der Welt».
Nur geringe Akzeptanz
Der heute 19-jährige Gyaltsen Norbu, der Pantschen Lama von Pekings Gnaden, steht für die kommunistische Führung praktisch an der Spitze des tibetischen Buddhismus, der durch den Streit tief gespalten ist. Der chinesische Pantschen Lama, der selten in der Öffentlichkeit gesehen wird, war vor der Sitzung des Volkskongresses in einem symbolischen Schritt zum Delegierten der ebenfalls tagenden Politischen Konsultativkonferenz (CPPCC) ernannt worden, einem Beratergremium verdienter Persönlichkeiten.
Bei den Tibetern geniesst Gyaltsen Norbu nur geringe Akzeptanz, in den Tempeln findet man vorwiegend Fotos seines verstorbenen Vorgängers. Als zweithöchster Führer des tibetischen Buddhismus spielt der Pantschen Lama eine wichtige Rolle bei der Bestätigung der Wiedergeburt des Dalai Lamas, wenn der heute 75-jährige, im indischen Exil lebende Friedensnobelpreisträger sterben wird. Peking reklamiert für sich ein «historisches Recht», die geistlichen Führer der Tibeter zu ernennen.
Peking hat das letzte Wort
Gouverneur Padma Choling bekräftigte diesen Anspruch am Sonntag. Er lehnte es jedoch ab, sich über den Prozess zu äussern, wie die Reinkarnation des heutigen Dalai Lama ausgesucht werde. Er verwies nur auf die religiösen Riten und betonte, dass die Wahl von der chinesischen Zentralregierung in Peking bestätigt werden müsse. «Der 14. Dalai Lama lebt noch. Es ist zu früh, um diese Frage jetzt zu diskutieren.»
Der Dalai Lama («Ozean des Wissens») ist das religiöse Oberhaupt der Tibeter. Bis zum Einmarsch der chinesischen Armee 1950 war er auch weltliches Oberhaupt. Seit seiner Flucht 1959 lebt er in Indien, wo er eine Exilregierung aufbaute. Der Dalai Lama hat wiederholt vor einem «kulturellen Völkermord» in seiner Heimat gewarnt und setzt sich für friedlichen Widerstand ein. Seinen Anhängern gilt er als Verkörperung des Buddhas der Barmherzigkeit. China bezichtig ihn, den gewalttätigen Separatismus zu fördern.
(pbl/sda)

























