06. März 2008 10:52; Akt: 22.11.2010 14:35 Print

Das Schwein des AnstossesDas Schwein des Anstosses

von Runa Reinecke - Das Kinderbuch «Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel» sorgt derzeit in Deutschland für Wirbel. Heute wird darüber entschieden, ob das religionskritische Jugendbuch vom Markt genommen wird.

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Ferkel und Igel führen ein erfülltes Leben, bis sie eines Tages ein Plakat entdecken, auf dem «Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas» geschrieben steht. Also begibt sich das Kleinvieh auf den Tempelberg, um «Herrn Gott» zu suchen. Auf dem Tempelberg angekommen, stehen die beiden Helden der Geschichte vor drei grossen Gebäuden. Vor der Synagoge treffen sie den Rabbi, der erzählt, dass sich Gott sehr über die Menschen ärgerte und deshalb alles Leben vernichtete. «Auch alle Omas, Ferkel und Meerschweinchen?» fragt das Ferkel. «Ja, alles Leben», antwortet der Rabbi. Auf die Frage des Ferkels, was die Menschen den Schlimmes getan hätten, erklärt der Rabbi, sie hätten andere Götter angebetet. Igel und Ferkel ergreifen die Flucht ... ... und treffen vor einer Kirche auf einen dicken Mann mit lila Käppchen auf dem Kopf. Die Tiere fragen den Bischof: «Wo bitte geht's zu Gott?» Der Bischof bittet die beiden in die Kirche. Als das Ferkel zu den vermeintlichen Guetzli, die eigentlich Hostien sind, greift, platzt dem Bischof der Kragen. «Das ist der Leib des Herrn!» ruft er erbost. Das Ferkel rennt mit dem Igel davon und ruft «Sofort weg hier! ... Das sind Menschenfresser!» Dann treffen Sie den Mufti - er bittet Ferkel und Igel in die Moschee. Als das Ferkel - völlig unbewusst und naiv - den Propheten Mohammed beleidigt, müssen die Tiere fluchtartig die Moschee verlassen. Im Tumult geraten Bischof, Rabbi ... ... und Mufti in ein grosses Handgemenge. Dabei schlagen sie so wild aufeinander ein, dass Igel und Ferkel unbemerkt den Tempelberg verlassen können. Wieder zuhause angekommen, wird der Auslöser der vorangegangenen Suche nach «Herrn Gott» modifizert. Zum Schluss stellen die beiden fest, dass ihnen nichts fehlt.

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Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellte im Dezember den Antrag auf Indizierung des Buches des freischaffenden Philosophen und Schriftstellers Dr. Michael Schmidt-Salomon und des Illustrators Helge Nyncke. Das Werk soll – so die Auffassung der Bundesprüfstelle - «antisemitische Tendenzen» aufweisen und die «Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gefährden».

Ein Ferkel als «Schwein des Anstosses»

Eine Geschichte, die von einem kleinen Ferkel und einem Igel handelt – putzig und herzig, könnte man meinen. Doch hinter der Fabel, in der die beiden tierischen Protagonisten auf der Suche nach «Herrn Gott» durch einen Irrgarten der Weltreligionen wandeln und dann zum Schluss kommen, dass sie lieber gottlos glücklich leben, sieht das Ministerium unter der Leitung der deutschen Familienministerin Ursula von der Leyen ein Mittel zur Provokation. Mehr noch – besonders die im Buch dargestellte Figur des Rabbis, der laut Indizierungsantrag als «wütender Mann mit entgleisten Gesichtszügen und den stereotypen Merkmalen eines streng orthodoxen Juden…» interpretiert wird, stösst den Verantwortlichen des Ministeriums sauer auf. Für Schmidt-Salomon ein Affront: Er wehrt sich in einer persönlichen Erklärung entschieden gegen den Antisemitismusvorwurf: «In iranischen Medien hat man mich noch vor wenigen Monaten als 'zionistischen Agenten Israels' bezeichnet.» Gleichzeitig verweist der Autor auf hochrangige Unterstützung im Ferkel-Fall: «Dass der Antisemitismusvorwurf haltlos ist, hat nicht nur der jüdische Publizist Henryk M. Broder, sondern auch der Generalsekretär des deutschen Zentralrats der Juden herausgestellt.»

Über den Antrag zur Indizierung erfuhr der Autor selbst erst durch die Medien. Er ist sich sicher, dass ursprünglich die Diözese Rottenburg-Stuttgart Einsprache gegen das Buch erhoben hatte.

Kleinvieh macht auch Mist

Am Donnerstagvormittag wird darüber entschieden, ob die religionskritische Fabel auf den Index kommt. Dies würde das Aus für das Buch bedeuten. Immerhin hatte der Wirbel um den Indizierungsantrag kurzzeitig für eine Absatzsteigerung von «Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel» gesorgt. Wie auch immer der Entscheid der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ausfällt: Wer hätte gedacht, dass sogar kleine Ferkel im Licht des Medieninteresses derart lange Schatten werfen?


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  • Pastafari am 30.06.2009 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    So viel zur freien Meinungsäusserung

    Es ist wirklich erschreckend, wie sehr uns der Staat einschränkt. Und es ist noch erschreckender zu sehen, dass der Staat immer noch untrennbar von der Kirche ist, obwohl dies ursprünglich im Grundgesetz steht. Warum sind religiöse Kinderbücher zu Hauf auf dem Markt, so ein Buch wird aber verboten

  • Thomas am 29.06.2009 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    So sehr hat Gott die Welt geliebt,

    dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Joh. 3, 16

  • R. Wenger am 24.03.2008 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Agnostizismus

    Falsch: Am siebenten Tag schuf Gott den Menschen. Richtig: Schuf der Mensch Gott. Jeder Mensch hat Anrecht auf eine eigene Meinung;er hat kein Anrecht, dass sie von andern geteilt wird. Ob es ein höheres Wesen gibt weiss ich nicht, weiss niemand und wird es nie wissen.

    • W. Schanz am 30.11.2009 09:03 Report Diesen Beitrag melden

      Agnostizismus

      Lieber Herr R. Wenger, sie schreiben: Jeder Mensch hat Anrecht auf eine eigene Meinung;er hat kein Anrecht, dass sie von andern geteilt wird. Ich bin mit Ihnen einverstanden dass jedermann seine eigene Meinung haben kann, aber ich denke nicht dass Sie ein Anrecht haben dass ich ihre Meinung teile. Ich respektiere ihre Ansichten aber von teilen - ? Liebe und respektvolle Grüsse W. Schanz

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