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Das Schwein des Anstosses

von Runa Reinecke

Das Kinderbuch «Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel» sorgt derzeit in Deutschland für Wirbel. Heute wird darüber entschieden, ob das religionskritische Jugendbuch vom Markt genommen wird.

Rabbi und Bischof und Mufti (nicht im Bild) im Clinch. Das geht zu weit - findet die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in Berlin.br(Bild: Alibri-Verlag)
Rabbi und Bischof und Mufti (nicht im Bild) im Clinch. Das geht zu weit - findet die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in Berlin.
(Bild: Alibri-Verlag)

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellte im Dezember den Antrag auf Indizierung des Buches des freischaffenden Philosophen und Schriftstellers Dr. Michael Schmidt-Salomon und des Illustrators Helge Nyncke. Das Werk soll – so die Auffassung der Bundesprüfstelle - «antisemitische Tendenzen» aufweisen und die «Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gefährden».

Ein Ferkel als «Schwein des Anstosses»

Eine Geschichte, die von einem kleinen Ferkel und einem Igel handelt – putzig und herzig, könnte man meinen. Doch hinter der Fabel, in der die beiden tierischen Protagonisten auf der Suche nach «Herrn Gott» durch einen Irrgarten der Weltreligionen wandeln und dann zum Schluss kommen, dass sie lieber gottlos glücklich leben, sieht das Ministerium unter der Leitung der deutschen Familienministerin Ursula von der Leyen ein Mittel zur Provokation. Mehr noch – besonders die im Buch dargestellte Figur des Rabbis, der laut Indizierungsantrag als «wütender Mann mit entgleisten Gesichtszügen und den stereotypen Merkmalen eines streng orthodoxen Juden…» interpretiert wird, stösst den Verantwortlichen des Ministeriums sauer auf. Für Schmidt-Salomon ein Affront: Er wehrt sich in einer persönlichen Erklärung entschieden gegen den Antisemitismusvorwurf: «In iranischen Medien hat man mich noch vor wenigen Monaten als 'zionistischen Agenten Israels' bezeichnet.» Gleichzeitig verweist der Autor auf hochrangige Unterstützung im Ferkel-Fall: «Dass der Antisemitismusvorwurf haltlos ist, hat nicht nur der jüdische Publizist Henryk M. Broder, sondern auch der Generalsekretär des deutschen Zentralrats der Juden herausgestellt.»

Über den Antrag zur Indizierung erfuhr der Autor selbst erst durch die Medien. Er ist sich sicher, dass ursprünglich die Diözese Rottenburg-Stuttgart Einsprache gegen das Buch erhoben hatte.

Kleinvieh macht auch Mist

Am Donnerstagvormittag wird darüber entschieden, ob die religionskritische Fabel auf den Index kommt. Dies würde das Aus für das Buch bedeuten. Immerhin hatte der Wirbel um den Indizierungsantrag kurzzeitig für eine Absatzsteigerung von «Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel» gesorgt. Wie auch immer der Entscheid der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ausfällt: Wer hätte gedacht, dass sogar kleine Ferkel im Licht des Medieninteresses derart lange Schatten werfen?


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