Ford Hood

10. November 2009 06:24; Akt: 10.11.2009 08:16 Print

Amokläufer aus dem Koma erwachtAmokläufer aus dem Koma erwacht

Kommt bald Klarheit hinter den Amoklauf von Fort Hood? Der schwer verletzte Verantwortliche für das Massaker von Fort Hood, Major Nidal Malik Hasan, ist im Spital zu Bewusstsein gekommen und spricht. Heute wird im Stützpunkt ein Gedenkgottesdienst mit Präsident Obama stattfinden.

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Ein Psychiater des amerikanischen Heeres hat auf dem grössten Militärstützpunkt der USA in Fort Hood zwölf Menschen erschossen und 31 verletzt. Der Täter wurde offiziell als der 39-jährige Major Malik Nidal Hasan identifiziert. Er sei in Virginia geboren und ein gläubiger Muslim gewesen. Er erlitt bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften schwere Verletzungen und befindet sich unter Bewachung im Krankenhaus des Stützpunktes. Ermittler erstellten ein Profil zur Klärung des Motivs des Amoklaufs. Sie fanden heraus, dass Hasan eine schlechte Bewertung für seine Zeit im Militärkrankenhaus Walter Reed erhalten habe, von wo er nach sechs Jahren Dienst im Juli nach Fort Hood versetzt worden sei. Nach der Schiesserei sind zunächst drei weitere Personen festgenommen und befragt worden. Man ging aber bald von einem Einzeltäter aus. Hasan habe oft mit dem Imam einer Moschee in Maryland über seinen Wunsch gesprochen, eine Frau zu finden. In einem Partnervermittlungsprogramm der Moschee habe er sich als Palästinenser bezeichnet, sagte er weiter. «Er wurde aber in Virginia geboren», so der Imam. Laut offiziellen Angaben hatte der Täter zwei Handfeuerwaffen benutzt. Zum Zeitpunkt des Massakers habe eine Zeremonie für Absolventen einer Ausbildung im Auditorium des Readiness Centers stattgefunden. Ein Kollege des mutmasslichen Täters, der pensionierte Oberstleutnant Terry Lee, sagte im Fernsehsender Fox, Hasan habe gehofft, dass Obama die Truppen aus Afghanistan und dem Irak zurückholt. Er habe sich oft mit Kameraden gestritten, die für die Einsätze gewesen seien. US-Senatorin Kay Bailey Hutchison sagte, der Major habe vor einer Versetzung ins Ausland gestanden. Sie wisse aber nicht, ob er nach Afghanistan oder Irak sollte. Gegen eine Versetzung habe der Täter gekämpft. Mit einer Fläche von 880 Quadratkilometern ist der Heeresstützpunkt Fort Hood in Texas der grösste Panzerstützpunkt in den Vereinigten Staaten. In der Garnison zwischen Austin und Waco sind 52.000 Soldaten stationiert.

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Die künstliche Beatmung des Amokäufers konnte eingestellt werden. Der Kommandant des US-Stützpunkts, Bob Cone, bestätigte am Montag, dass Malik Hasan wieder erwacht sei. Ob er inzwischen Angaben zum Motiv seiner Bluttat machte, sagte der General aber nicht.

17 der 30 Verletzten befanden sich am späten Samstagabend noch im Spital. Ermittlern zufolge feuerte Hasan während des Amoklaufs mehr als 100 Schüsse ab. Bei den Todesopfern handelt es sich um zwölf Armeeangehörige und einen Zivilisten. Unter den Todesopfern ist eine 21-jährige schwangere Soldatin. Das jüngste Opfer war 19 Jahre alt.

Motiv weiterhin unklar

Über das Motiv des 39-jährigen Militärpsychiaters Nidal Malik Hasan herrscht weiter Unklarheit. So gilt als möglich, dass Hasan, der traumatisierte Rückkehrer aus Afghanistan und dem Irak betreute, unter der Last seiner Aufgabe zusammenbrach.

Verwandte hatten zudem berichtet, der gläubige Muslim habe sich diskriminiert gefühlt und unter seiner bevorstehenden Entsendung ins Ausland gelitten. Hasan hätte Ende November gegen seinen Willen nach Afghanistan geschickt werden sollen.

«In den USA selbst radikalisiert»

Nicht ausgeschlossen wird auch ein religiöser Hintergrund. So soll Hasan unmittelbar vor der Bluttat «Allahu akbar» (arabisch für: «Gott ist grösser») gerufen haben. Ermittler der Bundespolizei FBI hatten zudem bereits früher im Internet extremistische Texte gefunden, die jemand unter dem Namen Nidal Hasan verfasst hatte.

Am Wochenende wurde auch bekannt, dass Hasan offenbar die gleiche Moschee besucht hat wie zwei Attentäter vom 11. September 2001. Für die Mutter Hasans fand am 31. Mai 2001 eine Trauerfeier im Islamischen Zentrum Dar al Hijrah in Falls Church im US-Staat Virginia statt. Imam dieser Moschee im Grossraum Washington war damals der als radikal bezeichnete Prediger Anwar Aulaqi. Die Moschee wurde nach Angaben aus Ermittlerkreisen im April 2001 auch von Nawaf al Hazmi und Khalid al Mihdhar besucht, die an den 9/11-Anschlägen beteiligt waren.

Der einflussreiche US-Senator Joe Lieberman forderte deshalb eine Kongressuntersuchung der Vorfälle. Sollten die bisherigen Berichte zutreffen, handle es sich um den «schlimmsten Terroranschlag» seit dem 11. September 2001.

Der Täter trage die Züge eines Terroristen, der sich in den USA selbst radikalisiert habe, sagte der Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz dem US-Fernsehsender Fox News. Als ausgeschlossen gilt mittlerweile, dass beim Unglück Mittäter im Spiel waren.

Trauerfeier mit Obama

An diesem Dienstag sollen die Toten in einer Trauerfeier geehrt werden. Dazu reisen auch Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle nach Fort Hood im US-Bundesstaat Texas. Wegen der Trauerfeierlichkeiten hat Obama eigens seinen Abflug nach Asien verschoben. Er wird nun erst am Donnerstag nach Tokio aufbrechen.

(sda/dapd)