Fall Mannichl

12. Januar 2009 13:09; Akt: 12.01.2009 13:42 Print

«Du wirst jetzt langsam sterben»«Du wirst jetzt langsam sterben»

Vier Wochen nach dem Angriff auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl erhält dieser wieder Briefe mit Morddrohungen. Trotz der vielen Ungereimtheiten im Fall werden die Schreiben von den Ermittlern ernst genommen.

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«Du Drecksau bist leider nicht gleich verreckt, aber du wirst jetzt langsam sterben», zitiert die Passauer Zeitung «Am Sonntag» aus den anonymen Schreiben. Polizeichef Alois Mannichl habe sämtliche Briefe, die allesamt an seine Privatadresse in Fürstenzell gingen, unverzüglich an die Kriminalpolizei weitergeleitet, hiess es. Dort würden diese nun ausgewertet und Schriftvergleiche gezogen. Die Drohnungen würden sehr ernst genommen, ein politischer Hintergrund sei in den Schreiben aber nicht zu erkennen.

Es wird weiter ermittelt

Das Messerattentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl gibt immer mehr Rätsel auf (20 Minuten Online berichtete). Der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch sprach am Wochenende von Merkwürdigkeiten in dem Fall. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz gibt es noch immer keinerlei Hinweise auf eine Verstrickung der rechtsextremistischen Szene in das Verbrechen vom 13. Dezember. Mannichl selbst wies empört Spekulationen über einen möglichen familiären Hintergrund des Verbrechens zurück.

Walch sagte der «Süddeutschen Zeitung», es sei «merkwürdig», dass für den Angriff ein Messer aus dem Haushalt des Polizeichefs benutzt worden sei und darauf keine Fremdspuren gefunden worden seien. Allerdings bestritt auch Walch angebliche Hinweise auf eine Beziehungstat. Der Staatsanwalt verteidigte zugleich das Vorgehen der Ermittler. Sie hätten aufgrund der Hinweise des Opfers vor allem die rechtsradikale Szene im Visier gehabt, doch werde von Anfang an auch in andere Richtungen ermittelt.

Auch dem Verfassungsschutz liegen trotz Beobachtung der rechten Szene durch V-Leute keine Erkenntnisse über einen rechtsextremistischen Hintergrund vor. «Hätten wir Hinweise, würden wir diese sofort weiterleiten. Das ist bisher nicht der Fall», sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, der Tageszeitung «Die Welt». Der derzeitige Ermittlungsstand erlaube aber noch keine abschliessende Bewertung.

Mehrere Drohbriefe

Mannichl hatte ausgesagt, der Messerstecher habe ihm vor seiner Tat «Grüsse vom Nationalen Widerstand» ausgerichtet. Fromm sagte der Zeitung: «Der häufig als Parole gebrauchte Begriff 'Nationaler Widerstand' wird seit den Verbotsmassnahmen in den 90er Jahren besonders von Neonazis verwendet, aber nicht ausschliesslich.» Jedenfalls firmiere unter diesem politischen Label keine bestimmte Gruppe.

Nach Angaben Walchs sind die bundesweit verbreiteten Phantombilder, die zwei mögliche Täter aus der rechtsradikalen Szene zeigten, unbrauchbar. Man zweifle mittlerweile an der Beobachtungsgabe der Zeugin, aufgrund deren Aussage die Bilder erstellt worden waren. Zugleich klagte der Staatsanwalt über das Schweigen der Nachbarn, die Angaben zu dem Attentat machen könnten. Viele von ihnen seien erst auf eine «scharfe zweite Befragung» hin zu Aussagen bereit gewesen.

«Das ist ein ganz normaler Ermittlungsfall»

Mannichl wies in Interviews der «Passauer Neuen Presse» und der Münchner «Abendzeitung» die Spekulationen als Quatsch zurück und erklärte, die Berichte belasteten ihn sehr. Im Nachrichtenmagazin «Focus» bezeichnete er die bislang erfolglose Fahndung als nicht ungewöhnlich: «Das ist ein ganz normaler Ermittlungsfall. Nur weil der Polizeidirektor das Angriffsziel ist, besteht für den Täter keine Veranlassung, die Visitenkarte an der Haustür zu hinterlassen.» Polizeiarbeit gestalte sich eben manchmal schwierig.

Dem Passauer Wochenblatt «Am Sonntag» bestätigte der 52-Jährige, dass er nach der Tat mehrere anonyme Briefe erhalten habe, in denen ihm erneut der Tod angedroht werde. In den Schreiben werde bedauert, dass er bei dem Messer-Attentat am 13. Dezember nicht ums Leben gekommen sei. Die Briefe würden derzeit von der Kriminalpolizei ausgewertet. Ein politischer Hintergrund sei aber nicht zu erkennen.

(AP/kle)

(dapd)