Schüsse in Jos

10. März 2010 08:00; Akt: 10.03.2010 13:23 Print

Angst vor neuem Gewaltausbruch in NigeriaAngst vor neuem Gewaltausbruch in Nigeria

Nach dem Blutbad mit offiziell 109 Toten in Nigeria haben Schüsse Angst vor neuer Gewalt geschürt. Die UNO rief dazu auf, die tieferen Ursachen für den Zusammenstoss zwischen Christen und Muslimen zu bekämpfen.

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Mehr als 100 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, suchten am Dienstagabend in der Stadt Jos in einem Hotel Schutz, nachdem in den Strassen Gewehrfeuer zu hören war. Die Behörden erliessen ein nächtliches Ausgehverbot. Menschenrechtsgruppen forderten eine unabhängige Untersuchung der Gewalt zwischen Muslimen und Christen. Zugleich wurde der amtierende Präsident Goodluck Jonathan aufgerufen, für in der religiös gemischten Gegend um Jos für Sicherheit zu sorgen.

Die UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hat am Dienstag in Genf gefordert, die Sicherheit umgehend zu verbessern und die tieferen Ursachen der Gewalt zwischen den Religionsgemeinschaften zu bekämpfen. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) verurteilte die Gewalt und rief zur Versöhnung auf. Die nigerianische Oppositionspartei Action Congress (AC) forderte die Regierung von Interimspräsident Jonathan auf, endlich gegen die Urheber der Gewalt durchzugreifen. In den vergangenen Jahren seien die Täter straffrei ausgegangen, kritisierte die Partei am Dienstag in einer Erklärung.

Opferzahlen nach unten korrigiert

In Jos kamen seit Januar mehr als 500 Menschen bei Unruhen ums Leben, überwiegend Muslime. Beim jüngsten Vergeltungsakt in der Nacht zum Sonntag wurden drei überwiegend von Christen bewohnte Dörfer überfallen und zahlreiche Bewohner getötet. Frauen und Kinder wurden mit Macheten niedergemetzelt. Ursprünglich wurde die Zahl der Massakrierten mit 500 angegeben. Die nigerianische Polizei hat die Zahl deutlich nach unten korrigiert. Bei dem Überfall seien 109 Menschen getötet worden, teilte der Polizeichef des Bundesstaates Plateau, Ikechukwu Aduba, am Mittwoch mit. Diese Zahl sei «authentisch und unstrittig».

Frühere Angaben der Behörden, nach denen mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen seien, seien «gefälscht» gewesen. Vertreter der örtlichen Zivilgesellschaft hatten von 200 bis 400 Todesopfern gesprochen.

Zum Zeitpunkt des Massakers galt eigentlich ein Ausgehverbot, und Soldaten hätten die Region patrouillieren sollen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch appellierte deshalb an Präsident Jonathan, die Polizei und das Militär zum Schutz der Dorfbewohner zu verpflichten.

Die nigerianische Bevölkerung besteht jeweils fast zur Hälfte aus Muslimen und Christen, wobei die Christen überwiegend im Süden leben und die Muslime im Norden. Die zentrale Stadt Jos und ihre Umgebung liegen genau an der Trennlinie. Dort kämpfen also unterschiedliche religiöse und ethnische Gruppen um die Kontrolle über fruchtbares Land.

(sda/dapd)