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Fidel Castro
09. September 2010 06:40; Akt: 09.09.2010 16:40 Print
«Unser Modell funktioniert nicht mehr»
Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro hat einem US-Journalisten zufolge das Scheitern des sozialistischen Modells in Kuba eingeräumt.
Auf die Frage, ob es sich noch lohne, das kubanische Modell auf andere Länder zu übertragen, habe der 84-Jährige geantwortet: «Das kubanische Modell funktioniert selbst bei uns nicht mehr.» Das schrieb der US-Journalist Jeffrey Goldberg am Mittwoch in seinem Blog auf der Internetseite des US-Magazins «The Atlantic».
Bildstrecken Fidel Castro im AquariumSo lebt der Comandante Infografik Die kubanische RevolutionTimeline Fidel Castro Video
Fidel Castro wieder am TV
Goldberg war von der Regierung zu dem Interview mit Castro nach Havanna eingeladen worden. Sein Artikel wurde am Dienstag und Mittwoch in zwei Teilen in «The Atlantic» veröffentlicht. Der US-Journalist hatte die Kuba-Kennerin Julia Sweig gebeten, an dem Gespräch teilzunehmen, um bei der Analyse der Antworten zu helfen.
Zu viel Staat
Sweig sagte, Castro habe mit seiner Äusserung die Revolution nicht infrage gestellt. «Für mich war es die Feststellung, dass im kubanischen System der Staat eine zu grosse Rolle im Wirtschaftsleben einnimmt», erklärte sie.
Eine derartige Analyse passe zu den Ereignissen und Reformbestrebungen der vergangenen Wochen, sagte Sweig dazu. Präsident Raúl Castro hatte den Kubanern Lockerungen in Richtung Marktwirtschaft verkündet, um die sieche Wirtschaft anzukurbeln.
Fidel wolle seinem Bruder und Präsidenten Raúl Castro den Raum für Reformen schaffen, analysierte die Kuba-Expertin Sweig weiter, «damit dieser die notwendigen Reformen angesichts des sicheren Widerstandes der orthodoxen Kommunisten in Partei und Bürokratie in die Wege leiten kann».
Bedauern über Haltung von 1962
Kubas Wirtschaft leidet seit 1962 unter einem US-Wirtschaftsembargo und hatte mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks die Sowjetunion als Unterstützer verloren. Derzeit hilft die Regierung in Venezuela dem verarmten Inselstaat mit verbilligten Öllieferungen aus.
In dem über mehrere Tage geführten Interview mit dem US-Magazin äusserte sich Castro auch zu anderen Themen ungewohnt selbstkritisch. So bedauerte er seine Haltung während der Raketenkrise von 1962, durch die die Welt an den Rand eines Atomkrieges geraten war. Nach allem, was er erlebt habe und heute wisse, «war es das alles nicht wert», sagte Castro demnach.
Im 22. Oktober 1962 hatte US-Präsident John F. Kennedy eine Luft- und Seeblockade gegen Kuba verhängt, nachdem die Sowjetunion Atomraketen auf der nur 150 Kilometer von der Küste Floridas liegenden Insel stationiert hatten.
Es folgten Tage höchster Spannungen zwischen den beiden Weltmächten, die auch einen Atomkrieg möglich scheinen liessen. Am 28. Oktober entsprach der sowjetische Präsident Nikita Chruschtschow schliesslich der US-Forderung, die Abschussrampen abzubauen und die Raketen aus Kuba abzuziehen.
In guter Verfassung
Seit Castros Rückzug von der Staatsführung wegen einer Darmoperation hatte er sich lange Zeit nicht in der Öffentlichkeit gezeigt, in den vergangenen Wochen mehrten sich jedoch seine Auftritte. Unter anderem stellte Castro ein knapp 900 Seiten starkes Buch mit seinen Lebenserinnerungen vor.
Dem «The Atlantic»-Bericht zufolge scheint Castro im Moment in guter Verfassung zu sein. Interviewer Goldberg schrieb, Castro habe zum Mittagessen sogar ein Glas Wein getrunken. Über einen gemeinsamen Besuch in einem Aquarium in Kubas Hauptstadt Havanna berichtete der Journalist, er habe «noch nie jemanden mit so viel Spass an einer Delphin-Show gesehen wie Fidel Castro».
(sda)


























