Fidel Castro

09. September 2010 06:40; Akt: 09.09.2010 16:40 Print

«Unser Modell funktioniert nicht mehr»«Unser Modell funktioniert nicht mehr»

Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro hat einem US-Journalisten zufolge das Scheitern des sozialistischen Modells in Kuba eingeräumt.

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Fidel Castro Ruz wurde am 13. August 1926 geboren. Seine Eltern, ein spanisches Emigrantenpaar, waren reiche Zuckerrohrplantagenbesitzer und konnten Fidel und seinem Bruder Raúl eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen. Von 1957 bis 1959 führte Castro in der Sierra Maestra eine Guerilla-Truppe an, die sich den Sturz des Diktators Fulgencio Batista zum Ziel gesetzt hatte. Kuba galt zu Zeiten Batistas als «Bordell» der USA - wie in vielen Karibikstaaten erwirtschaftete eine kleine Oberschicht Reichtümer auf Kosten der verarmten, unterversorgten und schlecht ausgebildeten Landbevölkerung. Am 1. Januar 1959 übernahmen die Rebellen nach der Flucht von Batista die Macht. 1961 scheiterte eine CIA-gestützte Invasion von Exilkubanern in der Schweinebucht gegen die Regierung Castros. Die Invasion markierte einen ersten Höhepunkt der anti-kubanischen Aktionen der USA. Unter Castro verfolgte Kuba eine Politik des Internationalismus. Im Bild: Castro 1971 zusammen mit Chiles Präsident Salvador Allende in Santiago de Chile. 1976 wird Castro zum Staatspräsidenten gewählt. Er bekleidet ausserdem das Amt des Vorsitzenden des Staatsrates und des Ministerrates und ist Oberkommandierender der Streitkräfte. Die Marathon-Reden Castros sind legendär: Der Rekord liegt bei rund zehn Stunden. 1. August 1998: Castro spricht am Nationalfeiertag zu den Einwohnern von Barbados. An diesem Tag feiern die Bewohner der Insel die Befreiung von der Sklaverei. 1999 retten Fischer den sechsjährigen Elián González aus dem Meer. Die Mutter ertrank bei ihrem Versuch, in die USA auszuwandern. Elián schafft es nach Florida. Es folgt ein politisches Gezerre. Im 2000 kehrt das Kind mit seinem Vater nach Kuba zurück. Erste Zeichen der Schwäche: 2004 stürzt der Máximo Líder bei einer Veranstaltung und bricht sich das Knie und den rechten Arm. 2006 gab er wegen einer schweren Erkrankung seine Regierungsfunktionen vorläufig an seinen jüngeren Bruder Raúl ab. Am 19. Februar 2008 verkündet Fidel Castro seinen endgültigen Rücktritt.

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Auf die Frage, ob es sich noch lohne, das kubanische Modell auf andere Länder zu übertragen, habe der 84-Jährige geantwortet: «Das kubanische Modell funktioniert selbst bei uns nicht mehr.» Das schrieb der US-Journalist Jeffrey Goldberg am Mittwoch in seinem Blog auf der Internetseite des US-Magazins «The Atlantic».

Goldberg war von der Regierung zu dem Interview mit Castro nach Havanna eingeladen worden. Sein Artikel wurde am Dienstag und Mittwoch in zwei Teilen in «The Atlantic» veröffentlicht. Der US-Journalist hatte die Kuba-Kennerin Julia Sweig gebeten, an dem Gespräch teilzunehmen, um bei der Analyse der Antworten zu helfen.

Zu viel Staat

Sweig sagte, Castro habe mit seiner Äusserung die Revolution nicht infrage gestellt. «Für mich war es die Feststellung, dass im kubanischen System der Staat eine zu grosse Rolle im Wirtschaftsleben einnimmt», erklärte sie.

Eine derartige Analyse passe zu den Ereignissen und Reformbestrebungen der vergangenen Wochen, sagte Sweig dazu. Präsident Raúl Castro hatte den Kubanern Lockerungen in Richtung Marktwirtschaft verkündet, um die sieche Wirtschaft anzukurbeln.

Fidel wolle seinem Bruder und Präsidenten Raúl Castro den Raum für Reformen schaffen, analysierte die Kuba-Expertin Sweig weiter, «damit dieser die notwendigen Reformen angesichts des sicheren Widerstandes der orthodoxen Kommunisten in Partei und Bürokratie in die Wege leiten kann».

Bedauern über Haltung von 1962

Kubas Wirtschaft leidet seit 1962 unter einem US-Wirtschaftsembargo und hatte mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks die Sowjetunion als Unterstützer verloren. Derzeit hilft die Regierung in Venezuela dem verarmten Inselstaat mit verbilligten Öllieferungen aus.

In dem über mehrere Tage geführten Interview mit dem US-Magazin äusserte sich Castro auch zu anderen Themen ungewohnt selbstkritisch. So bedauerte er seine Haltung während der Raketenkrise von 1962, durch die die Welt an den Rand eines Atomkrieges geraten war. Nach allem, was er erlebt habe und heute wisse, «war es das alles nicht wert», sagte Castro demnach.

Im 22. Oktober 1962 hatte US-Präsident John F. Kennedy eine Luft- und Seeblockade gegen Kuba verhängt, nachdem die Sowjetunion Atomraketen auf der nur 150 Kilometer von der Küste Floridas liegenden Insel stationiert hatten.

Es folgten Tage höchster Spannungen zwischen den beiden Weltmächten, die auch einen Atomkrieg möglich scheinen liessen. Am 28. Oktober entsprach der sowjetische Präsident Nikita Chruschtschow schliesslich der US-Forderung, die Abschussrampen abzubauen und die Raketen aus Kuba abzuziehen.

In guter Verfassung

Seit Castros Rückzug von der Staatsführung wegen einer Darmoperation hatte er sich lange Zeit nicht in der Öffentlichkeit gezeigt, in den vergangenen Wochen mehrten sich jedoch seine Auftritte. Unter anderem stellte Castro ein knapp 900 Seiten starkes Buch mit seinen Lebenserinnerungen vor.

Dem «The Atlantic»-Bericht zufolge scheint Castro im Moment in guter Verfassung zu sein. Interviewer Goldberg schrieb, Castro habe zum Mittagessen sogar ein Glas Wein getrunken. Über einen gemeinsamen Besuch in einem Aquarium in Kubas Hauptstadt Havanna berichtete der Journalist, er habe «noch nie jemanden mit so viel Spass an einer Delphin-Show gesehen wie Fidel Castro».

(sda)